Sportwetten

Sportwetten-Sucht: „Spielsüchtige sind hervorragende Lügner“

Tipico, Bwin, Bet3000, xTip, Bet-at-home, Interwetten, tipwin, William Hill: Viele Menschen nutzen Glücksspielangebote solcher Anbieter, ohne dadurch im Leben beeinträchtigt zu sein. Andere werden abhängig vom Glücksspiel.

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Foto: Michael Dahlke / FUNKE Foto Services

Duisburg.  Experten schlagen Alarm: Die Sportwetten-Sucht trifft oft junge, sportaffine Männer. Wo es in Duisburg für Spieler und Angehörige Hilfe gibt.

Für viele ist das Glückspiel, etwa mit Sportwetten, ein harmloses Freizeitvergnügen. Für andere wird es bitterer Ernst: Sie werden abhängig vom Glücksspiel. Laut Landeskoordinierungsstelle Glücksspielsucht gelten in NRW 40.000 Menschen als glücksspielsüchtig, weitere 40.000 als gefährdet aufgrund problematischen Spielens.

„Die Dunkelziffer ist hoch“, sagt Ulf Weidig, Suchttherapeut und Leiter der Fachstelle für Glücksspielsucht im Alexianer Bürgerhaus in Rheinhausen. Die Betroffenen der anerkannten psychischen Erkrankung haben keine Kontrolle mehr über ihr Spielverhalten. Sie verspielen mehr als geplant und mehr, als sie sich leisten können – das Verlorene versuchen sie zurückzugewinnen und geraten dadurch immer tiefer in den Strudel.

Sportwetten-Sucht: junge, sportaffine Männer oft betroffen

Zwar steige der Anteil an jungen, sportaffinen Männern, die süchtig nach Sportwetten werden, doch die Spielsucht könne letztlich jeden treffen: „Sie geht durch alle Schichten und Altersklassen.“ Verspielt werde alles: „Vom Azubigehalt bis zur Rente.“

Am Hochemmericher Markt finden jeden Dienstag von Therapeuten begleitete Selbsthilfegruppen statt. Das Besondere: „Trockene Spieler erklären, wie sie es geschafft haben.“ Hochgradig gefährdete und noch aktive Spieler können von diesen Erfahrungen und dem Austausch profitieren.

Angehörige sollten kein Geld leihen

Auch Angehörige von Spielsüchtigen finden in Rheinhausen Hilfe, denn: Suchtkranke belasten auch ihre Partner und Familien. Die hohen Geldsummen, die ein Glückspielsüchtiger für sein Spiel benötigt, führen oft auch zu finanziellen Konsequenzen für Partner.

Auf keinen Fall sollten Angehörige Bargeld leihen. Das würde die Krankheit nur verlängern. „Spielsüchtige sind hervorragende Lügner“, sagt der Experte. Sie lügen, um das Ausmaß ihrer Verstrickung in das Spielen zu vertuschen, an neues Geld zu kommen – oder, um im Falle eines Rückfalls Enttäuschung zu vermeiden.

>> SPIELSUCHT: HILFSANGEBOTE FÜR BETROFFENE

  • Wer bei sich, Angehörigen, Verwandten oder Freunden problematisches Verhalten beobachtet, kann sich unter anderem bei der Landeskoordinierungsstelle Glücksspielsucht NRW anonym und kostenlos beraten lassen: 0800 0776611.
  • Anlaufstelle in Duisburg ist die Alexianer Bürgerhaushütte, die Beratung, Begleitung und Therapie von Menschen mit problematischem Glücksspielverhalten anbietet. Jeden Dienstag trifft sich von 19 bis 20.30 Uhr eine Selbsthilfegruppe. Mehr Informationen zum Angebot unter 02065 255690.
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