Duisburger Akzente

Schulkultur bei „Akzenten“: Alles dreht sich um den Krieg

Um zu ihrem Platz zu kommen, müssen die rund 200 Zuschauer erst durch den Korridor aus teils widersprüchlichen Plakaten schreiten.

Um zu ihrem Platz zu kommen, müssen die rund 200 Zuschauer erst durch den Korridor aus teils widersprüchlichen Plakaten schreiten.

Foto: Tanja Pickartz

Duisburg.   Im Rahmen der Duisburger Akzente zeigen die Jungen Akzente eine Collage verschiedener Kunstformen. Neben Krieg geht es auch um Konflikte selbst

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Auf den Krieg folgt der Frieden. „Das Leben setzt sich durch – Widerstand und Wiederaufbau“ ist der Beitrag der Jungen Akzente zum Programm der Duisburger Akzente. Die Vorführung in der Kulturkirche Liebfrauen ist eine zweistündige Collage sämtlicher Kunstgattungen. Darbietungen aus Film, Schauspiel, bildender Kunst sowie Hörspiel und Poetry Slam finden sich darin wieder.
„Wir wollten die Beiträge in Schulen würdigen und sie ermutigen, sich zu beteiligen. Viele Jugendliche könnten mit den Duisburger Akzenten anfangen, da muss man etwas Ungewöhnliches bieten“, sagt Max Bilitza. Der Theaterregisseur und Choreograf ist künstlerischer Leiter der Aufführung uns sorgt dafür, dass alle Programmpunkte wie Zahnräder ineinander greifen. „Die Jahre vorher hatten wir immer einzelne Beiträge der Schulen. Diesmal gibt es einen Rahmen, durch den die Darbietungen zueinander passen“, erklärt Bilitza. „Das Spannende ist, dass niemand weiß, wer Zuschauer und wer Schauspieler ist – alle sitzen im Publikum und sehen ihren eigenen Beitrag als Teil einer großen Handlung“, sagt Bilitza.

Korridor aus mahnenden Plakaten

Die Zuschauer durchlaufen auf dem Weg zu ihren Plätzen zunächst einen Korridor aus Plakaten, die einige Schüler hochhalten. „Wenn Tore fallen, schreit ihr, wenn Bomben fallen, schweigt ihr“, steht darauf, oder „Wenn man eine Vergewaltigung nicht verhindern kann, sollte man sie genießen“ – eine Aussage des ehemaligen indischen Polizeichefs. Ein Soldat betritt darauf hin die Bühne. Ob jemand schon mal gegen eine Regel verstoßen habe, will er wissen. Es folgt ein Auftritt einiger Schüler mit dem Bonner Rapper Maliq Möbius.

Nach ihnen betritt ein Rosenverkäufer die Bühne. Verkörpert wird er, genau wie der Soldat, von Bashar Al Murabea. Der Schauspieler ist vor zwei Jahren aus Syrien geflüchtet. Seine Auftritte verknüpfen die Beiträge zu einem großen Ganzen. Vom Rosenverkäufer ist es nur ein kleiner Schritt zur Weißen Rose, der Widerstandsbewegung um Hans und Sophie Scholl. So begibt sich der Zuschauer aus der Perspektive der gegenwärtigen Kriege in die Zeit des Nationalsozialismus. Diese Sprünge in der Historie und Thematik sind durchaus beabsichtigt, sagt Bilitza. „Es geht ja nicht nur um Krieg, sondern auch um Konflikte im Klassenzimmer.“ Seit Oktober haben Bilitza und weitere zehn Künstler in den Schulen gearbeitet. Neben der Erich-Kästner-Gesamtschule beteiligen sich auch das Gertrud-Bäumer-Berufskolleg, die Gesamtschule Süd, die August-Thyssen-Realschule und das Elly-Heuss-Knapp-Gymnasium. „Es ist toll, dass man hier so viele Schüler anderer Schulen trifft und etwas geschichtliches lernt“, findet Elias Bodenstein (16) von der Erich-Kästner-Gesamtschule und fügt hinzu: „Sehr inspirierend.“ Seine Stufenkameradin Sarah Salewski meint: „Ich finde es gut, dass das Thema Krieg so groß thematisiert wird. Wir haben damit zwar nicht so viel zu tun, werden aber immer wieder damit konfrontiert.“

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