Duisburger Akzente

Sound-Künstler macht aus dem Innenhafen ein Kriegsgebiet

Peter Eisold hat jeden Stein im Innenhafen vermessen, um etwa abzuschätzen, wie lange die Teilnehmer von der Synagoge zur Firma „Spaeter“ brauchen.

Foto: DANIEL ELKE

Peter Eisold hat jeden Stein im Innenhafen vermessen, um etwa abzuschätzen, wie lange die Teilnehmer von der Synagoge zur Firma „Spaeter“ brauchen.

Duisburg.   Mit Kopfhörern geht’s an der Promenade entlang. Teilnehmer sind Teil eines Hörspiels von Peter Eisold – samt Funksprüchen und Musik.

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Dies ist kein Abend, an dem man sich locker in den Theatersessel fallen lässt. „Weiter, weiter“, befiehlt die Stimme aus dem Kopfhörer. Irgendwo fällt ein Schuss. Es ist ein Funkspruch zu hören: „Versteht hier jemand Tschechisch? Fuck. Benutzt den Messanger.“ Der Komponist, Sounddesigner und Dramaturg Peter Eisold hat ein interaktives Hörspiel entwickelt. „Warzone Innenhafen“ heißt der Parcours, bei dem die Teilnehmer abends durch den Innenhafen mal schleichen, mal eilen, und Ausschau halten nach Codes.

Die Geschichte: Ein Agent eines Oligopols hat den Duisburger Innenhafen zu einem Code-Container umfunktioniert. Das Nordufer ist bereits teilweise von Oligopol-Truppen und Warbots besetzt. In der Synagoge, so die Legende, hocken Mitarbeiter des Mossad. Über die gewellten Rasenflächen kommt ein ferngesteuertes Auto angefahren. Deckung!

Der Markt hat die Veranstalter überrascht

„Wann wollt ihr sterben?“, fragt eine Stimme. „Dreht euch 95 Grad nach rechts“, kommandiert sie weiter. Dort steht die Antwort an eine Hausfassade geschrieben: „Spaeter.“ Ein Wortwitz des Erfinders – Spaeter ist der Name eines Unternehmens, das seinen Sitz im Innenhafen hat. Nur der Streetfood-Markt, die Musik und seine Gerüche stören anfangs etwas, um komplett in die Geschichte einzutauchen. Der Markt hat die Veranstalter allerdings ebenfalls überrascht.

Eisold, der bereits schon ähnliche interaktive Hörspiele in der Essener Nordstadt umsetzte, hat jeden Stein im Innenhafen vermessen. Er hat genau ausgerechnet, wie viele Minuten oder Sekunden zwischen den einzelnen Stopps liegen. Es ist eine Theaterform, die viele jüngere Besucher anspricht, die vielleicht schon Erfahrung mit Computer- oder Live-Rollenspielen haben. Michaela Pott ist begeistert. „Ich kannte den Künstler und wusste, dass es gut wird.“ Für andere ist der Krieg, den man sonst nur aus den Nachrichten kennt, ein Stück greifbarer geworden.

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