Jahres-Vorschau

6-Seen-Wedau wird zum neuen Mega-Thema im Duisburger Süden

Die Gestaltung des geplanten Neubaugebiets 6-Seen-Wedau auf dem ehemaligen Bahngelände zwischen den Stadtteilen Wedau und Bissingheim beschäftigt alle Parteien in der Bezirksvertretung Süd.

Foto: Hans Blossey/Archiv

Die Gestaltung des geplanten Neubaugebiets 6-Seen-Wedau auf dem ehemaligen Bahngelände zwischen den Stadtteilen Wedau und Bissingheim beschäftigt alle Parteien in der Bezirksvertretung Süd. Foto: Hans Blossey/Archiv

Duisburg.  Die Bezirkspolitiker blicken zurück und voraus: Ihre größte Niederlage war der neue Nahverkehrsplan; das größte Zukunftsprojekt ist 6-Seen-Wedau.

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Was war aus Ihrer Sicht der größte Sieg der Bezirksvertretung im Jahr 2017? Bei welchem Thema haben Sie Wichtiges bewirken können?

Beate Lieske (SPD): Die Einrichtung eines Warteraumes mit elektronischer Wartemarken-Ausstattung (im Bürgerservice Süd, Anm. d. Red.) ist ein Highlight unserer politischen Arbeit im Bezirk. Dass der Kreisverkehr in Wedau durch KIDU (Kommunales Investitionspaket des Bundes, Anm. d. Red.) endlich umgesetzt werden kann, ist auch ein Verdienst der Bezirksvertretung. Und dass dieser jetzt noch durch gute Ideen der Wedauer Bürger mit wedau-typischen Symbolen bestückt werden kann, freut uns ganz besonders.

Daniel Kegler (CDU): Es gab 2017 den größten Sieg im Bereich der Verhinderung beziehungsweise Zulassung von Wettbüros, zum Beispiel auf der Münchener Straße. Der Schutz von jungen Menschen sowie spielsuchtgefährdeten Personen hat bei uns einen enormen Stellenwert. Zudem wollen wir weitere Probleme, die mit solchen Einrichtungen einhergehen und in anderen Bezirken bereits beobachtet werden können, verhindern. Hierzu gehören unter anderem die Abwertung und der Imageverlust der Umgebung sowie Kriminalität.

Michael Kleine-Möllhoff (Grüne): Die Beratungen zum Flächennutzungsplan und die von der BV Süd beschlossenen Änderungen.

Frederik Engeln (Junges Duisburg): Fortschritte gab es bei unserer Idee, eine Jugendbotschaft einzuführen und Flächen für die Gestaltung mit Graffiti freizugeben. Erfolge gab es bei der besseren Verkehrsanbindung des Gewerbegebietes Großenbaum-Süd: Die Süd-Tangente wird gebaut. Das ist gut für die Arbeitsplätze in Großenbaum. Ein schöner Fortschritt ist, dass Junges Duisburg seit diesem Jahr als Fraktion in der BV Süd vertreten ist (durch den Eintritt von Hannelore Bange, ehemals SPD und parteilos; Anm. d. Red.).

Und deren größte Niederlage? Wo ist die Stimme der Bezirksvertretung untergegangen oder ignoriert worden?

Lieske: Ein wirklich schwieriges Thema bleibt nach wie vor die verkehrliche Situation an der St. George’s School. Einige unserer Anträge, die der Entschärfung der oftmals chaotischen Bring- und Abholzeiten dienen sollten, sind leider aus vielfältigen Gründen nicht umgesetzt worden. Hier sind wir immer noch ganz weit entfernt von einem befriedeten Verhältnis zwischen Anwohnern der Schule, den Schulnutzern (in erster Linie Eltern, die ihre Kinder vor der Haustüre abliefern und abholen) und der Schulleitung. Daher freuen wir uns, dass es hier in Kürze einen Runden Tisch geben wird, in dem alle Beteiligten eine Stimme erhalten. Auch der Bau der neuen Mehrzweckhalle auf dem St.-George’s-Gelände wird nicht uneingeschränkt akzeptiert. Auch hier haben wir vergeblich versucht zu intervenieren, dass durch die Drehung des Gebäudes Anwohnern der direkte Blick auf eine massive Gebäudewand erspart bleibt. Dies wurde durch den Bauherrn (die Schule) abgelehnt.

Kegler: Den Stellenabbau im Bezirksamt Süd und die damit verbundenen Verschlechterungen im Bereich von bürgernahen Dienstleistungen sehen wir als Angriff auf den Bürgerservice vor Ort. Nur durch den Einsatz und der Kreativität der Mitarbeiter vor im Bezirksamt Süd konnte der Betrieb aufrecht erhalten werden.

Bei verschiedenen Bauvorhaben konnte die BV Süd teilweise nicht mehr rechtzeitig intervenieren, da diese bei Vorliegen der Information schon genehmigt waren. Die Zügigkeit der Informationsweitergabe der Verwaltung an die politischen Gremien muss hierbei verbessert werden.

Kleine-Möllhoff: Der Nahverkehrsplan wurde ohne wirkliche Bürgerbeteiligung im Schnellverfahren mit großen Nachteilen für die Anbindungen im Süden umgesetzt.

Engeln: Der neue Duisburger Nahverkehrsplan bleibt weit hinter den Erfordernissen der Menschen zurück. Pünktlichkeit, Verlässlichkeit, Sauberkeit und Sicherheit müssen dringend verbessert werden. Duisburg braucht in Zeiten von hohen Abgasbelastungen, großer Mobilität und wichtigem Umweltschutz endlich einen großstadtgerechten Öffentlichen Personennahverkehr. Dazu hätte zum Beispiel eine engere Vertaktung nach Düsseldorf sowohl mit der U79 als auch im Nachtverkehr mit Nachtbussen gehört. Die Änderungsvorschläge der Bezirksvertretung wurden größtenteils nicht umgesetzt.

Welches Thema wird aus Ihrer Sicht das wichtigste Thema 2018?

Lieske: „Das wichtigste Thema“ wird es auch in diesem Jahr für uns nicht geben. Es gibt immer ganz unterschiedliche Themen, die Bürgern auf der Seele liegen. Sicherlich wird die bauliche Weiterentwicklung des Großprojektes zwischen Wedau und Bissingheim ein großes Thema sein.

Kegler: Das Gelände des ehemaligen Bundesbahnausbesserungswerkes zwischen Wedau und Bissingheim muss schnellstmöglich für die vorgesehene Bebauung freigegeben werden. Hier werden die Weichen für eine moderne Zukunft des Duisburger Südens gestellt und die beiden derzeit getrennten Stadtteile besser vernetzt. Damit einhergehend können wichtige Dienstleistungen (Einkaufen, medizinische Versorgung, Kindertagesstätten) wohnortnah und langfristig für Wedau und Bissingheim sichergestellt werden. Zudem entstehen dort Flächen, auf denen (Neu-)Duisburger ihren Traum vom Eigenheim in vielfältiger Art und Weise verwirklichen können.

Kleine-Möllhoff: Die Planungen der Neubaugebiete begleiten. Besonders in Wedau ist die politische Forderung nach einer südlichen Brückenverbindung zwischen Bissingheim und Wedau wichtig.

Engeln: Bei der Bereitstellung von Wohnbauflächen müssen wir besser vorankommen. Die Ausgestaltung und Fortführung der begonnenen Wohnbauprojekte wird ein zentraler Themenkomplex sein.

Welche Ziele hat sich Ihre Fraktion für das Jahr 2018 gesetzt?

Lieske: Gerade für uns als Bezirkspolitiker sollte immer gelten, unser Ohr nah an den Bürgern zu haben und berechtigte Forderungen in die Verwaltung zu tragen. Ein kurzfristiges Ziel unserer Fraktion wird sein, die Verwaltung bei der baulichen Entwicklung Wedaus um erneute Prüfung einer zusätzlichen Brücke zwischen Bissingheim und Wedau zu bitten, da durch die Nichtverlagerung des ETuS Wedau wieder finanzielle Kapazitäten zur Verfügung stehen müssten.

Kegler: Nachhaltige Kriminalitätsbekämpfung, Einfordern des mehrfach von uns beantragten Verkehrskonzeptes für den Duisburger Süden und Verbesserung der Straßenzustände, Sanierung und Modernisierung von Schul- und Sportstätten. Der öffentliche Nahverkehr muss sich auch künftig an den legitimen Interessen der Bürger orientieren. Zudem wollen wir beim XXL-Bad Taten der Stadtverwaltung sehen und nicht mehr hingehalten werden.

Kleine-Möllhoff: Die ökologische Gestaltung des Neubaugebiets in Wedau, eine lebendiger neuer Stadtteil statt einer Schlafstadt mit guter Anbindung an den Nahverkehr. Die bestehenden Verkehrsprobleme im Duisburger Süden angehen, insbesondere an der St. George’s School und dem geplanten Badneubau.

Engeln: Junges Duisburg möchte weiter als Möglichmacher und Problemlöser für die Menschen arbeiten. Oftmals sind es die kleinen Dinge, die das Leben erleichtern. Ein Beispiel: die von mir angestoßene Zeitveränderung bei der Straßenreinigung, um Staus im morgendlichen Berufsverkehr zu verringern. Darüber hinaus möchten wir im neuen Jahr endlich die Flächen für legale Graffiti benennen, nachdem 2017 ein positives Grundsatzvotum der Stadtverwaltung erfolgt ist.

Bezirksvertreterin Deniz Edis (Die Linke) hat die Fragen der Südredaktion nicht beantwortet.

Die Fragen stellte Redakteurin Monique de Cleur.

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