Sarret op Platt

Ein ganzes Dorf feiert die Fastelowendstied – den Karneval

Die Wurstsammler sind eine typisch Sermer Tradition.

Die Wurstsammler sind eine typisch Sermer Tradition.

Foto: Stephan Eickershoff/Archiv

Duisburg-Süd.   Von Oldwiewer bis Äschermettwoch: Mit unserem Platt-Wörterbuch können Sie beim Sermer Karneval mitreden. Aber sprechen Sie bloß nicht von Narren!

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >

Ausdrücke aus dem Sermer Platt sammeln und übersetzen wir für Sie in der Serie „Sarret op Platt“. In dieser Folge unseres fortlaufenden Wörterbuchs sind wir heute, passend zu Altweiber, mal ganz jeck unterwegs:

Fastelowend. Karneval. Wörtlich übersetzt der Vorabend zur Fastenzeit – schließlich ist nach Rosenmontag schon fast Aschermittwoch, und da ist ja bekanntlich alles vorbei, und die Fastenzeit beginnt.

Ruesemondach. Zwei Tage zuvor: der Rosenmontag.

Jeck. Von Narren spricht man beim Sermer Karneval nicht, sondern von Jecken.

Zoch. Zug. Und zwar nicht irgendeiner, sondern der Zug: da Zoch. Vom Gründer der KG Südstern, Kasselle Pitter, ist der Ausspruch überliefert: „Befür de Fastelowendszoch trog, moss mer mette necke Futt dorch Serm jonn, do hätt Dich keene jesenn.“ Frei übersetzt: „Bevor der Karnevalszug durchs Dorf zog, konnte man mit dem nackten Hintern durch Serm gehen, da hätte Dich keiner gesehen.“

Wares. Sie bilden den Zug: die Wagen.

Brocke. Sie werden traditionell geworfen: die Brocken, nicht etwa Kamelle. Früher in Form von Bonbons; heute sind Pralinen angesagt.

Ätzebeer. Am Karnevalssamstag wird der Winter ausgetrieben: Dazu wird ein Mann in Erbsenstroh eingewickelt und durchs Dorf getrieben. Die Umwickelung wird am Ende angezündet.

Wueschsammler. Noch eine Sermer Tradition: die Wurstsammler. Der Name spricht für sich.

Bütze. Gebützt wird auch im Duisburger Süden, nur ohne n.

Oldwiewerball. Altweiberball. Solange es ihn noch gab, ging man dort an Altweiber hin, verkleidet als Möhn: als altes Weib.

Bütt. Ein abgetrennter Teil der Bühne, von dem aus der Vortragende das Publikum unterhält.

Verkleijde. Wer geht schon als er selbst auf den Zug? Eben. Sich verkleiden. Gibt’s auch als kosstümiere.

Pappnas. Wenn’s für ein komplettes Kostüm nicht gereicht hat, dann tut es manchmal auch eine Pappnase.

Pörök. Oder was anderes auf dem Kopf: eine Perücke.

Äschermettwoch. Aschermittwoch.

Fesch eete. Fisch essen. Um die Fastenzeit einzuläuten.

<<< WERDEN SIE AUCH ZUM WORT-RETTER

Der Duisburger Süden hat seinen ganz eigenen Dialekt: das Sermer Platt. Trotz seines Namens wird es tatsächlich fast im ganzen Süden gesprochen – bis auf Buchholz. Oder eher: wurde. Denn in der heutigen Zeit gibt es immer weniger Menschen, die diesen Dialekt noch beherrschen.

Ihr Wissen sammeln wir in unserem fortlaufenden Plattwörterbuch. Und natürlich Ihres, liebe Leser: Nennen Sie uns Plattworte, die wir in unser Wörterbuch aufnehmen und vor dem Vergessen bewahren sollen. Sie erreichen uns unter 0203/935844-13 oder per E-Mail: redaktion.du-sued@waz.de

Zum Mitsingen: Das Lied zur Fastelowendstied 

Ein Lied zum Karneval, zur „Fastelowendstied“, schrieb einst Johann Löv senior, Prinz von 1953. Noch heute singen die Sermer es gerne:

1. Kömmt de Fastelowend an / freut sech Jruet on Kleen / Serm, dat es met alle Mann / lustig ob de Been, / Ja, dann sare all de Lütt, / wir jonnt hütt nom Franz, / der Südstern jeht hütt en de Bütt, / on dann wüed jedanst.

2. Ja, dann fiert dat janze Dorp, / wie en older Tied. / Alles es om Maskeball, / Tünnes, Schäl on Jriet, / alles jubelt, alles lacht, / treckt der Südstern ob, / Helau, dann es da janze Dorp / jrad wie bowendrop.

3. Du bruckst nit nor Kölle jonn, / Mensch, sinn nit so doof, / denn wir fiere onder ons / on dann wüd jeschwoft. / Nit en München, nit en Kölle, / nit en nah on fern, / blos be us em kleene Serm / jüwet der Südstern.

Refrain (nach jeder Strophe): Fastelowendstied, / Jott sei Dank, et es so wied, / Alles ees hütt ob de Been, / wolle jern de Südstern sehn, / Ja, her schinnt so nett / Kenner jeht des Noit nom Bett, / on die Lütt die hant jeseit, / Watt kriemer Ferkesfreud.

Die hochdeutsche Übersetzung

1. Kommt der Karneval / freut sich Groß und Klein / Serm, das ist mit alle Mann / lustig auf den Beinen, / Ja, dann sagen all die Leute, / wir gehen heute zum Franz (ein Wirtsname), / der Südstern geht heute auf die Bühne, / und dann wird getanzt.

2. Ja, dann feiert das ganze Dorf / wie in alter Zeit. / Alles ist auf dem Maskenball, / Tünnes, Schäl und Jriet (Namen von Karnevalisten), / alles jubelt, alles lacht, / zieht der Südstern auf, / Helau, dann ist das ganze Dorf / gerade wie obendrauf (etwa: aufgeregt).

3. Du brauchst nicht nach Köln zu gehen / Mensch, sei nicht so doof, / denn wir feiern unter uns / und dann wird geschwoft. / Nicht in München, nicht in Köln, / nicht in nah oder fern, / bloß bei uns im kleinen Serm / gibt es den Südstern.

Refrain: Karneval, / Gott sei Dank, es ist soweit, / alles ist heute auf den Beinen, / will den Südstern sehen / Ja, er scheint so nett / keiner geht heute Nacht ins Bett, / und die Leute, die haben gesagt: / Was kriegen wir eine Schweinefreude.

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >
Leserkommentare (0) Kommentar schreiben
    Aus der Rubrik