Loveparade

Shitstorm hätte Loveparade-Stück in Duisburg fast verhindert

Das Theaterstück "L_vepar_de" feiert am 3. September im Komma-Theater in Duisburg Premiere. 

Das Theaterstück "L_vepar_de" feiert am 3. September im Komma-Theater in Duisburg Premiere. 

Foto: Komma-Theater

Duisburg.  Die Ankündigung erntete vor einem halben Jahr wüste Kritik. Jetzt kommt das Stück „L_vepar_de - eine Verblendung“ in Duisburg auf die Bühne.

Mit 16 Stücken, 170 Auftritten und vier Premieren meldet sich das Komma-Theater Duisburg aus der coronabedingten fünfmonatigen Zwangspause. Die Serie der Abendveranstaltungen für Erwachsene eröffnet das im Vorfeld heftig kritisierte Stück „L_vepar_de - eine Verblendung“, das sich mit der Loveparade-Katastrophe auseinandersetzt.

Das Theaterkollektiv Kopierwerk und das Komma erarbeiteten gemeinsam eine Herangehensweise an den Stoff – allein die Lektüre der Artikel zum Thema habe Wochen gedauert, berichtet Regisseur René Link. Das Gefühl der Überforderung von dem Material zu dieser „bestdokumentierten Katastrophe der Nachkriegsgeschichte“ sei in das Stück eingeflossen. Es setzt nicht das Drama im Tunnel auf der Bühne um, sondern das Davor und das Danach – die Entscheidungsprozesse vor der Loveparade und die Pressekonferenz am Tag danach – „das Verwerfen, Verleugnen, Verdrängen“, wie Linke es beschreibt.

Theaterstück zur Loveparade hat einen „dokumentarischen Anstrich“

Die gesprochenen Passagen sind zu über 80 Prozent dokumentarisch, sagt Linke. Sie stammen aus dem Prozess, aus dem Gutachten; Zitate aus Interviews, Akten, Funksprüche fließen in das Stück ein. Es folgt einer Dramaturgie, hat aber einen dokumentarischen Anstrich, so Linke.

Regieassistentin Luisa Schwab hat zur Vorbereitung auch den Prozess besucht: „Was man als Gerechtigkeit empfindet und was das Rechtssystem macht, ist wahnsinnig irritierend“, sagt die 23-jährige Duisburgerin. Auch die Schauspieler und das Team seien bei der Schuldfrage zu unterschiedlichen Schlussfolgerungen gekommen, obwohl alle das gleiche Material hatten.

Shitstorm hätte fast das Ende des Theaterprojekts bedeutet

„Ich will ja nichts sagen, aber ich glaube das war absehbar“ - mit diesem Zitat in einem kleinen Spot bewirbt das Komma seine Inszenierung in den sozialen Netzwerken. Nicht absehbar war, was sich im November ereignet hatte: Ein kleiner redaktioneller Hinweis darauf, dass ein Theaterstück zur Loveparade-Katastrophe in Arbeit ist, führte zu einem bundesweiten Shitstorm, in dem viele Emotionen und Missverständnisse zu verbalen Entgleisungen führten.

Es hätte das Ende sein können für ein Projekt, dass zu dem Zeitpunkt noch nicht mehr war als eine Idee. „Es war noch keine Zeile geschrieben“, sagt Regisseur und Autor René Linke, aber der Gedanke war da nach der Woge wüster Worte, Schluss zu machen, diesen Angriff „nicht durchstehen zu können“.

Eine Traumatisierung, die die ganze Stadt befallen hat

Im Gespräch mit einem Psychoanalytiker habe das Team verstanden, dass der Shitstorm auch Zeichen der Traumatisierung ist, die die ganze Stadt befallen habe und bis heute nachwirke. Geholfen habe auch das Gespräch mit einer der Auslöserinnen der Debatte, die inzwischen das Projekt unterstützt, sagt Linke. Weitere Gespräche mit den Akteuren der Stiftung Duisburg 24.7.2010, Begegnungen mit Betroffenen und Hinterbliebenen hallten beim Team lange nach. Parallel dazu ebbte das bundesweite mediale Interesse ab, sagt Ensemble-Mitglied Renate Frisch, „die waren offenbar nur an Querelen interessiert“.

Die Termine im Komma:

  • Die Premiere am 3. September ist ausverkauft, für die folgenden Termine am 4., 5., 10. und 11. September sowie am 3. Oktober gibt es noch Karten. Sie müssen unter www.kommatheater.de/spielplan vorbestellt werden. Das Stück ist ab 16 Jahren freigegeben.
  • Für November ist ein Stück zu Rio Reisers 70. Geburtstag in Arbeit, verrät Renate Frisch. Und als Vision beschreibt sie einen Plan, eine Theaterpädagogische Aus- und Weiterbildung mit ins Angebot aufzunehmen.
  • Seit der Premiere „Das Gold des Hasen“ läuft wieder jeden Sonntag um 15 Uhr das Familientheater.
  • „Wir nehmen Corona sehr ernst“, sagt Organisatorin Renate Frisch. Statt aller 120 genehmigten Plätze reduzieren sie je nach Bühnenbau um 50 Plätze und schaffen so mehr Raum.

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