Kommentar

So nicht, Herr Bürgermeister! Kommentar von Stefan Endell

Ein Kommentar von NRZ-Redakteur Stefan Endell

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Der 3. Bürgermeister von Duisburg hat im Streit um das Erdogan-Bananen-Bild deutsches Recht angegriffen statt es zu verteidigen.

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Die Ausstellung des als „Bananensprayer“ bekannten Künstlers Thomas Baumgärtel in der Cubus-Kunsthalle ist am vergangenen Wochenende zu Ende gegangen, doch der Streit um ein Bild (noch immer geht es um die provokante Banane im Gesäß) mit dem türkischen Staatspräsidenten Erdogan offenbar noch nicht.

Die Grünen sind auf eine verstörende Stellungnahme des Duisburger Bürgermeisters Erkan Kocalar (Die Linken) gestoßen.

In türkischer Sprache bei Facebook erklärt der deutsche Staatsbürger, mit türkischem Migrationshintergrund und ehrenamtliche Bürgermeister von Duisburg : „...diese Person [gemeint ist der Künstler] mit einer perversen Mentalität und die Zuständigen des Kubus Museums, die diese Ausstellung vorbereitet haben, sollen wissen, dass mit dieser Aktion die Ehre aller in Duisburg lebenden Menschen türkischer Nationalität verletzt worden ist. Dafür verurteile ich diejenigen, die diese Ausstellung verantworten.“

Was sagt uns diese Botschaft eines Duisburger Bürgermeisters? Sie stellt dem in Deutschland geltenden Grundrecht auf Freiheit der Meinung die Kategorie der türkischen Ehre gleichberechtigt gegenüber. Der Bürgermeister, „verurteilt“ diejenigen, die im Schutze von Artikel 5 des Grundgesetzes der Bundesrepublik Deutschland es wagen, die türkische Ehre zu verletzen. Ehre statt Freiheit? In Deutschland!

Wie kommt ein Duisburger Bürgermeister dazu, sich mit radikalisierten türkischen Nationalisten gemein zu machen? Glaubt er wirklich, damit diejenigen Menschen zu repräsentieren, die ihm dieses wertvolle Amt anvertraut haben?

Wäre es nicht viel mehr seine Amtspflicht gewesen, in einem Moment der Radikalisierung sich schützend vor das deutsche Grundgesetz zu stellen und die radikalen Kräfte mit einem Ton der Mäßigung auf die eben dort verankerte Freiheit der Meinung und der Kunst zu verweisen – ganz unabhängig wie seine persönliche Meinung zu dem Erdogan-Bild lauten mag?

Das wäre dann ein hilfreicher Akt der interkulturellen Verständigung und des Brückenbauens gewesen. Stattdessen hat der Bürgermeister von Duisburg selber die verbalen Angriffe auf deutsches Recht und auf die Kultur jenes Landes noch verstärkt, das ihm seit Jahrzehnten eine sichere Heimstatt gibt.

Jetzt, als er spürte, dass die Luft um ihn herum dünner wird, hat er sich für seine „unglückliche Wortwahl“ entschuldigt. Er spricht von „Missverständnissen“ und einer rein persönlich gemeinten Kritik am Bild. Die Botschaft hör’ ich wohl, allein mir fehlt der Glaube.

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