Schule

Am BBBK bekommen Schulverweigerer eine Ahnung von Zukunft

Fabian Schumacher beginnt im August seine Lehre als Autolackierer. Der junge Mann, der bald ein hoffnungsvoller Azubi ist, stand mal ohne Abschluss da. Jetzt stimmen seine Noten – und die Zukunft steht ihm offen.

Foto: Lars Heidrich

Fabian Schumacher beginnt im August seine Lehre als Autolackierer. Der junge Mann, der bald ein hoffnungsvoller Azubi ist, stand mal ohne Abschluss da. Jetzt stimmen seine Noten – und die Zukunft steht ihm offen. Foto: Lars Heidrich

Duisburg-Huckingen.   Vom Schulverweigerer zu einem der Klassenbesten: Dabei hilft am Bertolt-Brecht-Berufskolleg das Konzept der Ausbildungsvorbereitung.

„Eigentlich mag ich Schule nicht, das Thema war irgendwie noch nie so mein Ding.“ Das sagt Fabian Schumacher ganz offen, und man mag es ihm kaum glauben. Denn seine eigene Geschichte ist ein kleiner, großer Erfolg, und wenn Fabian Schumacher davon erzählt, dann grinst er. Der große Kerl, der seinen Weg gefunden hat. Endlich, möchte man sagen. Fabian, der Schulverweigerer, wenn man diesen Begriff überhaupt benutzen möchte. Geholfen hat dem 17-Jährigen die Schule selbst, auch das mag man vielleicht kaum glauben. Seine Hilfe war die Ausbildungsvorbereitungsklasse, sein Glück so gesehen seine Klassenlehrerin Sonja Meier und sein Schulsozialarbeiter Marc Ginuth.

Der Reihe nach: Im September 2016 kam Fabian Schumacher an das Bertolt-Brecht-Berufskolleg und ist einer von wenigen, die zur Ausbildungsvorbereitungsklasse gehören. Nach einem Jahr wird er dort, im Sommer 2017, den Hauptschulabschluss nach Klasse 9 erreichen. Die Noten passen schon jetzt. Fabian, der Schulverweigerer, war mal ohne Abschluss und hat seine Zukunft schon heute, im Frühjahr, in der Tasche. Im August beginnt er seine Lehre als Autolackierer, nahezu direkt um die Ecke, bei dem Karosseriefachbetrieb von Volker Brombach.

Fest Struktur: Zwei Tage Schule, drei Tage Praktikum

Es war kein mühsamer Weg, denn Fabian Schumacher schien zu allem bereit. Hauptsache, einen Abschluss in der Hand. Hauptsache, wieder Vorbild für die kleineren Geschwister sein. Fabians Alltag ist seit dem September des vergangenen Jahrs klar strukturiert: Zwei Tage in der Woche steuert er die Räume des Berufskollegs am Ziegelkamp an, das macht 14 Stunden Unterricht in den klassischen Schulfächern und in fachpraktischen Fächern in der Woche. An den anderen drei Tagen arbeitet er im Betrieb, macht ein Praktikum und, wie sich das für ein Praktikum eben gehört, viele praktische Erfahrungen. Die Struktur, sie hat System: „Viele Schüler brauchen eine ganz feste Struktur, brauchen auch die Orientierung“, sagt Sonja Meier, die Klassenlehrerin der Ausbildungsvorbereitungsklasse.

„Wir geben jedem eine Chance – aber wir verlangen was“

Wichtig ist für sie: „Wir geben jedem eine Chance, aber wir verlangen schon etwas.“ Da bekommt die doch schon etwas in die Jahre gekommene Redewendung „Ohne Fleiß kein Preis“ wieder eine ganz lebendige Bedeutung. Manchmal hört Sonja Meier auch Sätze wie „Sie sind ja strenger als meine Mutter.“ Gar nicht schlimm. Auch das macht die „feste Struktur“ aus.

Die Formel ist einfach: „Wir wollen die durchkriegen, die auch wollen.“ Und doch: Es gibt auch die, die nicht wollen. Oder können. Die schon zu viele Probleme mit sich tragen, die eine Drogen-Vergangenheit haben, eine kriminelle oder einfach aus einem schlechten Elternhaus kommen.

Der Sozialarbeiter klingelt fehlende Schüler aus dem Bett

Und hier kommt Marc Ginuth ins Spiel. Er arbeitet seit Anfang 2016 als Schulsozialarbeiter am BBBK. Und so gesehen Hand in Hand mit Sonja Meier. Marc Ginuth fährt raus, wenn wieder mal einer fehlt. Er klingelt an und aus dem Bett, wenn die erste Stunde eigentlich schon längst am Ziegelkamp begonnen hat. Das gehört auch zum Konzept der Vorbereitungsklasse. Vor allem aber Ginuths Gewissheit: „Mit Fleiß und Wissen kann man unheimlich viel erreichen.“

Die Klasse der Ausbildungsvorbereitung gibt es seit sechs Jahren am BBBK. Zahlreiche Schüler haben durch sie eine Ahnung von Zukunft bekommen. Ganz besonders Fabian, der zu den Besten seiner Klasse gehört. Der gezeigt hat, dass er Schule mag. Weil er hier respektvoller behandelt wird, wie er sagt. Und weil er hier die Chance auf seinen Traum bekommt. Er könnte sich nach seiner Ausbildung zum Autolackierer noch ganz anderes vorstellen: „Einen Job bei der Berufsfeuerwehr oder bei der Bundeswehr.“

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