Gesundheitsserie

Enge Zusammenarbeit zwischen Ergotherapeut und Patient

Seit einem Jahr ein Team: Ergotherapeutin Vanessa Barkow arbeitet im BG Klinikum zusammen mit einer Patientin, die nach einem schweren Autounfall halbseitig gelähmt ist.

Seit einem Jahr ein Team: Ergotherapeutin Vanessa Barkow arbeitet im BG Klinikum zusammen mit einer Patientin, die nach einem schweren Autounfall halbseitig gelähmt ist.

Foto: Kerstin Bögeholz

Duisburg-Buchholz.   Die Ergotherapeutin Vanessa Barkow kümmert sich am BG Klinikum in Duisburg-Buchholz um Patienten, die nach einem schweren Unfall gelähmt sind.

„Manchmal möchte ich zaubern können“, sagt Vanessa Barkow. Zaubern, damit ihre Patienten aufstehen und wieder loslaufen können, so wie vor dem Unfall. Doch mangels magischer Kräfte muss sich Vanessa Barkow wie ihre 22 Kollegen in der Ergotherapie des BG Klinikums auf ihre Fähigkeiten als Therapeutin verlassen. Damit hilft sie Menschen, die nach schweren Unfällen gelähmt sind, mit ihrer neuen Situation im Alltag so selbstständig wie möglich klarzukommen.

„Ich möchte die Klinik auf eigenen Beinen verlassen.“ Das hat sich Silke Schmidt (Name von der Redaktion geändert) fest vorgenommen. Und daran arbeitet sie seit vielen Monaten, auch zusammen mit ihrer Ergotherapeutin Vanessa Barkow.

Kurz nach dem Unfall beginnt die Therapie

Im März 2018 hatte die Patientin einen Schlaganfall – am Steuer ihres Autos. Der Wagen prallte frontal gegen einen Baum, die Fahrerin erlitt schwere Verletzungen am Rückenmark. Silke Schmidt ist seitdem linksseitig gelähmt. Dennoch sagt sie: „Ich habe Glück gehabt. Ich lebe noch.“

Schon wenige Wochen nach dem Unfall hat sie mit der Ergotherapie begonnen. „Anders als früher, fängt man heute so bald wie möglich an“, erklärt Vanessa Barkow. Vorausgesetzt, der Patient ist körperlich und auch mental dazu bereit, denn eine Therapie ist erst dann wirksam, wenn der Betroffene aktiv mitarbeitet.

„Als Ergotherapeut trauert man ein Stück mit“, sagt die junge Frau, die sich auf Neuro-Rehabilitation, also die Behandlung von schweren Rückenmarksverletzungen, spezialisiert hat. Einfühlungsvermögen sei eine wichtige Voraussetzung für ihre Arbeit.

Silke Schmidt ist eine Kämpfernatur. Vor einem Jahr konnte die Düsseldorferin sich kaum bewegen. Sie konnte weder den Kopf aufrecht halten noch sprechen. Mittlerweile funktioniert das alles wieder, und die rechte Körperhälfte kann sie auch wieder bewegen. Vanessa Barkow versucht nun, mit verschiedenen Übungen auch den linken Arm zu aktivieren. Dabei kommen auch computergesteuerte Geräte zum Einsatz, die zum Beispiel den tauben Arm anheben.

Große technische Unterstützung

„Auf dem Gebiet hat sich unheimlich viel getan“, sagt die Fachfrau. Samuel Koch, der bei „Wetten, dass ..?“ verunglückte, sei ein gutes Beispiel dafür, was man mit technischer Unterstützung alles machen kann. Auch Sprachsteuerungen sind hilfreich. Wenn die Finger das Handy nicht mehr bedienen können, dann können Alexa oder Siri einspringen.

In einem Praktikum lernte Vanessa Barkow eine querschnittsgelähmte Ergotherapeutin kennen. Sie war fasziniert von der Frau und den Möglichkeiten der Ergotherapie und entschied sich für eine Ausbildung in diesem Bereich.

Die Beziehung gerade zu den gelähmten Patienten ist eng. Die Therapeutin begleitet sie über viele Monate in einer sehr schwierigen Phase. Ihr Leben wurde durch den Unfall komplett auf den Kopf gestellt. Barkow: „Am Anfang wollen natürlich alle Patienten, dass es 100 Prozent wieder so ist wie vor dem Unfall.“ Ein Wunsch, der sich oft nicht erfüllen lässt. „Das Ziel ist, Funktionen, die durch den Unfall verloren gegangen sind, wiederherzustellen. Und mit dem zu leben, was noch geht“, sagt Vanessa Barkow. Dabei werden Ergotherapeuten manchmal auch erfinderisch: „Wir nähen Schlaufen, in denen man Besteck befestigen kann. Oder Rauchhilfen, damit Patienten wieder an ihrer Zigarette ziehen können.“

Achtsamer in der Freizeit

Ihre Arbeit im BG Klinikum bewirkt, dass die Therapeutin in ihrer Freizeit bedeutend achtsamer geworden ist. „Man darf natürlich nicht hinter jedem Baum eine Gefahr wittern. Aber ich würde nicht mehr so einfach von einem Boot ins Wasser springen, wenn ich nicht weiß, ob dort vielleicht Sandbänke sind.“

Leserkommentare (0) Kommentar schreiben