Arbeit & Sicherheit

Retter lernen klettern: Hilfe für in der Höhe Verunglückte

Ausbilder Milan Dukanovic von der Duisburger Firma Work Safety befestigt Kletterseile am Moerser Förderturm, die die Kursteilnehmer später zum Aufstieg nutzten.

Ausbilder Milan Dukanovic von der Duisburger Firma Work Safety befestigt Kletterseile am Moerser Förderturm, die die Kursteilnehmer später zum Aufstieg nutzten.

Foto: Volker Herold

Duisburg.   Eine Duisburger Firma bietet Lehrgänge und Fortbildungen für Notärzte, Rettungssanitäter oder Feuerwehrleute an. Das Ziel: schnelle Hilfe.

Als Notärztin in einem Duisburger Stahlkonzern hat Nicole Förster schon einige Extremsituationen miterleben müssen. „Es gibt nichts Schlimmeres, als jemanden vor Schmerzen schreien zu hören“, erzählt die 38-Jährige aus Erfahrung. Dann will sie nur noch eines: so schnell wie möglich helfen. Weil manche Mitarbeiter in extremen Höhen oder Tiefen verunglücken, hat sich Förster in einem Lehrgang gemeinsam mit anderen Notärzten, Berufsfeuerwehrleuten und Notfallsanitätern in punkto Höhenrettung fortgebildet. Die Duisburger Firma Work Safety bietet Kurse wie diesen an.

Firma vor drei Jahren gegründet

Vor drei Jahren haben Milan Dukanovic und Rafael Stas ihre Firma mit Sitz im Nord-Stadtteil Overbruch gegründet. Dukanovic arbeitet im Berufsalltag selbst bei einer Werkfeuerwehr, die Gründung von Work Safety bedeutete für ihn ein zweites berufliches Standbein. An 60 bis 80 Tagen pro Jahr bietet das Duo Schulungen, Unterweisungen und Kurse an – nicht nur zum Thema Höhenrettung, sondern auch zum Atem- und Brandschutz. „Wir leiten die Kurse selbst, holen aber auch weitere Spezialisten als Ausbilder hinzu“, verrät Dukanovic.

An dem zehntägigen Kurs namens SRHT (Spezielle Rettung aus Höhen und Tiefen) nehmen acht Interessierte teil. Schulungsort an diesem sonnigen Juli-Vormittag ist der Förderturm von Schacht 4 der Zeche Rheinpreußen in Moers. Die Teilnehmer haben sich in ihre Schutzmontur geworfen, die neongelben Sturzhelme leuchten in der Sonne. Gerade üben sie unter Anleitung das Auf- und Absteigen am Seil. „Etwa 70 Prozent sind Praxisübungen, 30 Prozent sind Theorie“, sagt Dukanovic mit Blick auf den Schulungsplan.

Ihre Basisstation, wo auch der theoretische Unterricht stattfindet, hat die Gruppe in der Jugendherberge des Landschaftsparks Nord in Meiderich aufgeschlagen. Von dort aus geht es für die praktischen Kletterübungen hinaus ins Freie – etwa zur Henrichshütte nach Hattingen, zum Tetraeder in Bottrop oder zu besagtem Förderturm in Moers. „Wir wollen heute üben, wie die Retter zu schwer zugänglichen Verletzten vordringen können“, beschreibt Dukanovic (37) die Tagesaufgabe. Das ist wichtig. Denn in solchen Fällen zählt jede Minute. „Wenn der Notarzt oder Ersthelfer in der Lage ist, einen Verunglückten in großer Höhe oder Tiefe selbst zu erreichen und nicht auf andere Höhenretter warten muss, dann kann er ihm schneller Schmerzmittel verabreichen und ihn transportfertig machen“, nennt Dukanovic den wichtigsten Grund zum Erlernen dieser Kenntnisse.

Rettung eines Kranführers

„Wir hatten neulich den Fall, dass ein Kranführer in 52 Metern Höhe Kreislaufprobleme bekommen hat und nicht mehr selbstständig herunterkommen konnte“, erinnert sich Notärztin Nicole Förster. Über die Steigleiter gelangten die kletternden Retter zu ihm und machten ihn transportfertig. All das will Förster bald auch beherrschen.

>>>> FORTBILDUNG IST WICHTIG

Nicht jeder Arbeitgeber erkennt gleich die Bedeutung solcher Fortbildungskurse, weiß Work-Safety-Gründer Dukanovic aus Erfahrung. „Sicherheit lässt sich nun einmal schwer greifen. Wir müssen den Entscheidern immer wieder klar machen, dass unsere Schulungen für die Mitarbeiter den finanziellen Aufwand wert sind.“

Zehntägige Kurse wie dieser kosten eine vierstellige Summe. „Wir hoffen, dass unsere Branche ein anderes Verständnis als bisher für diese Problematik entwickelt“, so Dukanovic.

Leserkommentare (0) Kommentar schreiben