Architektur

Rheinhauser Brückenturm wird zum Feriendomizil

Der Schutt am Rheinhauser Rheinufer verrät, dass es voran geht mit dem Bau der Ferienwohnung im historischen Ambiente.

Der Schutt am Rheinhauser Rheinufer verrät, dass es voran geht mit dem Bau der Ferienwohnung im historischen Ambiente.

Foto: Volker Herold / FUNKE Foto Services

Duisburg-Rheinhausen.  Die Arbeiten am Brückenkopf aus der Kaiserzeit haben begonnen: Der Bunker zwischen den Türmen wurde abgerissen. Eigentümer ist ein Privatmann.

Überrascht war einer unserer Leser aus Friemersheim, als er neulich am Rheinufer spazieren ging. Mitten im Landschaftsschutzgebiet rollten plötzlich mit Schutt beladene Laster über das begrünte Rheinvorland. Auf der Suche nach der Ursache, entdeckte der Friemersheimer, der seinen Namen nicht in der Zeitung lesen mag, dass sich am Brückenkopf der alten Eisenbahnbrücke etwas tut. „Jetzt auf einmal gibt es da große Bautätigkeit“, berichtete der Anrufer.

Tatsächlich – wie auf dem aktuellen Foto unseres Fotografen Volker Herold zu sehen ist, wurde der Bunker frisch abgerissen. Der hatte auf dem Gebäudeteil zwischen den beiden Türmen gestanden. Schon lange ranken sich geheimnisvolle Gerüchte um die Zukunft des markanten Bauwerks, das seit 2014 einem Privatmann gehört. Dieser ist bisher nicht öffentlich als Turmbesitzer aufgetreten.

Bekannt ist aber, dass er in den lange nur von Vögeln bewohnten Türmen eine Ferienwohnung errichten möchte, die rein privat genutzt werden soll. „Es ist richtig, dass im Brückenkopf der alten Eisenbahnbrücke Ferienwohnungen errichtet werden sollen, ein entsprechender Bauantrag wurde genehmigt“, bestätigt Stadtsprecherin Susanne Stölting, die für Einzelheiten an den Bauherren verweist.

Dieser mag sich seit Jahren öffentlich nicht äußern, dennoch ist einiges bekannt. Im Sommer vor zwei Jahren stellte der Krefelder Architekt für historisches Bauen, Stephan Strauß, gemeinsam mit dem Landschaftsarchitekten Harald Schollmeyer einen Teil der Planung für den Turm aus dem Jahr 1873 in der öffentlichen Sitzung des Beirates bei der Unteren Naturschutzbehörde vor. Denn da das Gelände im Landschaftsschutzgebiet liegt, musste sich der Bauherr nicht nur mit dem Denkmalschutz, sondern auch mit den Naturschützern auseinandersetzen.

Die Vögel müssen ausziehen

Dort, wo bisher Vögel ins Innere hineinflattern konnten, wird künftig Glas sein. Auch der im Zweiten Weltkrieg zwischen den Türmen gebaute Bunker soll durch ein verglastes Element ersetzt werden. Und damit die Herrschaften, die das Feriendomizil „in größeren Intervallen am Wochenende bewohnen werden“ auch in ihre Gemächer hinauf kommen, soll in einer offenen Stahlkonstruktion an der Uferseite eine Treppe gebaut werden.Hier gibt es mehr Artikel aus dem Duisburger Westen

Das ist nötig, denn der Eingang befindet sich in luftigen zwanzig Metern Höhe – bisher noch ohne Treppe. Mit den Stufen allein ist es allerdings nicht getan. Da die Urlauber mit ihrem Gepäck wohl nicht über die Wiese stiefeln möchten und da wegen des Brandschutzes auch eine Zufahrt für die Feuerwehr nötig ist, soll ein Weg durch das Landschaftsschutzgebiet Rheinhauser Ward gebaut werden. Geplant sind auch zwei Parkplätze an der Zufahrt zur Osloer Straße. Damit die nicht von Unbefugten genutzt werden, soll es eine Absperrung geben.

Bei Hochwasser stehen die Türme mitten im Rhein

Details zu den Plänen für das Innere des Turmes wollte das Architekturbüro auf Nachfrage nicht erzählen. Die Architekten kündigten die Realisierung des Projektes „Historischer Brückenkopf“ damals für den Zeitraum 2018/19 an. Nun scheint es was zu werden.

Der Beirat konnte sich vor zwei Jahren mit dem Eingriff in die Natur übrigens anfreunden, da als Ausgleich Sträucher gepflanzt, Gräser und Kräuter gesät werden und der Parkplatz entsiegelt wird. Und: Auch für die Vögel, die aus dem Turm ausziehen müssen, gibt es eine Alternative. Turmfalke, Steinkauz, Fledermäuse und Dohlen bekommen „Ersatznistkästen“.

Bleibt noch die Frage, wie die Turmbesitzer bei Hochwasser in ihre Gemächer kommen. Dann stehen die Türme nämlich knietief im Rhein. Über eine Bootsanlegestelle ist noch nichts bekannt.

>>> 2014 wurde der alte Brückenkopf versteigert

Im Dezember 2014 hat sich ein Privatmann bei der Versteigerung des Brückenbaus aus der Kaiserzeit offenbar ein Weihnachtsgeschenk gemacht. 30 000 Euro soll das Gemäuer gekostet haben. Eine Summe, die offiziell nicht bestätigt wurde. Fest steht aber, dass das Mindestgebot bei der Auktion in Köln bei 17 000 Euro lag. Mit dem Turm kam auch noch ein 9400 Quadratmeter großes Grundstück unter den Hammer. Eines, das wohlbemerkt bei Hochwasser in den Fluten des Rheins versinkt.

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