Ballett

So-Yeon Kim ist die neue Odette in Schläpfers „Schwanensee“

Im bekanntesten Ballett von Peter Tschaikowsky tanzt So-Yeon in Duisburg die Odette – aber nicht als verzauberte Prinzessin, sondern als reale Frau.

Im bekanntesten Ballett von Peter Tschaikowsky tanzt So-Yeon in Duisburg die Odette – aber nicht als verzauberte Prinzessin, sondern als reale Frau.

Foto: Ingo Schäfer / Ballett am Rhein

Duisburg.  Die koreanische Tänzerin So-Yeon Kim bekommt nach zehn Jahren beim Ballett am Rhein eine Traumrolle in der letzten Duisburger Vorstellung.

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Es ist der Traum jeder Balletttänzerin, einmal als Odette im „Schwanensee“ auf der Bühne zu stehen. So-Yeon Kim hat zwar schon drei Rollen in Martin Schläpfers „Schwanensee“ getanzt, die Rolle der Odette hat sie erst im Sommer neu einstudiert und damit beim Japan-Gastspiel debütiert. Am 14. Dezember ist sie in der vorerst letzten Vorstellung von „Schwanensee“ im Duisburger Theater zu sehen.

Die beiden ersten Vorstellungen am 6. und 11. Dezember werden von der jüngst für diese Rolle mit dem Theaterpreis „Faust“ ausgezeichnete Marlúcia do Amaral getanzt. Jetzt hat Schläpfer diese Rolle auch So-Yeon Kim anvertraut, die er als neuer Ballettdirektor vor zehn Jahren ins Ballett am Rhein holte. Seither ist sie durch die anspruchsvolle Schläpfer-Schule gegangen, in der sie auch gelernt hat, „wie man auf der Bühne und im Leben stehen muss“.

Die koreanische Tänzerin ist mit Martin Schläpfer an den Rhein gekommen

Denn es war nicht leicht für die Koreanerin, in Europa Fuß zu fassen. Sie habe erst relativ spät als 15-Jährige mit dem Tanzen begonnen. Ausgebildet in Seoul, kam sie dann 2005 nach Europa. In London wollte sie Englisch lernen, Kunst sehen und tanzen natürlich. Sie wirkte beim Ballet Black, einem Projektensemble des Royal Opera Houses, mit. 2007 wurde sie in Madrid am Viktor Ullate Ballet engagiert.

Schon in Mainz habe sie sich um ein Engagement bei Martin Schläpfer beworben, mit seinem Wechsel an den Rhein klappte es dann. „Ich habe eine Probe gesehen, das war ein Kulturschock für mich – so intensiv habe ich das nie zuvor erlebt“, sagt So-Yeon Kim. Und sei sei überrascht gewesen, wie lange Tänzer, sonst eher wechselfreudig, mit Schläpfer zusammen arbeiten.

Die Anfangszeit in der Compagnie des Balletts am Rhein war hart

„Ich habe nichts verstanden, es war sehr hart“, schildert sie ihre Anfangszeit. „Ich habe gekämpft“, ist sie heute stolz darauf, viel gelernt und viel verstanden zu haben von dem, was der Choreograph will. „Martin ist mein großer Lehrer“, sagt So-Yeon Kim. Nicht nur ihre tänzerischen Fähigkeiten habe sie erweitern können, auch menschlich sei sie selbstbewusster und sicherer geworden und habe gelernt, Entscheidungen zu treffen.

Auch die, in Deutschland zu bleiben, obwohl es ihrer Mutter schwer zu vermitteln war. Aber bei So-Yeon Kim hat die Liebe gesiegt, sie hat im letzten Jahr einen Bochumer geheiratet und bleibt. Andererseits haben ihr solche Erfahrungen auch geholfen, die Odette zu tanzen, die in Schläpfers Choreographie ja keine Märchenfigur, sondern eine „sehr realistische Frau von heute“ ist. Und im Gegensatz zu ihren Gruppenrollen zuvor, muss sie als Solistin jetzt auch die Geschichte dieser Frau erzählen. „Das ist total anders“, müsse man doch eigene Erfahrungen einbringen, um Gefühle glaubwürdig zu vermitteln.

So-Yeon Kim hat auch als Choreographien bei „Young Moves“ gearbeitet

Zwischenzeitlich hat sie in ihrer Zeit im Ballett am Rhein auch mal die Seiten gewechselt. Sie ist Rekordhalterin beim Mitwirken im „Young Moves“-Programm für Nachwuchschoreographen: An drei von vier Abenden hat sie eigene Choreographien vorgestellt. Sie könne sich vorstellen, das auch weiterzumachen, aber es sei ein viel schwierigerer Beruf als das Tanzen. Während man beim Tanzen viel technischer denke und nur im eigenen Körper sei, sei man beim Choreographieren für alles verantwortlich: Von der Handhaltung jedes Tänzers bis hin zu Licht und Bühne.

Aber jetzt steht Odette an erster Stelle. Und nach kommt die Frage, wie es für die Compagnie nach Schläpfer weiter geht.

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