Interview der Woche

Philipp (SPD): "Schlechtmach-Kampagne nichts entgegenzusetzen"

Die Duisburger Landtagsabgeordnete Sarah Philipp steht mit anderen für die Verjüngung in der SPD-Landtagsfraktion.

Die Duisburger Landtagsabgeordnete Sarah Philipp steht mit anderen für die Verjüngung in der SPD-Landtagsfraktion.

Foto: Tanja Pickartz

Duisburg.   Sarah Philipp ist Parlamentarische Geschäftsführerin der SPD-Landtagsfraktion. „Man darf sich nicht aus der Ruhe bringen lassen“, sagt sie.

Für Sarah Philipp hat die Wahlniederlage der SPD bei der Landtagswahl vor einem Jahr auch positive Folgen gehabt: Die Abgeordnete aus dem Duisburger Süden gilt als eine der Nachwuchshoffnungen der Landespartei. Die Fraktion wählte sie kürzlich zur Parlamentarischen Geschäftsführerin. Wir sprachen mit ihr über die Partei nach der Wahl, ihre neue Rolle und die Themen, die ihrer Meinung nach die SPD zurück bringen können an die Regierung.

Die Wahlniederlage war ein Schock für die SPD. Woran lag es?

Sarah Philipp: Wir hatten am Ende der Schlechtmach-Kampagne bei den Themen Stau, Sicherheit und Schule nichts mehr entgegenzusetzen. Zu sagen, NRW ist stark, hat die Leute nicht überzeugt. Viele Bürger hatten ein anderes Gefühl.

Zu Recht?

Es gab eine Diskrepanz zwischen objektiven Kriterien, etwa aus der Kriminalitätsstatistik, dem was wir angeboten haben, wie die Einstellung von mehr Polizisten und dem was die Bürger gefühlt haben. Wir haben so viel Geld wie nie zuvor für den Straßenbau nach NRW geholt, aber die Leute haben uns gesagt: Schön, aber wir stehen im Stau. Wir hatten Gutes im Sinn, aber es ist nicht draußen angekommen – unser Fehler. Diese Kommunikation ist Sören Link in seinem OB-Wahlkampf viel besser gelungen.

Es gab ein Vermittlungsproblem?

Michael Groschek hat darauf hingewiesen, dass es dauern wird. Er hatte das Label „Stauminister“. Es wurde ihm nicht gedankt. Die Kommunikation ist sehr schwierig. Für die Menschen ist nicht die Höhe der Beträge wichtig, sondern die Fragen: Was passiert wo? Was bedeutet das für mich? Das ist oft zu kurz gekommen.

Die Verjüngung war schwierig.

Ich fand es richtig, dass es eine begrenzte Übergangszeit für eine stark verkleinerte und traumatisierte Fraktion gab. Es hätte besser funktioniert ohne den halbjährigen Prozess der Regierungsbildung in Berlin. Es gab einen Leitbildprozess und eine Wahlanalyse, die Zeit erfordert haben. Deshalb wählen wir erst im Juni den neuen Landesvorstand. Was geplant ist, gefällt mir: Dass man darauf achtet, dass alle NRW-Regionen berücksichtigt werden, ist vernünftig. Dass nicht nur der Bund vertreten ist, sondern auch die Bundesebene und die Kommunen. Es freut mich sehr, das Sören Link als stellvertretender Parteivorsitzender kandidiert.

Die Landtagsfraktion hat Sie zur Parlamentarischen Geschäftsführerin gewählt. Wie kam es dazu?

Ich habe zur Kenntnis genommen, dass mein Name gehandelt wurde. Im Vorstand habe ich bereits ein Jahr mitgearbeitet. Ich habe für mich entschieden, dass es eine spannende und herausfordernde Aufgabe ist. Um Ostern habe ich mich entschieden, zu kandidieren. Ich bin auch gefragt worden.

Wie lautet die Job-Beschreibung?

Ich habe gesagt, dass ich mich als Betreuerin der Abgeordneten sehe. Das hat für Gelächter gesorgt. Man ist der Manager der Fraktion, bereitet die Sitzungen vor mit den Kollegen der anderen Fraktionen. Zu überlegen, wie wir uns gegenüber der Regierung verhalten, auch das ist meine Aufgabe. Und: viel Büro, viel Schreibtisch, Ansprechpartner sein, auch kleinere Konflikte lösen. Verbindlichkeit ist wichtig, sich nicht aus der Ruhe bringen lassen. Ich bin von Natur aus eher ruhig, das hilft mir.

Nach der Wahl ist vor der Wahl. Auf welche Themen setzen Sie?

Wir müssen deutlich machen, was gebraucht wird. Vieles kann man in Duisburg deutlich machen. Städte wie unsere haben bei dieser Landesregierung keine Lobby. Das sieht man jetzt bei der geplanten Casino-Privatisierung. Ich bin Verfechterin eine starken Staates, dort wo es sinnvoll ist. Bei den Themen schießen wir derzeit noch etwas breit, aber das Thema Bildung liegt auf der Hand. Die Debatten um Inklusion und G8/G9 haben wir zu lange laufen lassen. Außerdem das Thema „Starker Staat“: Polizei und Innere Sicherheit. Und die Frage: Was sind öffentliche Aufgaben? Für Duisburg und das Ruhrgebiet ist die Frage des Strukturwandels natürlich auch noch wichtig.

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