Rechtsextremismus

Argumentieren gegen rechte Parolen: Ein Seminar zeigt, wie

Wie reagiert man, wenn das Gegenüber plötzlich mit rassistischen Sprüchen daherkommt? In dem Seminar der Linkspartei und der Initiative „Aufstehen gegen Rassismus“.

Wie reagiert man, wenn das Gegenüber plötzlich mit rassistischen Sprüchen daherkommt? In dem Seminar der Linkspartei und der Initiative „Aufstehen gegen Rassismus“.

Foto: Lars Fröhlich

Duisburg-Grossenbaum.  Workshop-Teilnehmer im Gleis drei lernen, sich gegen Alltagsrassismus und fremdenfeindliche Sprüche zu wehren. Über eins sind sie erleichtert.

„Ihr müsst mal von ein paar Migranten vergewaltigt werden, dann denkt Ihr anders über die.“ Wer solch einen Satz hört, ist erst einmal perplex. Insbesondere dann, wenn er aus dem Mund von Bekannten kommt. Die Linke in Duisburg will Menschen auf solche Situationen vorbereiten. Im Gleis Drei fand am Dienstagabend deswegen ein Seminar statt, in dem zwei Aktivisten der Initiative „Aufstehen gegen Rassismus“ Strategien gegen rechte Parolen und Argumente erklärten.

„Uns war es im Wahlkampf wichtig, deutlich zu machen, dass Rechtsextremismus ein europäisches Phänomen ist“, sagt Hendrik Thome vom Ortsverband Duisburg-Süd. „Auch in Ländern wie Italien, Ungarn, Polen und Tschechien legen rechte Parteien zu.“ Das Seminar solle dabei helfen, deren Argumente zu analysieren: „Da ist zum Beispiel die Leugnung der Realität, wie des Klimawandels: Der entsteht durch menschliches Verhalten und wird von Menschen gesteuert. Aber von Rechten wird das bagatellisiert“, sagt Thome. „Zum anderen ist da der Nationalismus: Die EU greift angeblich zu sehr in die Souveränität der Staaten ein. Dabei sind ihre Ideen verglichen mit allen anderen Ländern noch am fortschrittlichsten“, findet er.

Alltagsrassismus und fremdenfeindliche Sprüche im Bekanntenkreis

In einer Vorstellungsrunde erzählen die gut 20 Teilnehmer, warum sie an dem Seminar teilnehmen: Alltagsrassismus wird genannt, aber auch fremdenfeindliche Sprüche im Bekanntenkreis. Einige wollen etwas gegen die AfD tun, andere wurden mit sexistischen Bemerkungen diskriminiert. Die Teamer Yannick Metzlaff und Marvin Jansen schreiben ihre Erlebnisse in Stichworten auf ein Flipchart.

Auf dem Boden markieren die beiden Teamer eine Skala und bitten die Teilnehmer, sich ihren Fragen entsprechend zu positionieren. „Wie oft kommt Ihr mit Rassismus in Kontakt?“, will Jansen wissen. Die meisten stellen sich in der Mitte auf. „Ich bin eine Zeit lang regelmäßig S-Bahn gefahren. Und je dunkler die Hautfarbe der Fahrgäste war, desto seltener haben sich Menschen zu ihnen gesetzt“, berichtet einer der Teilnehmer. Jansen und Metzlaff zeigen den Nazi-Gegnern entwaffnende Argumente und Schlagfertigkeit.

Ulrich Schmies nimmt an dem Seminar teil, um „bei Gesprächen, die abdriften, vernünftig einzuhaken“, wie er sagt. Er schätzt die offene und angenehme Atmosphäre, mit der Metzlaff und Jansen durch das Seminar führen. „Viele Teilnehmer hatten am Ende auch das Gefühl: Ich bin nicht allein. Da war schon eine Erleichterung zu spüren.“

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