Hitzewelle

So gehen die Duisburger mit der enormen Sommerhitze um

Amy (9) mag die Spaziergänge mit Frauchen Maria Sabater und Heiner Neuhaus genau wie Mischling Simba (3), der hier den Platz auf dem Arm bevorzugt. Die Hunde kühlen sich gern beim Sprung in die Ruhr ab. Foto:

Amy (9) mag die Spaziergänge mit Frauchen Maria Sabater und Heiner Neuhaus genau wie Mischling Simba (3), der hier den Platz auf dem Arm bevorzugt. Die Hunde kühlen sich gern beim Sprung in die Ruhr ab. Foto:

Foto: Thomas Richter

Duisburg.  Das Thermometer klettert, Vierbeiner dürfen ins Ruhrwasser, Zweibeiner nicht. Die gute Nachricht: Es gibt genug Getränke.

Amy braucht eine Abkühlung. Also rennt sie schnurstracks in Richtung Ruhr und taucht nach einem mächtigen Sprung in die kühlen Fluten ein. Amy darf das. Denn sie ist ein neunjähriger Labradoodle. Und wenn Frauchen Maria Sabater mal wieder den kleinen, gelben Ball ins Wasser geworfen hat, bekommt die neunjährige Hündin noch mehr Lust aufs kühlende Bad. Bei Temperaturen um die 35 Grad zieht es aber auch so manchen abkühlungswilligen Menschen in den Fluss. Illegalerweise. Denn in der Ruhr gilt in Duisburg für Zweibeiner: Baden verboten!

Maria Sabater und Heiner Neuhaus sind mit den Hunden Amy und Simba (3) täglich an der Ruhr unterwegs. „Ich gehe bei jedem Wetter raus“, sagt Sabater. Auch bei der aktuellen Tropenhitze. „Hier geht fast immer eine angenehme Brise“, weiß Neuhaus. Das macht den Fußmarsch von der Werthacker-Siedlung in Duissern in Richtung Metro-Großmarkt spürbar angenehmer. Mittwoch soll der heißeste Tag der Woche werden. „Wir verkürzen unseren Spaziergang dann“, sagen die beiden Hundefreunde.

An der Ruhr die Sonne genießen

In der Nähe der Aakerfährbrücke haben sich auch David (21) aus Duissern und Leon (beide 21) aus Meiderich ans Ruhrufer gelegt Die beiden Kumpel genießen die Sonne, quatschen und hören Musik. „Wir wohnen in der Nähe und außerdem ist es hier auch nicht so überlaufen wie in den Freibädern“, begründet David die Platzwahl. Obwohl es verboten ist, trauen sich beide auch ab und an auf eigene Gefahr in die Ruhr. „Das Wasser ist sehr angenehm. Man merkt ein bisschen die Strömung, aber es ist eine schöne Abkühlung“, so Leon.

Eine Abkühlung brauchen auch die Pflanzen von Marita Budde. Sie ist seit drei Jahrzehnten begeisterte Kleingärtnerin und hat eine Parzelle beim KGV Duissern. „Ich komme jeden Abend zum Gießen. Bei der Hitze bekommen Blumen und Pflanzen mehr Wasser als sonst“, sagt Budde. Sie gießt nicht mit dem Schlauch, sondern mit der Kanne. Denn sie will ganz gezielt das Wasser verteilen: „Ist die Erde zu nass, sprießt sofort das Unkraut.“

Beim benachbarten KGV Neuland ist Udo Blei auch ein Kleingarten-Routinier. „Bei der Hitze flüchte ich aber meistens in meine Wohnung. Da ist es einfach kühler“, verrät der Rentner. Sein Parzelle dient ihm im Alltag als Rückzugspunkt im Grünen. „Zu Hause habe ich einen Balkon. Ein Garten ist aber noch einmal etwas ganz Anderes.“ Die aktuelle Hitze mag er nicht sonderlich: „25 Grad würden mir reichen.“

Gelassenheit beim Wasserproduzenten

Das Thermometer nähert sich aber der 40-Grad-Marke. Trotzdem bleibt man bei Hövelmann in Walsum gelassen. Engpässe bei der Versorgung mit Mineralwasser seien noch weniger zu befürchten als in der Vergangenheit. Das neue Hochregallager laufe seit Jahresbeginn im Vollbetrieb, erklärt Unternehmenssprecher Thomas Münzer.

Dort sei Platz für 53.000 Paletten, und damit habe sich die Möglichkeit der Vorproduktion für die heiße Jahreszeit „deutlich verbessert“. Ansonsten arbeite man in Walsum eh schon im Drei-Schichten-Betrieb. Einziger Engpass-Faktor sei die Versorgung mit Leergut.

Bei Hövelmann werde 80 Prozent der Produktion in Mehrwegflaschen abgefüllt. Und wenn die Kunden die nicht zurückbringen? „Dann kann es eng werden“, sagt Münzer: „Aber es geht ja jetzt gerade erst richtig los mit dem Sommer.“

„Es gibt keine Engpässe“, gibt sich auch Patrick Damberg, der Sprecher der König-Brauerei, ganz entspannt. Dort wisse man, „dass es im Sommer warm werden kann“ und sei in der Lage, die Produktion entsprechend zu steuern. Auch im ebenso langen wie heftigen Sommer des Vorjahres habe man keine Probleme gehabt, den beliebten Gerstensaft in der gewünschten Menge an die durstige Kundschaft zu bringen. Aber auch in Beeck ist man auf schnelle Rückgabe von Pfandflaschen angewiesen.

Hitze gefährdet ältere Menschen

Patienten mit Hitzschlag musste Dr. Darius Buchczyk in der Helios St. Johannes-Klinik in Alt-Hamborn noch nicht behandeln, doch der Leiter der Zentralen Notaufnahme registriert eine steigende Zahl von älteren und pflegebedürftigen Personen, die nicht ausreichend trinken und dann mit starkem Flüssigkeitsverlust eingeliefert werden. „Deshalb werden auch mehr Elektrolytlösungen verabreicht. Der Vorrat wurde aber bereits im Vorfeld aufgestockt“, erklärt Buchczyk.

Noch keine Hitzeopfer haben die Sana-Kliniken am Kalkweg registriert, sie versuchen, diese durch Vorbeugung zu vermeiden. „Die Wasservorräte wurden aufgestockt, die Mitarbeiter aufgefordert, mehr zu trinken und auch darauf zu achten, dass die Patienten ausreichend mit Flüssigkeit versorgt sind“, so Sprecherin Ute Kozber. Auch in den Wartebereichen wird Besuchern und Patienten Wasser angeboten. Die kurzärmligen Kasaks – eigentlich Pflichtkleidung – müssen die Mitarbeiter in diesen Tagen nicht tragen. Den dicken Stoff können sie durch leichtere, private Oberbekleidung ersetzen.

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