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Schein-Studentin an der Universität Duisburg-Essen packt aus

Studenten in einer Vorlesung. Schein-Studenten werden dem Professor nicht zuhören: Sie sind nur eingeschrieben, um etwa ein Semesterticket zu bekommen. (Symbolfoto)

Studenten in einer Vorlesung. Schein-Studenten werden dem Professor nicht zuhören: Sie sind nur eingeschrieben, um etwa ein Semesterticket zu bekommen. (Symbolfoto)

Foto: Jan Woitas / k_V

Duisburg.  Studenten haben in NRW ein unbegrenztes Ticket für Bus und Bahn. Schein-Studenten nutzen das aus. Für Hochschulen sind sie kaum zu erwischen.

Einen Hörsaal der Uni Duisburg-Essen hat Lena Klee* noch nie besucht – und trotzdem ist sie an der Uni eingeschrieben: „Ich studiere Spanisch und Kommunikationswissenschaft.“ Dabei spricht die 26-Jährige überhaupt kein Spanisch. Warum ist sie eingeschrieben? Lena Klee ist Schein-Studentin. Das einzige, was sie möchte, ist ein Semesterticket und somit die freie Fahrt mit Bus und Bahn in ganz NRW.

Lena Klee heißt eigentlich anders, doch ihren richtigen Namen möchte sie in einem Artikel nicht lesen. Denn was sie da täglich macht, ist mehr als eine Lüge. Der Redaktion sind auch andere Schein-Studierende der Universität Duisburg-Essen bekannt, die diese rechtliche Grauzone ausnutzen. Für das kommende Semester hat sich Lena Klee bereits zurückgemeldet.

Die Studentin spart 554 Euro im Jahr

Dafür zahlt sie einen Semesterbeitrag von 313 Euro, der auch zu einer freien Fahrt mit Bus und Bahn in ganz NRW befähigt. „Jeden Tag fahre ich mit dem Ticket zur Arbeit nach Mülheim“. 52 Euro pro Monat zahlt sie umgerechnet für ihr Ticket und ist damit deutlich günstiger als andere Abo-Optionen im Verkehrsverbund Rhein-Ruhr: Für ein Ticket1000 im Abo mit der Preisstufe B und ohne zeitliche Einschränkungen würde Lena Klee im Monat 98,20 Euro zahlen – 554,40 Euro mehr im Jahr als mit Semesterticket. „Die Ersparnis ist immens.“

So wie Lena machen es in NRW Tausende andere Schein-Studenten. Wie die Rheinische Post berichtet, gehe die Uni Düsseldorf etwa von 8000 Pseudo-Studenten aus. Die Universität Duisburg-Essen hält sich mit Zahlen bedeckt. Schein-Studenten zu ermitteln, sei ein nicht aufzubringender Aufwand: Es „kann mannigfaltige nachvollziehbare Gründe geben“, warum Studierende eingeschrieben sind, aber noch keine Leistungsnachweise erbracht haben. „Aus unserer Sicht macht es keinen Sinn, ein Pauschalurteil zu fällen“, teilt eine Sprecherin mit.

Psychologischer Faktor: Einschreibungen nur vor Ort

Auf eine Prüfung der Studienabsicht wird bei der Einschreibung verzichtet, geschweige denn das tatsächliche Studierverhalten kontrolliert. „Studierende werden nach der geltenden Rechtslage eingeschrieben und bei Erfüllung der Voraussetzungen auch jedes Semester rückgemeldet.“ Dennoch: „Wir setzen unter anderem konsequent auf eine individuelle Einschreibung vor Ort. Damit besteht bei uns eine größere psychologische Hürde als an manch anderen Hochschulen.“ Schein-Studenten wie Lena Klee entscheiden sich vor allem für zulassungsfreie Studiengänge: „Ich möchte niemanden den Platz weg nehmen. Dann hätte ich ein schlechtes Gewissen.“

Die Hochschule profitiert von den gezahlten Semesterbeiträgen nicht unmittelbar – die fälligen 313 Euro gehen anteilig als Mobilitätsbeitrag an den VRR, an das Studierendenwerk und den Allgemeinen Studierendenausschuss (AStA). Für das Studierendenwerk Essen-Duisburg hätte ein Wegfall von Schein-Studenten keine „unmittelbaren Auswirkungen“ etwa auf Essenspreise in der Mensa oder Mietpreise in den Wohnheimen – jedoch bei langfristigen Projekten, wie der Renovierung von Wohnheimen könnten Finanzierungslücken entstehen, wie eine Sprecherin des Studierendwerkes mitteilt.

Universitäten profitieren von Landesmitteln

Zwar kann es auch von der Zahl der Studierenden abhängen, wie viel Mittel des Landes die Hochschule zur Verfügung gestellt bekommt, aber auch andere Kriterien wie die Abschlussquote kommen hinzu, teilt eine Sprecherin der Universität Duisburg Essen mit. Zu dieser tragen Schein-Studenten nicht bei.

* Name geändert.

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