Lärmaktionsplan

Auf diesen sechs Straßen ist der Verkehr am lautesten

Lärmbelastung auf Straßen im Duisburger Süden.

Lärmbelastung auf Straßen im Duisburger Süden.

Foto: Gerd Bertelmann

Duisburg-Süd.   Auf einigen Straßen im Duisburger Süden ist der Lärm so stark, dass er krank machen kann. Trotzdem muss das erstmal so bleiben.

Die Düsseldorfer Landstraße ist eine der lautesten Straßen im Duisburger Süden. Bis zu 26.000 Fahrzeuge fahren hier je nach Abschnitt jeden Tag entlang. Es ist einer von neun sogenannten Belastungsschwerpunkten im Duisburger Süden, die die Stadt im Rahmen ihres neuen Lärmaktionsplans ermittelt hat. Der Plan soll Möglichkeiten aufzeigen, wie die entsprechenden Straßen leiser gestaltet werden können. Geld steht dafür allerdings nicht zur Verfügung.

Neun Stellen, an denen der Verkehr so laut ist, dass er für die Anwohner eine erhebliche Belastung darstellt: Das klingt erstmal nicht viel im Vergleich mit den 149 Schwerpunkten, die sich über die Stadt verteilen. Der Duisburger Süden ist der ruhigste Bezirk, ähnlich wenige Lärmproblemzonen gibt es nur in Walsum und Rheinhausen mit jeweils zehn. Am lautesten ist es in der Stadtmitte: Hier listet der Plan 61 Belastungsschwerpunkte auf.

Lärm betrifft vergleichsweise wenige Anwohner

Dennoch gibt es im Duisburger Süden Straßen wie die B 288, auf der sieben bis zehn Millionen Kfz im Jahr entlangbrausen. Mit diesem Wert fährt sie an die Spitze der meistbefahrenen Straßen vor Ort. Auf den Plätzen 2 und 3 folgen die Düsseldorfer Landstraße mit 4,8 bis 9,5 Millionen Fahrzeugen und der Altenbrucher Damm mit 5,5 bis 8,5 Millionen Autos, Lkw und Motorrädern (siehe Grafik).

Verkehr, der Lärm verursacht. Bis zu 70 Dezibel sind im Tagesdurchschnitt erlaubt, nachts (von 22 bis 6 Uhr) bis zu 60 Dezibel. Was lauter dröhnt, gilt als Lärmbelastungsschwerpunkt – und als gesundheitsgefährdend. Die Schwerpunkte verteilen sich auf sechs Straßen (siehe Karte). Immerhin: Der Lärm betrifft vergleichsweise wenig Anwohner – weniger als 20 hat die Stadt an allen Punkten bis auf einen gezählt. Nur in Serm können nachts bis zu 40 Anwohner schlechter schlafen.

Süden mit 220.000 Flügen im Jahr belastet

Eine Lärmquelle, die viele Bürger im Süden verärgert, berücksichtigt der Lärmaktionsplan nicht: Berechnungen hat die Stadt durchgeführt für Straßen-, Industrie- und Bahnlärm, nicht aber für Fluglärm. Die Zahlen des Flughafens Düsseldorf hat das LANUV berechnet. Das Ergebnis: „Dass bereits am Angermunder See durch startende und landende Flugzeuge ein Beurteilungspegel von unter 55 Dezibel vorherrscht“, wie in der Verwaltungsvorlage steht. Und das bei knapp 222.000 Flügen im Jahr.

In Duisburg wird „die größte Lärmbelastung durch den Straßenverkehr hervorgerufen“, konstatiert die Verwaltung. Dementsprechend legt der Lärmaktionsplan sein Hauptaugenmerk darauf, den Dezibelpegel der Straßen zu senken. Es gilt: Je mehr Verkehr und je schlechter die Straße, desto lauter. Lkw quälen die Ohren besonders: Ein Lkw ist so laut wie 20 Pkw.

Das Lärmempfinden ist subjektiv

Hörbar leiser wird eine Straße erst, wenn sich ihr Verkehr halbiert: Das entspricht minus drei Dezibel. Da nicht jeder auf ÖPNV oder Fahrrad umsteigen kann, setzt die Stadt daneben hauptsächlich darauf, den Verkehr über andere Straßen als bisher zu leiten. Dazu rechnet sie vor: Fahren 2000 von 4000 Kfz nicht mehr auf einer Straße, werde der Lärm um drei Dezibel gesenkt. Fahren diese 2000 Kfz stattdessen auf einer Straße, auf der schon jetzt 10.000 Kfz am Tag verkehren, erhöhe sich der Lärm dort nur um ein Dezibel.

Bei allen Berechnungen bleibt allerdings ein Instrument das Ausschlaggebende: das menschliche Ohr. Manuel Gatzweiler vom Amt für Stadtentwicklung formuliert es so: „Das Lärmempfinden des Menschen ist sehr unterschiedlich und höchst subjektiv.“

>>>Der Lärm wird berechnet, nicht gemessen

- Den Lärm hat die Stadt für den Lärmaktionsplan nicht gemessen, sondern berechnet.

- Die Berechnung erfolgt dabei nach Kriterien, die von der EU vorgegeben werden.

- Kritikern, die Messungen sinnvoller finden, entgegnet Manuel Gatz­weiler vom Amt für Stadtentwicklung: „Beim Messen findet man nie den repräsentativen Zeitpunkt. Das ist immer angreifbar.“

- Der Aktionsplan soll alle fünf Jahre überarbeitet werden.

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