Kabarett

Das Gehirn zurück auf Werkseinstellungen setzen

Sebastian Pufpaff gelang es vortrefflich, das Publikum im ausverkauften Steinhof zu unterhalten.

Foto: Fabian Strauch

Sebastian Pufpaff gelang es vortrefflich, das Publikum im ausverkauften Steinhof zu unterhalten. Foto: Fabian Strauch

Duisburg-Huckingen.   Kabarettist Sebastian Pufpaff gastiert mit seinem neuen Programm „Alles auf Anfang“ im Steinhof. Frotzeln über Billigwahn und Sterneküche

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In der Heute-Show gibt er den Gelackten im schwarzen Anzug, das grinsende Gegenüber des wutschnaubenden Wichts Gernot Hassknecht. Doch auch solo auf der Bühne des ausverkauften Duisburger Steinhofs fühlt sich Kabarettist Sebastian Pufpaff pudelwohl: „Sie kaufen eine überteuerte Karte und lauschen dann, wie ich mich aufrege – ein gutes System.“

Kann dieses Lächeln lügen? Oder war das der Ansatz zum Biss? Pufpaff setzt seine satirischen Nackenschläge mit der gewohnt zahnschmelzenden Süße eines Autoverkäufers an, der seinen letzten Diesel loswerden will: „Döner für 99 Cent – klar ist das dann Ratte oder Taube – aber wenn man das lecker hinkriegt …“, frotzelt der Bonner Bajazzo über den Sterneküchenkult der einen und den Billigwahn der anderen.

„Ich tauge nicht mehr für die Revolution“

Pufpaff bekennt: „Ich bin ein fundamentalistischer Liberaler, nicht so ein Lindner mit post-ejakuliertem Blick – ich bin gegen alle.“ Um sich dann im Anschluss für das Türzuhalten, Vordrängeln in der Schlange, andere „Duzen und wie ‘ne Frau behandeln“ und anderes asoziales Alltagsverhalten der Generation Ich auszusprechen. Das Publikum, Jung und Alt, johlt dabei vergnügt, weil es die Attitüde wiedererkennt und mancher vielleicht sich selbst.

So lässt Pufpaff hinter zuckrig vorgetragenen Zoten und Kabarettstandards über Politik und die Handtrockner-Revolution auf öffentlichen Toiletten nonchalant die Werte- und Sinnkrise unseres Jahrhundert durchblitzen, die das aufklärerische Kabarett gleichzeitig beflügelt hat und kriseln lässt. Weil sich trotz viel Aufregung offenbar wenig ändert: „Ich bin ein bezahlter Demagoge. Ich tauge nicht mehr für die Revolution, ich verhalte mich so, wie der andere mich gerne hätte“, mahnt der Comedian, der seine Abschlussarbeit in Politikwissenschaft über Inszenierungen der Politik in der Demokratie schrieb.

Er beherrscht die Kunst der Selbstdarstellung

Die Kunst der Selbstdarstellung kennt 41-Jährige aber nicht nur theoretisch: Seit 2010 tritt er als Solokünstler auf. 2005 bis 2009 spielte er im bekannten Bonner Improvisationstheater „Springmaus“. Die meisten dürften Pufpaff aus dem Fernsehen kennen: Nightwash, Mitternachtsspitzen, Pufpaffs Happy Hour und natürlich Heute-Show. Seine Fernsehsporen holte sich der Kabarettist jedoch als Produktmoderator im RTL-Shop – mehr Inszenierung geht also kaum.

Doch zurück zur Grundsatzfrage und zum vergnüglichen Abend im rappelvollen Steinhof: Gibt’s Wege aus dieser Misere? „Ich würde mein Gehirn am liebsten auf Werkseinstellung zurücksetzen“, bekennt Pufpaff, der sich jeden Tag neuen ‘Feindbildern’ ausgesetzt sieht: mal Trump, mal Erdogan: „Wir laufen mit Mistgabel und Fackel hinterher und kommen nicht mehr zum Lynchen – das geht auf die Pumpe.“ Also alles „auf Anfang“, so der Titel seiner Solo-Show: Lieber Stuhlkreis statt Kabarett, droht der Comedian im halben Ernst, „und jeder kommt heute Abend dran“.

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