Karneval in den Stadtteilen

700 Narren in Duisburg-Serm feierten seine Majestät Micha I.

Einzug von Prinz Micha I. Weber und Hofmarschall Florian Hümbs bei der Prinzenkürung der KG Südstern Serm.

Einzug von Prinz Micha I. Weber und Hofmarschall Florian Hümbs bei der Prinzenkürung der KG Südstern Serm.

Foto: Oliver Mengedoht / FUNKE Foto Services

Duisburg-Serm.  In Serm wurde Michael Weber als Karnevalsprinz inthronisiert. Seit seiner Gründung leistet sich die KG Südstern ein ein eigenes jeckes Oberhaupt.

Wenn der Saal-Karneval im Rheinland so langsam in die Zielgerade einbiegt, geht es in Serm erst richtig los. Das wurde im Rahmen der traditionsreichen Prinzenkürung deutlich. Die KG Südstern - die zweitgrößte Karnevalsgesellschaft in Duisburg - leistet sich seit ihrer Gründung 1947 einen eigenen Prinzen. Die Auswahl bleibt bis zur offiziellen Kürung „das große Dorfgeheimnis“. So war es auch in diesem Jahr.

Nur Präsident Bernd Baumann und wenige Mitstreiter wissen, wer die Sermer Narren durch die führt. Aufgelöst wird das Ganze erst im Rahmen der Prinzenkürung, die sich längst zu einer erstklassigen Karnevalsshow entwickelt hat. Nachdem Südstern-Präsident Baumann den scheidenden Karnevalsprinzen Ludger I. (Ludger Heesen) durch das Einkassieren der Prinzenmütze, der Amtskette und des Zepters von seinen Aufgaben entbunden hatte (auch Hofmarschall Wolfgang Schwertner wurde auf diese Weise „entweiht“), warteten die Narren im Festzelt am Breitenkamp nach dem stilvoll in Szene gesetzten Abschied der Ex - Tollitäten voller Spannung auf „die Neuen“.

Die Programmmacher der KG Südstern schaffen es, den Stimmungspegel im Zelt bis zum Einzug des neuen Prinzen hoch zu halten. Dafür sorgten diesmal nicht nur das Büttenredner-Duo Willi und Ernst mit urkomischen Dönekes aus ihrem Rentnerleben und „Dä Engelbäät“, der mit seinem Saxophon demonstrierte, dass man auch auf diese Weise mit „kölschen Tön“ das Publikum zum Mitsingen animieren kann. „Original kölsch“ war auch der Auftritt der Kölner Prinzengarde, die in voller Besetzung - frei von der Aufgabe Prinz, Bauer und Jungfrau zu schützen - den traditionellen Karneval repräsentiert.

Sternschnuppen und Lecker Mädchen

Für Stimmung sorgen immer wieder die herzerfrischenden Auftritte der vereinseigenen Tanzformationen. Dazu gehören die „Sternschnuppen“, die jüngste Tanzgruppe der KG Südstern, genauso wie die schon fortgeschritteneren „Stellas“ und die „Lecker Mädchen“, die sich bereits recht professionell auf der Bühne präsentieren. Alle Choreographien sind originell und auf hohem Niveau und sorgen so immer wieder für Beifallsstürme. Damit ist der Einzug des designierten Prinzen (und seines Hofmarschalls) jeweils stimmungsmäßig bestens vorbereitet.

Kurz nach 21 Uhr war es dann soweit. Angeführt vom Sermer Tambourcorps zog die komplette KG Südstern mit allen Gruppen und großem Tamtam ins Festzelt ein. Dabei präsentierten sich unter dem Jubel der Jecken - die Karnevalsparty ließen sich diesmal zur Freude der Organisatoren rund 700 Besucher nicht entgehen - auch die neuen Sermer Oberhäupter erstmals ihrem Narrenvolk.

Bernd Baumann, der die Sitzung wieder angenehm unaufgeregt leitete, war es vorbehalten, Michael Weber feierlich zum neuen Prinzen Micha I. zu küren. Seinen Hofmarschall hat sich der 42-jährige Sermer selbst ausgesucht. Diese Rolle übernimmt ab sofort Florian „Flo“ Hümbs. Beide sind - in Serm nicht ungewöhnlich - absolut brauchtumserfahren. Der neue Prinz und sein Hofmarschall sind Mitglieder in der örtlichen Schützenbruderschaft und der Prinzengarde ihrer Karnevalsgesellschaft.

Nach der Inthronisierung ging die Karnevalssause mit Vollgas weiter. Dafür sorgte die Partyband „Die Mennekrather“, die ein musikalisches Feuerwerk entfachten, das keinen mehr auf dem Sitz hielt. Mit fetzigen Karnevalssongs, Partyhits und Rocksongs wie „Highway To Hell“ brachte die Top-Band das Zelt zum Kochen, und als sie zum Schluss den Mega-Song „Sierra Madre“ anstimmten, gab es kein Halten mehr. Allerdings sangen die Sermer den Refrain lautstark auf ihre Art. Der lautet nämlich „Serm, Serm, Serm ist wunderschön“.

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