Zeitungs-Leser

Dieser Mann ist der Stadtarchivar des Südens

Dieter Palim aus Duisburg sammelt seit 30 Jahren Zeitungsausschnitte zu Duisburger Themen. Mit der Zeit ist so ein ganzes Archiv zusammengekommen.

Foto: Ute Gabriel / FUNKE Foto Services

Dieter Palim aus Duisburg sammelt seit 30 Jahren Zeitungsausschnitte zu Duisburger Themen. Mit der Zeit ist so ein ganzes Archiv zusammengekommen. Foto: Ute Gabriel / FUNKE Foto Services

Duisburg-Huckingen.   Dieter Palim sammelt seit Jahren Zeitungsberichte aus Duisburg. Er will alles Vergängliche festhalten. Die Geschichte über ein geordnetes Leben.

Heute hat sich Dieter Palim richtig schick gemacht. Er trägt den feinsten Zwirn, die Schuhe sind geputzt, die Haare mehr als gut frisiert. Dieter Palim sagt gerne: „Ordnung und Sauberkeit, das ist doch das halbe Leben.“ Die andere Hälfte, die steckt für den Huckinger so gesehen und schlicht: in Ordnern.

Unzählige, und doch hat Dieter Palim sich die Mühe gemacht und durchgezählt: 31960 Berichte hat er, hochgerechnet, in all den Jahren zusammengesammelt. Palim hatte sich auch die Mühe gemacht, zur großen Geburtstagsfeier der Südredaktion zu kommen.

Dieter Palim ist auch ein Autogrammjäger

Ach, das war doch keine Mühe! Schließlich wollte er ja auch Autogramme haben. Von den Südredakteurinnen. Haben wir gerne gemacht. Und direkt einen Termin zum Besuch vereinbart. All die Ordner voller großer, kleiner Zeitungsberichte, das wollten wir sehen.

Und wahrlich: In seinem Schlafzimmer stehen sie, im kleinen Büro. Hier und dort. Irgendwie überall. Und alle auf dem Rücken voller Schrift. 188 Stück. Da kann so mancher Buchhalter oder Archivar einpacken. „Ich bin ein Pedant...“, sagt Palim. Und dann tippt er einen an und sagt auch noch so etwas wie: „... und ein klein wenig bekloppt.“ Er lacht. Dieter Palim lacht gerne. Aber ernst kann er auch sein.

„Vor circa 30 Jahren begann meine Leidenschaft, Momente zu sammeln, die nicht wiederkommen. Ich versuche, das Vergängliche festzuhalten“, so beschreibt Palim eben das, was er am liebsten tut. Gut, das Faulenzen, Spazierengehen, die Gartenarbeit, all das gehört auch noch zu seinen Lieblingsbeschäftigungen.

Aber diese Sache mit der Zeitung, die liegt dem ehemaligen Tischtennisspieler aus Leidenschaft doch sehr am Herzen. Oft kommt es vor, dass er zu seinen Ordnern greift und einfach blättert. „So frische ich meine Erinnerungen auf.“

Alle Informationen hat Dieter Palim aus der Zeitung

Will man etwas wissen, zum Süden, zu Duisburg, der Heimat, dann fragt man am besten Dieter Palim. Stadtarchiv Süd. Er hat sie schon gerne, seine Ordner, in denen so viel Geschichte steckt, auch die der Zeitung.

„Überwiegend alle Informationen über die Dinge, die in Duisburg und der Welt passiert sind, habe ich über die Zeitung“, sagt der 78-Jährige. Wie lange er die Zeitung schon abonniert hat? Oh, da muss er rechnen. Und kommt doch nicht drauf. „40 Jahre bestimmt schon.“ Und in vier Jahrzehnten ist eine Menge passiert.

Mit dem Internet kann Dieter Palim nichts anfangen

Fotos vom Stadtwerketurm, früher und heute, die findet Palim beim Blättern. Berichte über den Rheinhauser Arbeitskampf. Bewegtes Duisburg. Die Artikel über die heiße Phase der diesjährigen Karnevals-Session hat er natürlich schon längst abgeheftet. Welche Themen ihn am meisten beeindruckt haben? „Sicherlich der Bau des Angerbogens oder des Edeka-Marktes in Huckingen. Und des Gesundheitszentrums am Sittardsberg“, antwortet Palim.

Und wie steht es mit den neuen Medien, dem Internet? Ach, damit kann er gar nichts anfangen, sagt der Mann, der 20 Jahre lang Tankstellenpächter in Neudorf und Buchholz war. Die Zeitung, die hat etwas für ihn. Die kann man anfassen. Das Internet nicht.

Eines ist in all den Jahren immer gleich geblieben: „Meine Frau Rosemarie liest die Zeitung natürlich zuerst“, nach dem Frühstück, nicht dabei, denn beim Essen soll man ja nicht abgelenkt sein. Palim wartet dann geduldig, mit Schere, Klarsichthülle und Ordner. So lebt es sich gut, sagt der Archivar. Und wenn es irgendwann die Zeitung nicht mehr geben würde? „Dann würde ich selber eine gründen.“

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