Sternenkinder

Sternenkinder: Moerser fotografiert in Duisburg tote Babys

Der Fotograf Frank Reinhold erzählt in der Redaktion von seinen Erfahrungen.

Der Fotograf Frank Reinhold erzählt in der Redaktion von seinen Erfahrungen.

Foto: Foto: Zoltan Leskovar / FUNKE Foto Services

Duisburg.  Frank Reinhold ist in Duisburg als Fotograf für Sternenkinder unterwegs. Er macht das erste und letzte Foto von verstorbenen Neugeborenen.

Wenn die Alarmapp auf seinem Handy laut piept, weiß Frank Reinhold, dass ein Neugeborenes nach der Geburt die Welt verlassen hat. Wenn er genug Zeit hat und der Ort in der Nähe ist, nimmt er die Aufgabe an, ein verstorbenes Kind zu fotografieren. Nicht wenige Alarme muss er aufgrund der Distanz ablehnen. Eine gepackte Tasche mit geladenen Akkus, Speicherkarten und Equipment hat er immer dabei, damit er möglichst schnell bei den Familien in der Klinik sein kann. Die Dringlichkeit des Einsatzes sei immer vom Zustand des Kindes abhängig. Er erstellt das erste und letzte Foto der Sternenkinder.

Frank Reinhold wohnt in Moers und fotografiert normalerweise selten Kinder – und wenn nur für Werbungen mit fröhlichen Gesichtern. Hauptsächlich arbeitet der Fotograf für Unternehmen und Agenturen und fertigt zum Beispiel Kundenmagazine oder Geschäftsberichte an. Er selbst ist zufällig im Internet durch die amerikanische Organisation „„Now I lay me down to sleep“ auf das Ehrenamt gestoßen und hat dann nach dem Deutschen Pendant gesucht. „Die Bedeutung ist viel enormer, als alles was man kommerziell fotografiert“, sagt Frank Reinhold.

Die Situation möglichst unverändert lassen

Seinen ersten Einsatz für die Organisation „Dein Sternkind“ hatte der Moerser, der im Alarmkreis Duisburg unterwegs ist, ungefähr vor einem Jahr. Ein totes Kind hatte er bis dahin noch nie fotografiert. Zur Vorbereitung hat er sich im Forum Bilder und Erfahrungsberichte der anderen Ehrenamtlichen angeschaut – bis er sich selbst dazu bereit fühlte. „Der erste Einsatz war natürlich emotional. Es ist ein schwieriger Moment, wenn man die Tür öffnet und rein geht. Es gibt keine Wiederholungsmöglichkeit und man möchte, dass das Ergebnis etwas wird“, beschreibt Frank Reinhold. So emotional sei es beim Fotografieren normalerweise nicht. „Natürlich fließen dabei auch mal tränen. Man versucht aber trotzdem zu funktionieren.“

Er drapiert das verstorbene Kind schön, spricht mit ihm und versucht, dadurch das Eis zu brechen. Manchmal gebe es auch Fälle, wo die Eltern nicht dabei sein wollen. „Sie trauen sich dann nicht an die Kinder ran. Ich versuche, sie dazu zu ermutigen, das Kind in den Arm zu nehmen oder es zu berühren.“ Er möchte möglichst die Momente einfangen – ohne dabei die Situation zu verändern.

Büchlein und Foto-DVD als Erinnerung an das verstorbene Kind

Die Eltern bekommen nach dem Fotoshooting ein kleines Büchlein mit Ausdrucken und eine Foto-DVD zugeschickt. Das mache aber jeder Fotograf anders. „Es gibt ein kleines Siegel, damit man sich bewusst dazu entscheiden kann, die Bilder anzusehen“, erklärt der 55-Jährige. Die Dateien teilt er immer in verschiedene Ordner auf – zum einen in Schwarz-Weiß-Fotos und in dokumentarische Bilder. „Es ist auch immer eine Frage, ob man die Bilder zeigt, oder ob es zu krass ist. Zeigt man nur ein idealisiertes Bild oder auch die Realität? Ist die Realität wichtig, um den Tod einfacher zu akzeptieren?“ All das sind Fragen, die sich Frank Reinhold immer wieder stellt. „Jeder braucht da etwas anderes.“ Nicht alle Kinder seien gesund und damit müsse auch er umgehen.

Durch die Tätigkeit könne Frank Reinhold viel Positives für sein eigenes Leben mitnehmen. „Es ist sehr nah an dem dran, was wirklich wichtig ist. Die Bedeutung der Bilder ist enorm und wird immer wichtiger, umso weiter man sich von dem Moment entfernt.“

Ein Dankeschön oder ein Feedback erwartet er von den Eltern nicht. Es gebe aber auch Leute, die anrufen und ein längeres Gespräch mit ihm suchen. „Es tut gut, dass jemand da war und sich für die Situation interessiert. Ich wurde auch schon zu einer Beerdigung eingeladen, weil ich für die Eltern in dem Moment dazugehört habe“, erzählt er. Wenn dann ein Dankeschön zurück kommt, teile er es im Forum mit den anderen Fotografen, die er meistens nur virtuell kennt. „Der Dank ist ja immer an uns alle gerichtet.“

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