Stadtteilspaziergang

Schlendern und Schwatzen: Stadtteilspaziergang in Duisburg

Die Voraussetzungen für den ersten Stadtteilspaziergang hätten besser nicht sein können: strahlender Sonnenschein, buntes Herbstlaub und motivierte Spaziergänger.

Die Voraussetzungen für den ersten Stadtteilspaziergang hätten besser nicht sein können: strahlender Sonnenschein, buntes Herbstlaub und motivierte Spaziergänger.

Foto: Lars Fröhlich

Duisburg.  Ob mit Rollator oder Gehstock: Ganz egal. Am Stadtteilspaziergang der Awo und der Novitas BKK kann jeder teilnehmen und neue Kontakte knüpfen.

Die Sonne taucht das Herbstlaub der Linden an diesem sonnigen Oktobertag in goldenes Licht. Eine kleine Gruppe Rentner schlendert gemütlich über die Königstraße. Obwohl die meisten sich untereinander nicht kennen, sind die Gespräche bereits so geschäftig, dass kaum darauf geachtet wird, wo der erste Stadtteilspaziergang der Arbeiterwohlfahrt (Awo) und der Novitas BKK sie hinführt.

„Genau so soll es sein“, sagt Inge Klein, die Leiterin des Begegnungs- und Beratungszentrums für ältere Menschen, die in unmittelbarer Nachbarschaft an der Clauberg­straße liegt.

Kontakte knüpfen, Informationen austauschen

Anlaufschwierigkeiten bei der Kontaktaufnahme gibt es keine: Brigitte Böskens (79) und Marianne Ziemer (73) etwa haben sich schnell gefunden. Letztere hat im Juli ihren Mann verloren. Seitdem ist sie alleine in ihrer Wohnung und muss ihren Alltag neu sortieren. Aber, so sagt sie: „Einfach nur zu Hause hängen, das muss nicht sein. Ich war zwar nie ein Mensch für Vereine, aber ein solch flexibles Angebot kommt mir sehr entgegen.“ Und Brigitte Böskens erzählt: „In der Gruppe ist man einfach offener und aufgeschlossener. Und sie hat mir gerade von der Origami-Gruppe erzählt, das wollte ich auch schon immer mal machen.“

Der Austausch von Informationen ist ein positiver Nebeneffekt. Denn, was man schnell vergisst: Die Senioren sind nicht alle im Internet unterwegs oder googeln. So fragt etwa Gabriele Gedig (77), die ganz spontan mitgekommen ist, in die Runde: „Weiß denn jemand, wo genau das neue Parkhaus am Bahnhof steht?“ Klar: Die Antworten prasseln nur so auf sie ein.

Ein Hahn im Korb – Männer sind in der Unterzahl

Was auffällt: Es nimmt nur ein Mann an dem Spaziergang teil. Horst Habedank, stolze 90 Jahre alt, ist erst vor Kurzem von Berlin nach Duisburg gezogen, weil seine Nichte hier lebt. Im Moment störe ihn in seiner Wohnung noch der schlechte Fernsehempfang, da sei der Spaziergang eine schöne Abwechslung. „Es ist tatsächlich so, dass wir selten Männer dabei haben“, erzählt Inge Klein. „Es wäre schön, wenn sie die Angebote öfter annehmen.“

Dass einer mit Gehstock und eine mit dem Rollator unterwegs ist, ist kein Problem. Das Gehtempo werde automatisch angepasst, so Susanne Wißmann von der Novitas BKK. Bei der heutigen Runde liegt es im gemütlichen Schlender- und Schwatzbereich. „Die Teilnehmer übernehmen schnell Verantwortung füreinander und achten auf Leute, die etwas langsamer sind.“ Abschließend gibt es eine gemeinsame Tasse Kaffee in der Claubergstraße.

>>>> Ohne Anmeldung und kostenlos

Von jetzt an soll es jeden Mittwoch ab 14 Uhr einen Spaziergang durch die Innenstadt geben. „Maximal eine Stunde lang, kostenlos und ohne Anmeldung“, erklärt Inge Klein.

Es geht mal ins Grüne, mal in die Stadt. „Im Mittelpunkt steht der Kontaktaustausch und das Miteinander“, so Klein. „Jeder ist willkommen.“

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