Prozess

Duisburger rastet im Jobcenter aus: Gericht gibt Bewährung

Die beinahe monumentale Fassade des Land- und Amtsgerichts Duisburg am König-Heinrich-Platz.

Die beinahe monumentale Fassade des Land- und Amtsgerichts Duisburg am König-Heinrich-Platz.

Foto: Foto: Stephan Eickershoff

Duisburg.  Bei einem Gespräch im Jobcenter rastete ein Duisburger (20) aus und bedrohte Mitarbeiter. Das Amtsgericht gab ihm eine letzte Bewährungschance.

Wegen Bedrohung fand sich ein 20-jähriger Heranwachsender aus Beeck vor dem Amtsgericht in Duisburg wieder. Bei einem Beratungsgespräch im Duisserner Jobcenter war er am 21. März ausgerastet. Unter anderem hatte er zwei Mitarbeiterinnen des Centers gedroht: „Ich mache euch alle platt.“

Die beiden Frauen waren offenbar zu Tode erschrocken gewesen. Jedenfalls waren sie anschließend längere Zeit arbeitsunfähig gewesen. Was dem Angeklagten Leid tat. „Aber ich wollte doch nur eine nachvollziehbare Begründung dafür, wieso die meinen Freund gefördert hatten, als der einen Stapler- und einen Kranführerschein machte. Bei mir haben sie das abgelehnt.“

Rückhaltloses Geständnis

Es sei in dem Büro immer lauter geworden, erinnerte sich der 20-Jährige. „Von allen Seiten kamen Leute. Die einen sagten, ich solle gehen, die anderen wollten noch mit mir reden. Mir ist das zu viel geworden.“ Er habe eine Menge unfreundliche Sachen gesagt, bedauerte der Angeklagte. „Irgendwem habe ich auch damit gedroht, ihn mit einem Vorschlaghammer zu bearbeiten.“

Der 20-Jährige hatte wahrlich keinen Traumstart ins Leben gehabt. Die Eltern ließen sich scheiden, als er zwei Jahre alt war. Der unter ADHS leidende Junge wuchs bei den Großeltern und in Heimen auf. Der Angeklagte hat keinen Schulabschluss und keine Berufsausbildung. Er hangelte sich von einem Job zum nächsten. „Ich will arbeiten“, so der 20-Jährige.

Viele positive Ansätze sorgten für letzte Chance

Eine Arbeit hat er inzwischen auch ohne Jobcenter gefunden. „Wenn es gut läuft, bekomme ich Ende des Jahres einen unbefristeten Vertrag.“ Und auch privat sieht derzeit vieles gut aus: Der 20-Jährige lebt in einer festen Beziehung und wird demnächst Papa.

Das Jugendschöffengericht war vor diesem Hintergrund bereit, dem Angeklagten eine allerletzte Chance zu geben. Eine bereits bestehende einjährige Bewährungsstrafe wurde um vier Monate aufgestockt. Als Auflage muss der 20-Jährige 50 Sozialstunden leisten und an einem Anti-Aggressions-Training teilnehmen. Im Rahmen des so genannten Geldern-Projekts darf er außerdem einen Tag in einer Justizvollzugsanstalt vollbringen. Eine Warnung, die schon manchen beeindruckt hat.

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