100 Jahre Bissingheim

Ein Dorf feiert seinen 100. Geburtstag

Bunte Farben für Bissingheim: Die sechsjährige Nora hatte am Sonntag beim Straßenmalen viel Spaß.

Bunte Farben für Bissingheim: Die sechsjährige Nora hatte am Sonntag beim Straßenmalen viel Spaß.

Foto: Tanja Pickartz

Bissingheim.   Großes Fest auf dem Dorfplatz: Duisburgs Stadtteil Bissingheim feierte am Wochenende seinen 100. Geburtstag.

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >

Gute 100 Jahre gibt es den Stadtteil Bissingheim jetzt, oder zumindest die Idee von dem damaligen Postbeamten Hermann Grothe. Seit jeher genießen die Bissingheimer in der Stadt den Ruf eines Außenseiter-Grüppchens, als letzte Bastion vor der Duisburger Ostgrenze, als „Dorf am Ende der Welt“ eben. Die Dorfbewohner haben sich längst mit dem Stempel der Hinterwäldler abgefunden, mit einem Augenzwinkern natürlich, und machen das Beste aus ihrem „Dorf“. Deshalb erklärt Wolfgang Gebhard, Vorsitzender des Bürgervereins in Bissingheim auch ganz pragmatische: „Das Fest ist auf dem Dorfplatz, also ist es auch ein Dorffest.“ Das heißt nicht, dass sich die Bissingheimer von Duisburg lossagen wollen, gerade am Sonntag ist auf der Bühne reichlich stadtteilübergreifende Politprominenz vertreten.

Abgeordnete aus Bundes- und Landtag gratulieren

Die beiden Bundestagsabgeordneten Bärbel Bas und Mahmut Özdemir (beide SPD) sind da, auch Vertreter aus dem Landtag und der Bezirksvertretung. Bürgermeister Manfred Osenger betonte, dass nicht nur die besondere Geschichte des Stadtteils – Grothe gründete Bissingheim damals quasi im Alleingang – sondern auch die Zukunft etwas ganz besonderes sei. „Bissingheim hat sich über die Jahre so wunderbar entwickelt, und ich bin zuversichtlich, dass es auch in Zukunft so weitergeht. Ich weiß, wie gut die Nachbarschaft hier funktioniert, und ich freue mich auf weitere Jahre schöner Geschichten dieses Stadtteils, der zwar am Ende der Welt liegen mag, aber ganz sicher nicht weltfremd ist.“

Auf der Bühne wird dann aber erstmal eher der Tradition denn der Zukunft gefrönt. Der Shantychor Duisburg darf gleich nach den zahlreichen Grußworten seine Kunst zum Besten geben, zum Beispiel seinen altbewährten Titelsong über den Duisburger Hafen mit der eingängigen Botschaft: „Wer im Duisburger Hafen vor Anker geht, der fühlt sich daheim.“ Nicht nur im Hafen natürlich, die Organisatoren der Dorfparty setzen alles daran, dass sich die Besucher auch außerhalb der eigenen vier Wände zu Hause fühlen. Die großen Konstanten der Volksfeste, Bier, Bratwurst und Waffeln, sind natürlich vertreten, wer ein wenig tiefer in die Vergangenheit des Stadtteils eintauchen möchte, kann das Gebäude der Awo besuchen. Drinnen läuft in Dauerschleife ein Film mit alten Aufnahmen aus dem Stadtteil, gerade die älteren Semester erinnern sich gerne an das „alte“ Bissingheim – oder entdecken sich sogar selbst in den kleinen Filmausschnitten.

Ökumenischer Gottesdienst der Kirchengemeinden

Noch besinnlicher ging es am Sonntagmorgen zu, die katholische und die evangelische Gemeinde hatten zusammen einen Gottesdienst auf die Beine gestellt. Später entert noch eine Kindermusicaltruppe die Bühne, „von Kindern für Kinder“, wie Gebhard betont, dicht gefolgt von der Gesangsgruppe „Chantals“ und den Jazz-Twisters, die auf besondere Empfehlung einiger Bissingheimer eingeladen wurden. Eher geruhsam geht es in den Räumen der Awo zu, abseits des Trubels auf der Bühne haben die Veranstalter dort nämlich ein Skatturnier ins Leben gerufen. Den ganzen Tag lang präsentiert sich auch die Siedlergemeinschaft, die mit ihrer Festschrift zum 100-jährigen Jubiläum des Stadtteils noch ein schönes Andenken an den besondern Geburtstag zum Verkauf anbietet. Gleich nebenan steht außerdem die freiwillige Feuerwehr des Stadtteils und stellt ihre Arbeit vor.

Obwohl das Fest am Sonntag seinen Höhepunkt fand wurde auch schon am Freitag und Samstag ausgiebig gefeiert. Ging es am Sonntag mit Kabarettist Kai Magnus Sting und Thekentratsch Live noch humorvoll, aber gediegen zu, ließen die Bissingheimer am Samstag alle Korken knallen, die da waren. „Da war der Dorfplatz richtig voll, man musste sich wirklich durch die Menge kämpfen“, freut sich Wolfgang Gebhard.

Der Dorffest-Samstag stand nämlich vor allem im Zeichen der Musik. Lokalmatador und „Anne Tränke“-Wirt Michael Krebs kochte das Publikum mit seiner Band ordentlich hoch, Doris D. und die Band No Escape legten fleißig Kohlen nach. Für den kleinen Spaß zwischen Bier und Bratwurst sorgten Samstag Boule- und Schachpartien, für die Nachwuchs-Bissingheimer hatten die Veranstalter eigens ein Kinderfest auf die Beine gestellt.

>>>Fünf Jahre Vorlauf für die Party-Planung

Die Planung der Feierlichkeiten hat das Organisationskomitee die vergangenen fünf Jahre beschäftigt. „Ohne die Spenden einiger ortsansässiger Betriebe“, erklärt Wolfgang Gebhard, „hätte das hier trotzdem niemals funktioniert.“

Zum Ende des Jahres 2017 lebten auf der Bissingheimer Fläche von nur 0,97 Quadratkilometern 3 152 Menschen.

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >
Leserkommentare (0) Kommentar schreiben