Hochwasserschutz

Der Deichbau in Duisburg ruht

Nichts los auf dem Deich: Erst in ein paar Wochen sollen die Arbeiten wieder aufgenommen werden.

Nichts los auf dem Deich: Erst in ein paar Wochen sollen die Arbeiten wieder aufgenommen werden.

Foto: Michael Dahlke

Duisburg-Mündelheim/Ehingen.   Aktuell tut sich nichts auf der Großbaustelle Rheindeich in Duisburg-Mündelheim. Die Ausschreibungen für die anstehenden Arbeiten laufen noch.

Still ruht der Deich. Zur Zeit tut sich nichts auf der Großbaustelle Rheindeich, jedenfalls auf Mündelheimer Gebiet. In ein paar Wochen sollen dann die Arbeiten für die neue Dichtwand beginnen. Das verspricht Volker Heimann, Leiter des Duisburger Umweltamtes, in einer Sitzung der Bezirksvertretung.

Dort erklärte er auch noch mal im Detail, wie es zur enormen Kostensteigerung kam. Denn die kalkulierten Kosten haben sich im Laufe des langen Zeitraums zwischen Planung und Bau fast verdoppelt – von ursprünglich 52 Millionen auf 110 Millionen. Das Erfreuliche aus Sicht des Duisburger Stadtkämmerers: Das Land NRW muss die den Großteil der Mehrkosten tragen.

Bombensuche kostet

Hauptgrund für die Kostenexplosion ist die nicht eingerechnete Teuerungsrate. Das betrifft besonders den Brückenbau. Aber auch die Kosten für die Beseitigung der Bomben, die im Bereich des Baugebiets gefunden wurden, treiben die Kosten in die Höhe. Denn nach einer neuen Bestimmung muss das Erdreich jetzt Schicht für Schicht einzeln abgetragen und nach Kampfmitteldurchsucht werden.

Außerdem gibt es neue Gebührenordnung für Architekten und Ingenieure. die Honorare sind gestiegen. Und auch die Entschädigung der Bauern, deren Flächen durch die Rückverlegung des Deichs demnächst überflutet werden könnten, spielen eine Rolle.

Der Deich bei Mündelheim wird ein ganzes Stück zurückversetzt, damit der Rhein bei Hochwasser 60 Hektar Überflutungsfläche gewinnt. Die Baumaßnahme ist das letzte Teilprojekt der sogenannten Verbundmaßnahme Monheim-Mündelheim-Orsoy.

2011 beschloss der Rat, den Deich zu erneuern, um Duisburg, speziell den Süden, besser vor Hochwasser zu schützen. 2014 wurde mit den Arbeiten begonnen. Erst 2028, sieben Jahre später als geplant, soll der Deich nach Angaben von Umweltamtsleiter Volker Heimann fertig sein.

„Noch fast zehn Jahre bis zum Abschluss des Deichbaus, das ist zu lange. Was ist, wenn es in der Zwischenzeit zu einem neuen Jahrhunderthochwasser kommt?“ kritisiert Bezirksvertreter Wolfgang Schwertner (CDU). „Es geht nicht schneller“, erklärt Volker Heimann. Was schon allein darin liege, dass durch die vielen Infrastruktur-Projekte, die zur Zeit laufen, keine Tiefbaufirmen zu bekommen seien. „Es gibt einfach nicht genug Leute, ob Ingenieure oder Baggerfahrer“, so die Erfahrung Heimanns.

Dichtwand wird 1,6 Kilometer lang

Hartmut Ploum (SPD) bemängelt die „unexakte Arbeit“ bei der Kostenberechnung, für die allerdings nicht Volker Heimann verantwortlich ist. Sein Amt hat die Deichbaustelle erst im Jahr 2015 übernommen. Wenn von vornherein alle Karten auf dem Tisch gelegen hätten, wenn – also die Kosten in Höhe von 110 Millionen Euro sowie die lange Bauzeit bis zur Fertigstellung – klar gewesen wäre, dann hätte sich die Politik womöglich für eine andere Lösung entschieden. Dann wären eventuell Polder in Betracht gekommen.

Zur Zeit laufen die Ausschreibungen für die Dichtwand. Sie soll auf 1,6 Kilometer Länge gebaut werden. Die Wand wird 20 Meter tief verbuddelt. Sie dient als Grundwassersperre, damit die Bewohner des Süden künftig auch bei extremen Hochwasserlagen geschützt sind.

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