Soziales

Scheitert Duisburgs Soziokultur an der Bürokratie?

Sie hoffen auf schnelle politische Unterstützung für den Standort am Stapeltor, damit Landesmittel nicht verloren gehen: die Kulturschaffenden Sarah Berndt, Luise Hoyer, Christian Wagemann, Christine Brücker und Jan Immanuel Tügel.

Sie hoffen auf schnelle politische Unterstützung für den Standort am Stapeltor, damit Landesmittel nicht verloren gehen: die Kulturschaffenden Sarah Berndt, Luise Hoyer, Christian Wagemann, Christine Brücker und Jan Immanuel Tügel.

Foto: Lars Fröhlich

Duisburg.  Immer neue Hürden stellen sich einem soziokulturellen Zentrum in den Weg. Akteure appellieren an Politik, um Landesmittel abrufen zu können

Lässt die Politik die Soziokultur und ihren Kulturdezernenten am langen bürokratischen Arm verhungern? Wer am Donnerstagabend die Diskussion zwischen Kulturakteuren und Dezernent Thomas Krützberg verfolgte, konnte schnell diesen Eindruck gewinnen. Denn obwohl der Rat einem soziokulturellen Zentrum vor rund drei Jahren zustimmte, stehen die Akteure nur mit politischen Lippenbekenntnissen da – und dem, was sie selbst erarbeitet haben.

Das ist nicht wenig: Ein stimmiges Konzept, eine Anschubfinanzierung und nun auch einen Raum haben die Kulturschaffenden erarbeitet, nachdem erst kürzlich das klare „Nein“ zur Alten Feuerwache in Hochfeld kam.

Doch nun drängt die Zeit für ein politisches OK für den neuen Raum bis zum 15. Mai. Danach verfallen die Landesmittel aus dem Fonds Soziokultur und ein Zuschuss der LAG Soziokultureller Zentren von insgesamt 28.000 Euro. Rainer Bode, ehemaliger langjähriger Geschäftsführer der LAG, appellierte in der Diskussionsrunde an die Stadtpolitik, dieses politische Signal dringend in einen Beschluss umzusetzen.

Der Amtsschimmel wiehert

Für den aktuellen Kulturausschuss am 11. April dürfte das bereits zu spät sein, der nächste ist erst wieder im Juni. Ohne eine eindeutige Willensbekundung der Politik gibt es keine Räume, ohne Räume keine Finanzierung durch Landesmittel. So einfach ist die Gleichung.

Stattdessen türmen sich für die Akteure weitere bürokratische Hürden auf: Die neuen Räume müssen auf Sicherheit und Brandschutz geprüft werden, sie müssen in ihrer Nutzung umgewidmet und umgebaut werden, womöglich bedarf es eines teuren Gutachtens.

Wir haben den Eindruck, wir werden ständig neu losgeschickt, um den Passierschein A38 zu besorgen“, fühlt sich Christian Wagemann von der initiierenden Gruppe „Du erhält(st) Kultur“ wohl an den Amtsschimmel aus Asterix erobert Rom erinnert. „Jetzt müssen wir auch noch den Antrag im Ausschuss stellen, kann die Politik nicht selbst auf die Idee kommen? Dabei tun wir doch der Stadtgesellschaft einen Gefallen – und nicht umgekehrt.“

Offenbar geht es nicht nur den Kulturschaffenden so, Dezernent Krützberg scheint ebenso der politische Rückenwind zu fehlen wie das Nervenkostüm zu schwinden: Als er gefragt wird, bei den Unterlagen für die Umwidmung der Räume zu helfen, kommt ein scharfes Nein – dazu seien die Akteure selbst in der Lage. Beschleunigen wolle er den Vorgang schon – wenn es politisch das OK gebe.

Am kommenden Donnerstag vor der Ausschussitzung will er sich mit den Akteuren treffen, um die Eignung der Räume durchzusprechen. Dann könnten diese vielleicht auf der Tagesordnung des Ausschusses auftauchen. Ein positiver Beschluss wäre dennoch erst im Juni möglich. Rainer Bode als Experte der Soziokultur ist guter Dinge, dass dann die Frist für die Mittel verlängert werden könnte.

Leserkommentare (0) Kommentar schreiben