Kartenspiel

Duisburg: Bridge fängt ganz langsam an – aber dann

Notizen für den Mann zuhause: Gisela Bartsch (l.) schrieb sich beim Bridge-Schnupperkurs im Gemeindezentrum Sandmüllersweg in Duisburg-Ungelsheim fleißig alles mit, was Bridgelehrer Joachim Markwald über die „Königin der Kartenspiele“ erklärte.

Notizen für den Mann zuhause: Gisela Bartsch (l.) schrieb sich beim Bridge-Schnupperkurs im Gemeindezentrum Sandmüllersweg in Duisburg-Ungelsheim fleißig alles mit, was Bridgelehrer Joachim Markwald über die „Königin der Kartenspiele“ erklärte.

Foto: Tanja Pickartz / FUNKE Foto Services

Ungelsheim.  In Ungelsheim konnten Duisburger in das Kartenspiel „Bridge“ hereinschnuppern. Der Einstieg ist einfach – doch dann kommt das „Reizen“.

Dass das Kartenspiel „Bridge“ ein Spiel ausschließlich für ältere Damen sei, das sei ein Vorurteil, stellt Bridgelehrer Joachim Markwald klar. Zugegeben, zu seiner Einführungsrunde im evangelischen Gemeindezentrum am Sandmüllersweg sind ausschließlich ältere Damen gekommen. „Das deutsche Juniorenteam hat sich aber vor Kurzem erst in San Francisco gemessen“, sagt Markwald, der an der VHS Bridgekurse gibt. Ein weiterer Pluspunkt für das Kartenspiel, neben seiner Rolle als „Fitnessstudio für’s Gehirn“, ist nämlich seine internationale Verbreitung. „Bridge wird auf der ganzen Welt gespielt“, erklärt Markwald und zeigt den Besuchern im Gemeindezentrum dann, warum die „Königin der Kartenspiele“, das „Schach mit Karten“ zwar einfach zu lernen, aber schwer zu meistern ist.

In Duisburg ist beim Bridge aller Anfang gar nicht so schwer

Duisburgerin Helga Kresse kennt sich schon ein bisschen im Bridge aus, Gisela Bartsch ist noch ein Neuling. Dafür ist sie mit Block und Stift bewaffnet, denn „wie das funktioniert schreib’ ich mir für meinen Mann auf, der ist Zuhause.“ Die erste Notiz: Ein Deck hat 52 Karten, wie das Blatt beim Rommé zum Beispiel, bis auf die Joker sind alle Karten dabei.

Das Deck wird gemischt, das einzige Mal im Spielverlauf übrigens, und auf vier Stapel à 13 Karten verteilt. Die Kartenhäufchen werden dann den Himmelsrichtungen zugeordnet, das ist vor allem dann wichtig, wenn man mit mehr als den vier mindestens erforderlichen Spielern Karten kloppt. Nord und Süd bilden ein Team, genauso Ost und West – und bauen mit den Stichen, die sie machen eine Brücke, daher der Name des Spiels.

Der Startspieler legt dann eine Karte, Pik und Karo sind den meisten Menschen ein Begriff, bloß Herz und Kreuz heißen beim Bridge Coeur und Treff. Der Spieler zur seiner Linken legt dann alle seine Karten offen auf den Tisch und spielt in dieser Partie nur noch nach dem Kommando seines Himmelsrichtungs-Partners.

Der nächste Spieler muss eine Karte der Farbe, die der Startspieler gelegt hat, ausspielen. Liegen vier Karten auf dem Tisch, wird nach der üblichen Wertigkeit, Ass, König, Dame, Bube und die Zahlenkarten in absteigender Reihenfolge, überprüft, wer den „Stich“ gemacht hat. Gewinnt einer der beiden Partner, gewinnt auch der andere. Wer den Stich gemacht hat, wird der neue Startspieler.

Bridge ist eigentlich ganz einfach – bis das „Reizen“ ins Spiel kommt

Wie, das war’s schon? Besonders Bridge-Neuling Gisela Bartsch guckt etwas verdutzt, auf ihrem kleinen Block hat sie nicht mal eine Seite für alle Regeln gebraucht. „Das war es natürlich noch nicht“, beruhigt Joachim Markwald, denn das „Salz in der Suppe“, wie der Lehrer es nennt, ist beim Bridge das „Reizen“. Kurz gesagt bedeutet das, dass alle Spieler vor der Partie verkünden, wie viele Stiche sie machen werden. Bei großen Bridgerunden werden die 13er-Kartenstapel nämlich nach einer Partie an den nächsten Tisch weitergegeben, so messen sich dann Beispielsweise alle Nord-Spieler untereinander.

Die Feinheiten des Reizens sind eine Wissenschaft für sich, „es braucht etliche Spiele, bevor man sich mit dem Reizen beschäftigen kann“, erklärt Markwald, deswegen wird in seinem VHS-Einsteigerkurs gar nicht gereizt, auch am Freitag im Gemeindezentrum spielt die Ansage noch keine Rolle. „Es geht erstmal darum, ein Gefühl für das Spiel zu bekommen, und vor allem darum, Spaß zu haben“, sagt Joachim Markwald, den Spielern scheint die gesellige Kartenrunde am Freitag jedenfalls zu gefallen.

Soziale Komponente und geistige Fitness sind beim Bridge wichtig

Beim Bridge, übrigens kein Glücksspiel, wie der Lehrer betont, finden sich „Spielfreunde für’s Leben“, egal in welchem Alter. Die Chancen, auch im hohen Alter noch geistig Fit zu sein, stehen bei Bridgespielern aber wohl ganz gut, erst kürzlich feierte eine Bridgespielerin in Duisburg ihren 100. Geburtstag. Und die Gruppe der Bridgefans in Deutschland ist größer, als manch einer denken mag: Monatlich erscheint eine Zeitschrift des deutschen Bridgeverbands, in Duisburg wird in Wanheimerort und in der City der „Königin der Kartenspiele“ in Bridgeclubs gehuldigt.

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