Theater-Ensemble Spieltrieb

Premiere für den Duisburger Spielbetrieb: Shakespeare-Sonette in der Sauna

In dem Stück „Love is not love“ beschäftigt sich das junge Theater-Ensemble „Spieltrieb“ mit klassischem Stoff.

Foto: Sascha Kreklau

In dem Stück „Love is not love“ beschäftigt sich das junge Theater-Ensemble „Spieltrieb“ mit klassischem Stoff. Foto: Sascha Kreklau

Duisburg.   Letzte Spieltrieb-Premiere vor der Sommerpause. Regie-Erstlingswerk von Tim Zielke überzeugt mit kreativer Inszenierung der eher sperrigen Texte.

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Shakespeares Sonette gehören zu den größten Rätseln der Weltliteratur – ein Zyklus aus Liebesgedichten, dessen Adressaten nicht bekannt sind. In den Versen, die immer 14 Zeilen lang sind, werden die großen Lebensthemen verhandelt. 1609 wurden sie erstmals veröffentlicht und bereits im 18. Jahrhundert fällt ein Kritiker ein vernichtendes Urteil: „Nur durch eine strenge Parlamentsverordnung könne ein normaler Mensch dazu gebracht werden, diese Sonette zu lesen.“ Es stand also Schlimmes zu befürchten für die letzte Spieltrieb-Premiere vor der Sommerpause – zumal es im Foyer III gefühlt 30 Grad waren und alle Welt bei schönstem Wetter im Garten saß. Eine Klimaanlage gibt es nicht und der Ventilator hat keinen TÜV mehr und fiel entsprechend aus. Der Abend war dennoch ausverkauft und am Ende gab es für das Ensemble und den Regisseur lang anhaltenden Applaus.

Nur vier Wochen für Entwicklung und Probe

Überraschenderweise vermochte es Tim Zielke, der zum ersten Mal Regie führte und sonst als Schauspieler im Ensemble mitwirkt, den Versen dank seiner Inszenierung eine unterhaltsame Note zu geben. Vier Wochen hatten Zielke und sein Team Zeit, das Stück zu entwickeln und zu proben – „Love is not love“ ist kurzfristig ins Programm aufgenommen worden. Dafür las Zielke selbst die 154 Sonette des Dichters und arrangierte daraus einen 55-minütigen Abend. Sein Studium pausiert derzeit, Tag und Nacht hat er sich auf den Abend vorbereitet. „Ich wollte eine Herausforderung. Ich finde es faszinierend, wie jemand so viel über Liebe schreiben kann und am Ende des Textes weiß man immer noch nicht genau, was er meint.“ Lukas Makevičius als Poet, John Sander (Fairboy), Sarah Hohendahl als Dark Lady und Hanna Joe Huberty als kleiner Liebesgott rezitieren die Texte auf Deutsch und Englisch. Sie singen, tanzen sie in kleinen Zwischenspielen. Jonatan F. Blomeier (Klavier und Elektronik) und Leo Vorbau (E-Gitarre und Waldzither) untermalen die Szenen mit Musik, aber auch mit Einspielungen von Geräuschen. Entsprechend sind die Sonett-Folgen im Programmheft auch als „Playlist“ wie in einem CD-Booklet aufgeführt.

Sonette spiegeln sämtliche Facetten der Liebe wider

Die Sonette spiegeln sämtliche Facetten der Liebe wider. Mal heißt es im Sonett 18: „Soll ich dich einem Sommertag vergleichen? Er ist wie du so lieblich nicht und lind.“ Dann wieder in Text 29: „Wenn ich, von Gott und Menschen übersehn. Mir wie ein Ausgestoßener erscheine. Und, da der Himmel nicht erhört mein Flehn,dem Schicksal fluche und mein Loos beweine.“ Die Spieltrieb-Schauspieler geben den Liebesgedichten eine kokette, neckische und manchmal auch anzügliche Note. Dies und die musikalischen Einlagen führen dazu, dass sich das Publikum nicht automatisch vorkommt wie im Englisch-Leistungskurs.

Am Ende kann der gelungene Theater-Abend von Tim Zielke in der knappen Stunde die Frage auch nicht klären, was Shakespeare seinen Lesern eigentlich sagen wollte. Dennoch gab es langanhaltenden Applaus für die kreative Interpretation und die darstellerische Leistung der jungen Schauspieler.

>>> Noch drei weitere Vorstellungen im Juni

Weitere Aufführungen von „Love is not love“ gibt es am 14., 20. und am 29. Juni. „Da läuft zwar die Weltmeisterschaft, aber wir machen uns keine Sorgen“, erklärt Theaterleiter Michael Steindl.

Der Eintritt kostet elf Euro. Tickets gibt es an allen bekannten Vorverkaufsstellen und an der Theaterkasse. Kartenreservierungen sind auch telefonisch möglich: 0203/283 62 100.

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