Aggressionen

Sekundarschule schickt Schüler zum Abkühlen in neuen Boxraum

Die Schüler Oktavian (links) und Lucas (Mitte) toben sich mit Schulleiter Pavle Madzirov (rechts) im neuen Anti-Aggressionsraum aus.

Die Schüler Oktavian (links) und Lucas (Mitte) toben sich mit Schulleiter Pavle Madzirov (rechts) im neuen Anti-Aggressionsraum aus.

Foto: DANIEL ELKE / FUNKE Foto Services

Duisburg-Huckingen.  Die Sekundarschule Am Biegerpark setzt ab sofort auf Anti-Aggressionstraining in einem neuen Boxraum. Lehrer schicken Schüler gezielt dorthin.

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Von 8 Uhr morgens bis in den Nachmittag die Schulbank drücken: Das kann anstrengend sein. Besonders Jungs mit starkem Bewegungsdrang kommen dann oft an ihre Grenzen. Unkonzentriertheit und Aggressionen können die Folge sein. Eine Pause auf dem Schulhof reicht vielen nicht aus. Das Auspowern an einem Sandsack hilft da vielleicht schon eher. Das denkt man zumindest an der Sekundarschule Am Biegerpark. Dort ist jetzt ein Anti-Aggressionsraum eingeweiht worden.

Viele Kinder seien nicht ausgelastet, findet Schulleiter und Sportlehrer Pavle Madzirov. „Ich beobachte immer wieder, dass Schüler sich nicht mehr so für Sport interessieren wie früher“, sagt er. Das berge ein Problem: „Sie nutzen die Pausen nicht, um sich zu bewegen, und starren stattdessen auf ihr Handy“, sagt er. Das helfe aber nicht dabei, sich im Unterricht zu konzentrieren. „Nur die wenigsten sind noch im Sportverein“, stellt er fest.

Anti-Aggressionstraining am Boxsack unter Aufsicht eines Lehrers

Der natürliche Bewegungsdrang wird somit unterdrückt – und entlädt sich in Aggression. Da kommt die neue Idee des Boxraums ins Spiel. „Das soll kein Strafraum sein“, stellt Madzirov direkt klar. „Wir wollen vorbeugen. Wenn Lehrer sehen, dass sich jemand nicht mehr konzentrieren kann oder aggressiv wird, vielleicht in Streit mit anderen gerät, dann sprechen sie die Empfehlung für den Boxraum aus“, beschreibt er die Idee. Nach einigen Minuten am Sandsack – unter Aufsicht eines Pädagogen – sollen sich dann Ruhe und Ausgeglichenheit einstellen.

Der Boxraum ist karg. Eine Möblierung fehlt fast völlig. Eine Reduzierung auf das Wesentliche. Was zählt, ist der Sandsack. „Hier drin muss es nicht schön sein, wir haben bewusst diesen Look gewählt“, sagt Madzirov. Was es allerdings gibt, sind Musikboxen, die bei den Boxsessions für zusätzlichen Dampf sorgen sollen. Stören werde laute Musik niemanden, betont Madzirov. „In diesem Gebäude findet sonst kein Unterricht statt.“

Das Gegenstück zum Boxraum: der Ruheraum

Ganz anders: der Ruheraum. Im Hauptgebäude gelegen, soll er bald zum Entspannen und Besinnen einladen. Noch ist es aber nicht so weit. Wo jetzt noch Tische und Stühle stehen, soll es demnächst bequeme Sitzgelegenheiten und Massagegeräte geben. „Dieser Raum wird das Gegenstück zu dem anderen“, erklärt Susanne Schorsch. Die Lehrerin will sich dort um Kinder kümmern, die zur Ruhe kommen müssen, vielleicht vom Schulstress überfordert sind. Allerdings soll das Lernen nicht aus den Augen verloren werden. „Hier können auch Aufgaben gemacht oder Bücher gelesen werden“, sagt sie.

Auch dem Entspannungsraum, für den bereits alle Möbel bestellt sind, sollen in den kommenden Wochen Schüler zugewiesen werden, bei denen akuter Bedarf besteht. „Lehrer sprechen Empfehlungen aus, und wir betreuen diese dann für eine gewisse Zeit hier“, sagt Schorsch. Den Unterricht verpassen die Schüler nicht. „Es ist nicht so, dass die Schüler während der Unterrichtsstunden in einen der Räume kommen, sondern etwa zwischen den Stunden“, sagt Madzirov. Um dann entspannt in die nächste Stunde gehen zu können – ob aus dem Boxraum oder aus dem Entspannungsraum.

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