Brückenschäden

Einsturz der Uerdinger Brücke rechtzeitig verhindert

Hoch im Brückengerüst arbeiten die Experten an der Uerdinger Brücke in Duisburg. Unten lernen Ingenieursstudenten ihr Handwerk.

Hoch im Brückengerüst arbeiten die Experten an der Uerdinger Brücke in Duisburg. Unten lernen Ingenieursstudenten ihr Handwerk.

Foto: Tamara Ramos / FUNKE Foto Services

Duisburg-Mündelheim.  Die Uerdinger Brücke zwischen Duisburg-Mündelheim und Krefeld wird saniert. Experten zufolge drohte dem historischen Bauwerk sogar der Einsturz.

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Wer im Duisburger Süden mit dem Auto unterwegs ist, wird es zweifellos schon bemerkt haben: Die Uerdinger Brücke über den Rhein bei Mündelheim ist für Verkehr über 7,5 Tonnen gesperrt. Das heißt, dass alle Lkw, die von der Uerdinger Straße sonst rechts abbiegen würden, links über die B 288, die A 59, die A 40 und schließlich die A 57 fahren. Noch härter trifft es die Krefelder Seite, die Lkw biegen vor der Brücke links ab und stauen sich bis zu Abfahrt der A 57 zurück. Ein Experte erklärt, warum die Sperrung nötig ist und betont: Die Brücke stand kurz vor dem Einsturz.

Uerdinger Rheinbrücke in Duisburg drohte Einzustürzen

„Da liegt das Problem“, sagt Stephan Huth von Straßen.NRW und deutet auf große Stellen mit rissigem Beton unter der Rheinbrücke. Hoch oben auf dem Gerüst kann man etliche Löcher erkennen, die vor allem eine Ursache haben: Den dichten Lkw-Verkehr. „Im Schnitt fahren hier 4500 Lkw am Tag über die Brücke, zu Stoßzeiten 450 in der Stunde.

Huth vergleicht das mit einer „Perlenkette“, die Brücke ist also einer enormen, andauernden Belastung ausgesetzt. Die Fahrbahn selbst liegt lose auf einem Stahlgerüst, in einem Video ist mit bloßem Auge die Bewegung der Platte zu erkennen, als ein Lkw darüber fährt. „Der Beton schlägt also immer wieder auf das Stahlgerüst und platzt irgendwann ab“, erklärt Stephan Huth, „die Hohlräume zwischen Fahrbahn und Stahlgerüst werden größer.“

Hätten die regelmäßigen Kontrollen dieses Problem nicht erkannt, hätte auch das Stahlgerüst beschädigt werden können, „und dann wären Teile der Brücke einfach eingestürzt“, sagt Huth.

Beton und Stahlträger der Uerdinger Brücke stammen aus dem Jahr 1936

Deswegen musste der Lkw-Verkehr auch umgehend von der Brücke genommen werden. Allerdings, betont Huth, habe das Konstrukt auch schon einiges geleistet. „Beton und Stahl sind aus dem Jahr 1936, die Brücke hat sogar den Krieg überstanden“, erzählt Huth ehrfürchtig, „die Stahlträger der eingebrochenen Mittelpartie hat man nach dem Krieg aus dem Rhein gefischt und wieder verbaut.“

Dann zeigt der Experte ein Stück Beton, die Wiese unter der Brücke ist davon übersäht. „Das ist von oben runtergekommen, so einen Beton würde man heute nicht mehr verbauen.“ Mindestens fünfeinhalb Zentimeter dick müsste das Material heute sein, das Stück von 1936 kommt gerade einmal auf die Hälfte.

Ende 2019 ist die Duisburger Brücke wieder uneingeschränkt befahrbar – wenn das Wetter mitspielt

Die Lösung des Problems ist ein Material namens „Betonersatzsystem“. Das wird von Bauarbeitern, die hoch oben in der Brücke angeseilt sind, durch Löcher in die Brücke gespritzt und füllt die Hohlräume. Ende 2019 soll die Brücke dann wieder für Lkw öffnen, vorausgesetzt das Wetter spielt mit. „Es folgen dann im Frühjahr noch Arbeiten, da werden wir jeweils eine Spur sperren und den Verkehr mit Ampeln abwechselnd über die Brücke leiten“, so Stephan Huth.

Bis dahin müssen die Duisburger und Krefelder mit dem Lkw-Chaos zurechtkommen. Besonders problematisch sind die Hinweisschilder für Lkw-Fahrer, die erst sehr spät das Rechtsabbiegen von der Uerdinger Straße verbieten. Auch Stephan Huth weiß, dass immer wieder Lkw über die, eigentlich gesperrte, Brücke fahren. „Das finde ich unverständlich, vor allem, weil es so gefährlich ist, für alle Beteiligten.“

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