Thyssen-Krupp und Tata

Stahl-Abstimmung geht in Duisburg in die heiße Phase

Ist das gigantische Thyssen-Krupp-Werksgelände im Norden Duisburg bald Teil eines ínternationalen Konzerns? 

Ist das gigantische Thyssen-Krupp-Werksgelände im Norden Duisburg bald Teil eines ínternationalen Konzerns? 

Foto: Hans Blossey

Duisburg.   Jetzt haben die Mitarbeiter das Wort: Sie stimmen ab Mittwoch über die Fusion von Thyssen-Krupp Steel und Tata Steel ab.

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Am Montag trafen sich am größten Standort von Thyssen-Krupp Steel die rund 400 Vertrauensleute der IG Metall für das Werk Hamborn/ Beeckerwerth, und auch an den anderen Standorten des Stahlkonzerns war zu ähnlichen Versammlungen zum Auftakt einer entscheidenden Abstimmung geladen worden. Am Mittwoch beginnt das Mitgliedervotum über die zwischen Gewerkschaft und Unternehmen ausgehandelten Bedingungen für eine künftige Fusion der beiden Stahlriesen Thyssen-Krupp mit seinen deutschen Werken und Tata mit Produktionsstätten in Großbritannien und den Niederlanden.

Aktienmehrheit für die „Mütter“

Günter Back, Gesamtbetriebsratsvorsitzender von Thyssen-Krupp Steel left Günter Back, Gesamtbetriebsratsvorsitzender von Thyssen-Krupp Steel, ist nach den bisherigen Rückmeldungen aus der Belegschaft zuversichtlich, dass es für die per Tarifvertrag gesicherten Vereinbarungen die erforderliche mehrheitliche Zustimmung bei den Mitarbeitern geben wird. Vor allem die persönliche Absicherung sei als „weitreichend“ empfunden worden, schildert Back das Echo unter den Kollegen. Immerhin seien Arbeitsplätze und Standorte für neun Jahre garantiert, de fakto sei sie wegen geltender Kündigungsfristen sogar für zehn Jahre gesichert.

Was auch als Erfolg gewertet werde, ist laut Back die langfristige Bindung von Thyssen-Krupp und Tata an das durch Fusion entstehende neue Stahlunternehmen. Mindestens sechs Jahre müssen sie die Mehrheit der Anteile halten und bei einem eventuellen Börsengang beginnt eine weitere Sechs-Jahres-Frist, in der Thyssen-Krupp und Tata zusammen mindestens 50,1 Prozent der Aktien in ihrem Besitz behalten müssen und damit weiterhin das Sagen haben werden.

Investitionsplan ist Teil des Tarifvertrags

Ebenfalls als Erfolg bewertet Back die zwischen Thyssen-Krupp und IG Metall vereinbarte Verpflichtung, in Zukunft jährlich mindestens 400 Millionen Euro in die bestehenden Stahl-Standorte zu investieren. Es gebe auch bereits einen Investitionsplan, auch er sei Teil des vereinbarten Tarifvertrages. Back will keine Einzelheiten verraten, sagt aber: „Ich kenne den Plan, ich habe ihn schon gesehen.“

„Wermutstropfen“ ist aus Sicht des Gesamtbetriebsratsvorsitzenden, dass das künftige Gemeinschaftsunternehmen mit Sitz in den Niederlanden nicht mehr der deutschen Montanmitbestimmung unterliegen wird. Aber die Mitarbeiter von Thyssen-Krupp Steel, sagt Back, hätten schon in der Vergangenheit bewiesen, dass sie selbstbewusst für ihre Sache kämpfen können: „Wir haben eine Belegschaft, die keinem Problem aus dem Weg geht.“

>>TARIFVERTRAG MACHT STARK – EIN KOMMENTAR VON WILLI MOHRS

In den nächsten Wochen stimmen die Mitarbeiter von Thyssen-Krupp Steel über ihre Zukunft ab. Das, was die IG Metall mit der Konzernführung vereinbart hat, dürfte Mitarbeiter anderer Unternehmen neidisch machen. Faktisch zehn Jahre Garantie für Arbeitsplätze und Standorte – wer kann das schon vorweisen in der deutsche Wirtschaft?

Dass dazu auch noch Investitionszusagen kommen, ist mindestens ebenso wichtig für die Zukunft der Werke, allen voran natürlich der Duisburger Werke, die den Stahlstandort Nummer 1 im Landes bilden. Denn nur kontinuierliche und großzügige Geldspritzen machen es möglich, Produktionsanlagen in der Dimension der Stahlindustrie langfristig konkurrenzfähig zu halten. Diese Perspektive weist über die neun oder zehn Jahre Standortgarantie noch hinaus.

Getroffen wurden die Vereinbarungen zwischen Gewerkschaft und Unternehmensspitze in der Form eines Tarifvertrages. Das stärkt die Position der Arbeitnehmer für den Fall eines Konfliktes über die Vereinbarungen. Anders als bei einer Betriebsvereinbarung erlaubt das Nichteinhalten tarifvertraglicher Regelungen Arbeitskampfmaßnahmen mit Urabstimmung und Streik. Dass Stahlbelegschaften davor nicht zurückschrecken, ist bekannt.

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