Duisburger Akzente

„Romeo und Julia“ kommen mit ganz eigenem Soundtrack

Die Inszenierung von Kevin Barz (links) geht sozusagen Hand in Hand mit dem Soundtrack von Paul Brody.

Die Inszenierung von Kevin Barz (links) geht sozusagen Hand in Hand mit dem Soundtrack von Paul Brody.

Foto: Tamara Ramos

Duisburg.   Für Kevin Barz’ Duisburger Shakespeare-Inszenierung hat der US-amerikanische Klangkünstler Paul Brody den Sound komponiert.

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Wenn zur Eröffnung des Akzente-Theatertreffens am Samstag, 16. März, um 19.30 Uhr die Premiere von „Romeo und Julia“ über die große Bühne des Stadttheaters geht, erlebt das Publikum eine Inszenierung, die auf einem ungewöhnlich engen Zusammenspiel von Regie und Musik beruht. Für seine Inszenierung des wohl berühmtesten Liebesdramas der Welt hatte sich Regisseur Kevin Barz Musiker Paul Brody gewünscht. Der US-amerikanische Klangkünstler, der in Berlin lebt, entwickelt seine Kompositionen aus Sprachmelodien. Barz, der im Jugendclub „Spieltrieb“ seine ersten Theaterschritte gemacht hat und jetzt seine fünfte Regie-Arbeit vorstellt, hatte Brody als Trompeter in den Münchner Kammerspielen gehört und mit ihm seine Abschlussarbeit an der Otto-Falckenberg-Schule für darstellende Kunst entwickelt. Für Barz’ Stück „Saal 600“ über die Nürnberger NS-Kriegsverbrecherprozesse entwickelte Brody seine Musik auf der Basis der aufgezeichneten Aussagen von vier Angeklagten.

Jetzt hat er sich für den Sound zu Shakespeares „Romeo und Julia“ sowohl sehr frühe historische Aufnahmen von englischen Inszenierungen angehört, in denen die Schauspieler den Text noch mit Pathos deklamierten, als auch Aufnahmen mit jungen Schauspielern, um auch das heute im Globe-Theater gesprochene Shakespeare-Englisch im Ohr zu haben. Die Entwicklung vom gesprochenen Wort zu Melodie „ist mein Sandkasten“, sagt Brody, für den „dieses Projekt ein Traum ist“. Wurde er doch nicht erst angesprochen, als zur Inszenierung noch Musik kommen sollte, sondern Barz hatte ihm mit den Worten „schreib’ einfach“ freie Hand gelassen und damit die Hierarchie auf den Kopf gestellt. Brody entschloss sich zu einer Komposition für ein Kammer-Ensemble, in der das historische Streichinstrument Viola d’amore den dunklen Ton der altmodischen Shakespeare-Sprache übernimmt. Am anderen, rockigen Ende begleitet die E-Gitarre den großen Schlussmonolog Romeos ins Grab.

Musik als Gerüst für die Schauspieler

Brodys Musik bildet ein Gerüst für die Schauspieler, soll aber den Spielimpuls nicht unterdrücken, sagt Barz. Grundidee für seine Inszenierung ist, nicht nur den Familienkonflikt zwischen den beiden verfeindeten Familien Capulet und Montague zu zeigen, sondern auch, wie diese Feindschaft stets an die jüngere Generation weitergegeben wird. Und er will die Geschlechterfrage aufwerten. Darum gibt es nicht einen Romeo und eine Julia, sondern sie sind jeweils dreifach besetzt und tauchen auch zu dritt auf der Bühne auf. Dabei geht es auch um die Möglichkeit einer weltoffenen Liebe, die sich gegen Hass und Krieg stellt.

Bei dieser ersten „Spieltrieb“-Produktion, die auf die große Bühne kommt, wirken 21 Darsteller des Jugendclubs mit, dazu sind die Profi-Schauspieler Katharina Böhrke, Stephanie Gossger, Kai Bettermann und Matthias Matz dabei.

In dieser Saison noch sechs Vorstellungen

Paul Brodys Album „Hinter allen Worten“ mit Meret Becker, Jelena Kuljić und Clueso war auf der Bestenliste des Deutschen Schallplattenpreises.

Eine Einführung in das Stück gibt es um 19 Uhr im Opernfoyer, um 19.30 Uhr beginnt die Premiere. Die nächste Vorstellung ist am 21. März. Info: www.theater-duisburg.de.

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