Trinkwasser

Stadtwerke Duisburg sorgen für keimfreies Trinkwasser

Thomas Oertel, Leiter Trinkwassergewinnung bei den Stadtwerken Duisburg erklärt die Beschaffenheit der neuen Betonschicht im Trinkwasserhochbehälter.

Thomas Oertel, Leiter Trinkwassergewinnung bei den Stadtwerken Duisburg erklärt die Beschaffenheit der neuen Betonschicht im Trinkwasserhochbehälter.

Foto: Tanja Pickartz / FUNKE Foto Services

Duisburg.  16 Millionen Euro investieren die Stadtwerke Duisburg im Stadtwald. Hier werden von Spezialisten die Trinkwasserspeicher für die Stadt saniert.

Oben im Stadtwald neben dem Forsthaus gibt es eine idyllische Lichtung mit einer riesigen Wildbienen-Wiese. Nur ein Kran zeugt von Bauarbeiten. Ein Hubschrauber sollte hier nicht landen, denn unter der Grasnarbe sind fünf Trinkwasserhochbehälter versteckt, in die jeweils rund 50 Einfamilienhäuser passen würden.

Die Stadtwerke Duisburg sanieren mitten im Naturschutzgebiet die Wasserspeicher, die für die Trinkwasserversorgung aller Duisburger wichtig sind. Rund 16 Millionen Euro sollen hier bis 2023 verbaut werden. Die ersten beiden Kammern sollen im nächsten Sommer in Betrieb gehen, dann werden die anderen Kammern angepackt. 62 Millionen Liter Wasser können die Speicher fassen.

Betonarbeiten in Hygienezone A

Wie heilig das Thema Trinkwasser ist, wird bei der Baustellenbesichtigung klar. Zwar wird hier mit Stahl und Beton wie auf anderen Baustellen gearbeitet. Aber betreten darf man die Kammern nur in voller Schutzmontur. Warnschilder mahnen: Hier ist Hygienezone A. Die Hände müssen desinfiziert werden. Die Füße, die schon in Überziehern stecken, müssen vor dem endgültigen Betreten der Kammer in Desinfektionslösung baden. „Wir haben hier zwanzigfach höhere Sicherheits-Bestimmungen als bei anderen Lebensmitteln“, erklärt Professor Manfred Breitbach von der Uni Koblenz, der als Gutachter das Bauprojekt begleitet.

In der 45 mal 45 Meter großen Kammer, die von tragenden Säulen durchzogen ist, soll künftig Wasser seine Bahnen ziehen. Die Halle hat ein Gefälle von 0,5 bis 1 Prozent, damit das Wasser komplett ablaufen kann. Hier herrschen während der Bauphase 90 % Luftfeuchtigkeit. Nicht mehr, weil sich sonst Tautropfen bilden, nicht weniger, weil der Beton sonst zu schnell abtrocknet, weiß Bauplaner Sebastian Hof.

Fifty Shades of Grey

Wenn man die Bauleiter, die Ingenieure und Gutachter von den Besonderheiten der grauen Innenhülle reden hört, ist klar: Das ist Fifty Shades of Grey im Wortsinne. Die Decke hat eine stalaktitenhafte Oberfläche, damit das Wasser wie in einer Tropfsteinhöhle abtropfen kann. Die Wände hingegen sind so glatt poliert wie Marmor, damit Keime und Bakterien keine Chance haben.

Dafür stehen Experten seit anderthalb Jahren auf Gerüsten in diesem feuchtnebeligen, kunstlichtbestrahlten Betonbunker und: ziehen glatt. Was für den Laien nicht sofort zu erkennen ist, nötigt den Fachleuten größten Respekt ab. Der Boden ist so hochgradig mit Stahl bewehrt, der ist eher für die Ewigkeit gedacht. Mindestens 50 Jahre sollen die Trinkwasserspeicher halten, bis die nächste Sanierung fällig ist.

Das Wasser von 25 Olympiabecken passt in einen Speicher

Die Kammer fasst am Ende 12.500 Kubikmeter Wasser, das ist soviel wie in 25 Olympiabecken passen würde (das sind die mit den 50-Meter-Bahnen). Der Aufwand wird betrieben, um das Wasser so keimfrei wie möglich zu halten. Mikrobiologisch hat es mindestens die gleiche Qualität wie Mineralwasser, ist aber um ein tausendfaches günstiger, betont Professor Breitbach.

Er schlägt auch gleich noch eine Bresche für das typisch kalkhaltige Wasser in Duisburg. Es sei ernährungsphysiologisch gesünder als weicheres, kalkärmeres Wasser. Außerdem sei es naturbelassen, ohne chemische Enthärtung, die ohnehin viel Energie kosten würde - in Zeiten der Nachhaltigkeit ein schlagendes Argument. Der Preis: Ab und an ein neuer Wasserkocher.

Nach der Inbetriebnahme sollen die Speicher vollautomatisch laufen, werden von Wittlaer aus gesteuert - und nur zur Probenentnahme kommen regelmäßig Mitarbeiter hoch. Wie auch zu den hunderten weiteren Meßständen. Bis zu 8000 Proben werden jährlich entnommen, sagt Thomas Oertel, der Leiter der Wassergewinnung bei den Stadtwerken. Fälle wie zuletzt den in Essen am Universitäts-Klinikum, wo ein Keim im Wasser entdeckt wurde, könne man nicht zu 100 Prozent ausschließen. Aber mit höchster Ingenieurskunst wollen sie es ihnen so schwer wie möglich machen.

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