Abholzung

Ebay-Anzeige nach Waldrodung in Wanheim: Holz zu verschenken

Baumfällungen im Wald hinter Römerstraße 34. Montag 25.02.19 in Duisburg Foto: Michael Dahlke / FUNKE Foto Services

Baumfällungen im Wald hinter Römerstraße 34. Montag 25.02.19 in Duisburg Foto: Michael Dahlke / FUNKE Foto Services

Foto: Michael Dahlke

Duisburg-Wanheim.   Anwohner des Wäldchens an der Römerstraße wundern sich über unbekannte Besucher, die mit Motorsäge die abgeholzten Bäume bearbeiten.

Langweilig wird es den Anwohnern in unmittelbarer Nähe des vor einer Woche abgeholzten Wäldchens an der Römerstraße (wir berichteten) offenbar so schnell nicht mehr. Nachdem sie sich vergebens gegen die Abholzung des kleinen Waldstücks (0,5 Hektar) durch den Eigentümer gewehrt hatten und das beauftragte Gartenbauunternehmen vor dem Karnevalswochenende ganze Arbeit geleistet hatte, gab es vor wenigen Tagen die nächste Überraschung.

Carsten Moehlen wunderte sich am letzten Samstag über unbekannte Besucher auf dem Privatparkplatz vor den Häusern, die zum Teil mit Hängern vorgefahren und im Begriff waren, sich an den gefällten Bäumen mit Säge und Beil zu schaffen zu machen. Das taten sie in gutem Glauben, sich dort bedienen zu können. Moehlen stellte die ungebetenen Gäste zur Rede und erfuhr, dass diese aufgrund einer Kleinanzeige bei Ebay sich auf den Weg nach Wanheim gemacht hatten.

Diese Anzeige hatte ein Bekannter des Waldgrundstückbesitzers Mehmet Akbaba in dessen Auftrag aufgegeben. Dort wurde das Holz kostenlos zur Abholung („Brennholz zu verschenken“) angeboten, der Anfahrtsweg war genau beschrieben wie auch die Parkmöglichkeit auf dem – allerdings von den Anwohnern angemieteten – Schotterparkplatz vor dem nicht mehr existierenden Wäldchen. In der Anzeige wurde empfohlen, eine Motorsäge mitzubringen und die Baumstämme vor Ort nach den eigenen Bedürfnissen zu bearbeiten.

Privatstraße zum Wald

Der Auftraggeber der Anzeige wies darauf hin, dass ansonsten keine Verantwortung übernommen wird und hinsichtlich möglicher Unfälle keinerlei Versicherungsschutz besteht. Vergessen zu erwähnen wurde allerdings, dass es sich bei dem Zufahrtsweg zum Waldstück um einen Privatweg handelt, der zusammen mit den Grundstücken von den Anwohnern erworben wurde. „Es ist im Moment noch nicht einmal klar, ob Herr Akbaba überhaupt ein Wegerecht hat. Das wird noch geklärt. Wenn, dann gilt das aber nicht für Fremde, die jetzt mit schwerem Gerät hier anrücken“, empörte sich Andrea Joseph-Stefl. „Den Leuten, die besten Gewissens hier hergekommen sind, machen wir keinen Vorwurf“, erläuterte Carsten Moehlen, der die Brennholz-Schnäppchen-Jäger über die Rechtslage informierte und sie bat, das Gelände wieder zu verlassen. „Die hatten für unsere Sicht der Dinge Verständnis und zogen unverrichteter Dinge wieder ab“, so der Wanheimer. Thomas Joseph trocken: „Da sollten wohl die Kosten für die Entsorgung eingespart werden.“

Andrea Joseph-Stefl kontaktierte den Ebay-Inserenten und schilderte ihm die Lage aus ihrer Sicht. Für ihn sei der Fall erledigt, war seine einzige Reaktion, er habe nur einen Auftrag seines derzeit nicht anwesenden Freundes ausgeführt und könne sonst nichts zu dem Thema sagen.

Auch wenn das Fällen der Bäume legal war – für Wälder gilt die Ruhefrist vom 1. März bis zum 30. September nicht – bezweifeln Andrea Joseph-Stefl und ihre Mitstreiter, dass das Altholz aus Artenschutzgründen jetzt noch abgetragen werden darf. Das darf der Eigentümer aber durchaus, wie die Pressestelle der Stadt auf Nachfrage der Redaktion mitteilte. Zu beachten sei dabei aber auf jeden Fall der § 44 des Bundesnaturschutzgesetzes, in dem der Umgang mit besonders geschützten Arten definiert ist.

Thomas Joseph wird jedenfalls gut aufpassen, was sich in nächster Zeit auf dem plattgemachten Waldgelände tut: „Jetzt sind wir auf alles gefasst.“

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