Barrierefreiheit

So ist Duisburg aus der Sicht eines Rollstuhlfahrers

Hans Duwensee freut sich über die nahe gelegenen Behindertenparkplätze am Duisburger Hauptbahnhof.

Hans Duwensee freut sich über die nahe gelegenen Behindertenparkplätze am Duisburger Hauptbahnhof.

Foto: Foto: Tanja Pickartz / FUNKE Foto Services

Hans Duwensee ist Rollstuhlfahrer und erlebt in Duisburg positive und negative Beispiele für die Barrierefreiheit. Diese Probleme gibt es noch.

Duisburg. Hans Duwensee ist Rollstuhlfahrer. Er kennt die Probleme im Alltag, die viele Behinderte tagtäglich erleben. Doch es gibt in Duisburg nicht nur besetzte Behindertenparkplätze – in den letzten Jahren habe sich viel verbessert. In seiner Schule hat sich der pensionierte Lehrer für das Thema stark gemacht.

„Es gibt Bestrebungen von Seiten der Stadt, die Barrierefreiheit miteinzubauen und man sieht das. Der Bahnhof war vorher völlig anders. Wenn ich jetzt jemanden abhole, fahre ich problemlos auf den Parkplatz auf der Vorderseite. Das klappt prima“, freut sich Hans Duwensee.

Parkplätze müssen für Rollstuhlfahrer groß sein

In dem geräumigen Kofferraum seines Autos kann er seinen Rollstuhl transportieren. Dafür sei es aber wichtig, dass der Parkplatz besonders groß ist. „Es gibt verschiedene Vorgaben, zum Beispiel wie breit die Parkplätze sein sollten. Das sind exquisite Ausführungen“, lobt er.

Richtig gut seien trotz der Baustelle die Parkmöglichkeiten an der Düsseldorfer Straße. „Wenn irgendwo neue Behindertenparkplätze gebaut werden, sollte es Bordsteinabsenkungen geben“, wünscht sich Duwansee. Problematisch sei es aber wiederum, wenn die Plätze von Autofahrern ohne Ausweis besetzt werden.

„Gedankenlosigkeit“ bereite ihm im Alltag Schwierigkeiten

Um sich fit zu halten, geht Hans Duwensee regelmäßig ins Schwimmbad. Vor dem Schwimmbad gebe es zwei Parklücken für Schwerbehinderte, die oftmals von Leuten ohne Berechtigung genutzt würden. „Ich parke dann am letzten Ende des Parkplatzes und schleppe meine Sporttasche, während ich mit meinen Unterarmstützen über den Platz humpele“, erzählt Hans Duwensee. Auch die extra für Behinderte eingerichtete Dusche, werde häufig von Nichtbehinderten genutzt und unter Wasser gesetzt, was für ihn das Umziehen erschwere. „Als ich noch nicht behindert war, hätte ich vielleicht auch mal da geparkt oder die Dusche benutzt“, wendet er ein.

Seit 15 Jahren im Rollstuhl

Seine Gehbehinderung wurde durch einen Tumor ausgelöst. „Ich lag nach der Operation ein Vierteljahr lang im Bett und habe mich in Zeitschriften über alles informiert. Da habe ich gemerkt, dass ich auf mich selbst achten muss. Man muss versuchen, sich selbst hochzuhalten und am leben teilzunehmen.“

Deshalb fährt er jedes Jahr nach Düsseldorf zur Fachmesse für Rehabilitation, Prävention und Pflege, um sich über neue Alltagserleichterungen zu informieren. „Wenn man das gesehen hat, ist man mit seinem Schicksal vereint“, sagt Hans Duwensee, „das sollte sich jeder, der über 50 ist anschauen.“

Europaweiter WC-Schlüssel für Behindertentoilette

Eine besonders gute Hilfe sei für ihn zum Beispiel der Euro-WC-Schlüssel, durch den alle behindertengerechten Toiletten in Europa zugänglich sind. Dazu gehört auch die Toilette im City-Palais. Er wünscht sich, dass die Toiletten in Zukunft nicht für alle freigegeben werden. „Diese Investition hat mir seit über einem Jahrzehnt gute Dienste geleistet und hat sich längst bezahlt gemacht.“

Die Akzeptanz ist in der Gesellschaft unterschiedlich

Die Reaktionen auf seine Behinderung seien im Alltag sehr unterschiedlich. „Heute haben mich zum Beispiel zwei nette Damen im Aufzug vorgelassen. Im Ikea war ich mit den Stöcken unterwegs. Da hat mir eine Frau den Stock weggetreten und hat gesagt, dass sie vorbei müsse. Eine Verkäuferin hat dann die Kundin rund gemacht.“

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