SICHERHEIT

Stahlpoller für die Duisburger Innenstadt kommen erst 2019

Die Zufahrt von der Mercatorstraße auf die Königstraße wird derzeit durch eine flexible Sperre gesichert, die aber erst ab 11 Uhr aktiviert wird, um den Lieferverkehr nicht zu behindern.

Die Zufahrt von der Mercatorstraße auf die Königstraße wird derzeit durch eine flexible Sperre gesichert, die aber erst ab 11 Uhr aktiviert wird, um den Lieferverkehr nicht zu behindern.

Foto: Tanja Pickartz

Duisburg.   Vor dem Start des Duisburger Weihnachtsmarkts sollten die ersten Antiterror-Poller die Innenstadt sichern. Doch der Einbau verzögert sich weiter.

Noch immer klafft das riesige Loch an der Zufahrt von der Mercatorstraße zur Königstraße und gibt den Blick frei ins Erdreich unter dem Pflaster. Hier sollten, wie an weiteren Stellen in der Innenstadt, noch vor Beginn des Weihnachtsmarktes die ersten stählernen Sicherheitspoller gegen Terrorattacken mit Fahrzeugen eingebaut werden. Ziel sei es, bis zum Start des Hüttenzaubers am 15. November „möglichst viele Pollerstandorte zu realisieren“, hatte die Stadt im Oktober auf eine Anfrage der Redaktion erklärt. Doch nun wird es erst nach dem Jahreswechsel die ersten Einbauten überhaupt geben.

Drei Zufahrtsstellen in die City

Der Grund indes ist der alte: Der Grund in Duisburg birgt offensichtlich ein anderes Bild als es die Aufzeichnungen von verlegten Versorgungsleitungen vermuten ließen. „Die Leitungen, die bei den Suchschachtungen gefunden wurden, liegen entweder zu weit oben, oder es gibt Leitungen, die nicht in den Plänen verzeichnet waren“, erklärt Stadtsprecherin Susanne Stölting gegenüber der Redaktion.

Um die Zufahrten in die Innenstadt während des Weihnachtsmarktes dennoch ausreichend und gemäß einer neuen Richtlinie, die seit Juli dieses Jahres gilt, zu sichern, hat die Stadt Ende Oktober mobile Metallsperren aufstellen lassen. Die drei Zufahrtsstellen – Königstraße/Mercatorstraße, Kuhstraße/Steinsche Gasse, Landgerichtstraße – werden durch flexible Sperren gesichert.

28.000 Euro für Sicherheitspersonal

Je eine Sicherheitskraft von Octeo betreue die Sperren, erklärt Susanne Stölting, was die Stadt rund 28.000 Euro koste: „Die Sperren werden um 11 Uhr aktiviert. Die Dauer richtet sich nach den Öffnungszeiten des Weihnachtsmarktes.“ Angepasst worden seien deshalb auch die Anlieferzeiten für die Innenstadt. Sie wurden um eine Stunde auf 11 Uhr verkürzt.

Bis zu dieser Zeit sind die Zufahrten aber offen wie ein Scheunentor, obwohl sich auch dann schon viele Menschen in der Innenstadt aufhalten. „Eine hundertprozentige Sicherheit wird man nie erreichen. Dann müsste die Stadt auch den Portsmouthplatz oder Busbahnhof absperren“, begründet Stölting. „Wir wollen die maximale Sicherheit erreichen, ohne über das Ziel hinauszuschießen.“

„Schildbürgerstreich“ und „diskriminierend“

Doch nicht die flexiblen Sperren, sondern die rot-weißen „Zuckerstangen“, wie der Volksmund die 800 Kilogramm schweren Sperren umgehend getauft hat, wurden schnell zum Dorn im Auge von CDU und Linken.

Die CDU schimpfte die Maßnahme einen „Schildbürgerstreich“ und wetterte, dass die Sperren Kinderwagen, Rollstühle und Rollatoren ausbremsen. Auch die Linke sah, wie die Christdemokraten, Eltern mit Kinderwagen, Senioren und Behinderte „diskriminiert“, vom Weihnachtsmarkt ausgeschlossen oder zu langen Umwegen gezwungen. Das weist die Stadt weit von sich. Alle Sperrstellen seien vor Beginn des Weihnachtsmarktes sowie einen Tag danach auf Barrierefreiheit überprüft worden. Alle Zugänge böten die erforderliche Breite. Lediglich am Landgericht seien nach einer Veranstaltung die Sperren nebeneinander und nicht versetzt wieder aufgestellt worden. Aber auch das sei inzwischen korrigiert worden.

Das bestätigt Herbert Führmann, Bezirksvertreter der Linken in Hamborn, gegenüber der Redaktion. Dennoch kritisiert er, auch im Namen seiner Partei, die „Panik-Poller“, die statt Menschen zu schützen, Menschenleben gefährdeten: „Zuvor konnten Rettungswagen auch über die Nebenstraßen auf die Königsstraße fahren. Nun gibt nur noch zwei, drei Zufahrten und von dort aus müssen sich die Rettungsfahrzeuge auf einer längeren Strecke ihren Weg durch die Menschenmassen bahnen. Das verzögert die Hilfe. Bei Herzinfarkten oder Schlaganfällen zählt aber jede Minute.“

Rettungswege abgestimmt

Der Rettungsplan sei unter Berücksichtigung der Sperren mit allen Beteiligten abgestimmt, so dass die Rettungskräfte umgehend ihr Ziel erreichen können, betont die Stadt. „Die alarmierten Rettungskräfte werden automatisch zu den befahrbaren Zufahrten geleitet. Es ist gewährleistet, dass die veranschlagten Rettungszeiten eingehalten werden. Und bisher hat es bei den Einsätzen auch noch keine Verzögerung gegeben“, versichert Susanne Stölting.

Standorte noch nicht endgültig festgelegt

Die Stadt plant als Abwehr gegen Terroranschläge mit Fahrzeugen, die Innenstadt mit 139 festen und 17 versenkbaren Stahlpollern zu sichern. Der endgültige Plan für die Standorte wird erst nach den erfolgten Suchschachtungen erstellt. Fest steht aber schon jetzt, dass es mehr als drei Zufahrten geben wird, die mit versenkbaren Pollern gesichert werden.

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