Mafia

Mafia-Razzia: Inhaber des Eiscafés in Duisburg festgenommen

Polizisten haben am Mittwoch ein Eiscafé im Citypalais in der Innenstadt durchsucht.

Polizisten haben am Mittwoch ein Eiscafé im Citypalais in der Innenstadt durchsucht.

Foto: Christoph Reichwein, dpa

Duisburg.  Bei einer Razzia gegen die 'Ndrangheta durchsuchen Spezialeinsatzkräfte ein Eiscafé in der Duisburger City. Der Inhaber wird festgenommen.

Wer auf dem Weg zur Arbeit einen Kaffee im City-Palais holen will, guckt am Mittwoch in vermummte Polizisten-Gesichter. Zwischen Kaffeemaschine und Getränkekühlschrank stehen mehrere schwer bewaffnete Beamte und Zivilfahnder, während von außen die Weihnachtsbeleuchtung friedfertig funkelt.

Die schwer bewaffneten Beamten sind Teil einer konzertierten Aktion: In Deutschland, Italien, Belgien und den Niederlanden sind Polizisten gleichzeitig gegen mutmaßliche Mitglieder der italienischen Mafia-Organisation 'Ndrangheta vorgegangen. Im Rahmen der "Operation Pollino" hat es auch Durchsuchungen in Duisburg gegeben, neben dem Café drei Wohnungen.

Mafia-Razzia: 4 Tonnen Kokain und 140 Kilo Ecstasy gefunden Bei der Aktion wurde der Inhaber des Eiscafés festgenommen. Dem 40-Jährigen wird nach Angaben der Staatsanwaltschaft Drogenhandel vorgeworfen sowie die "Mitgliedschaft in einer ausländischen kriminellen Vereinigung". Außerdem wurden drei Wohnungen in Duisburg durchsucht, dabei sollten vor allem Beweismittel sichergestellt werden.

Behörden ermitteln seit 2016 gemeinsam

Horst Bien, Leitender Oberstaatsanwalt aus Duisburg, erklärte bei einer internationalen Pressekonferenz am Mittag in Den Haag, dass die Behörden seit August 2016 gemeinsam wegen bandenmäßigem Handel mit Betäubungsmitteln, Geldwäsche und Mitgliedschaft in der Mafia gegen einen großen Personenkreis ermitteln.

"In Deutschland wurden bei der Razzia am Mittwochmorgen 47 Beschuldigte strafverfolgt. Heute wurden 65 Objekte durchsucht, ein Schwerpunkt war in NRW, betroffen waren aber auch andere Bundesländer. 14 Personen wurden in Deutschland festgenommen, hinzu kommen sechs Vermögensarreste in Höhe von fünf Millionen Euro. Schwerpunkte gab es in Köln und Aachen", bilanziert Bien und fügt hinzu: "Die Aktion war ein großer Erfolg".

Festgenommene sollen zu Fuß ins benachbarte Gericht gebracht worden sein

Mitgliedern der kalabrischen Organisation werden die sogenannten "Mafia-Morde" zugeschrieben: 2007 wurden sechs Mafia-Mitglieder vor der Pizzeria Da Bruno erschossen. Über den Fall wird aktuell ein Film gedreht mit Unterstützung der echten Ermittler von damals und Heino Ferch in der Hauptrolle.

Vor dem City-Palais erzählen sich Passanten, die anderswo ihren Kaffee bekamen, dass Menschen an diesem Morgen festgenommen und zu Fuß gegenüber ins Amtsgericht gebracht wurden. "Das ist die Politik der kurzen Wege", frotzelt einer. Ansonsten verlief die Razzia in Duisburg relativ geräuschlos. Manche Geschäftsinhaber gegenüber des Eiscafés machen erst auf, als der Einsatz schon fast abgeschlossen ist, haben nicht mal die Polizisten im Halbdunkel bemerkt.

Schon vergangene Woche Montag blieb das Eiscafé über Stunden wegen einer Kontrolle des Finanzamtes geschlossen. Am Mittwoch ist dem Eiscafé gegen Mittag schon nichts mehr anzumerken von dem morgendlichen Polizeibesuch: Es läuft der normale Betrieb.

Hintergründe zur Razzia und der 'Ndrangheta

Aus dem Landeskriminalamt NRW wird bestätigt, dass ein Gebäude in Solingen durchsucht wurde. Dort hat es ersten Informationen zufolge ebenfalls eine Festnahme gegeben. Bei der Razzia hat die Polizei einen der mutmaßlichen Haupttäter verhaftet. Der 45 Jahre alte Gastwirt sei am frühen Morgen in Pulheim bei Köln von den Ermittlern aus dem Schlaf gerissen worden, sagte ein Polizeisprecher am Mittwoch. Der Besitzer einer Osteria werde der Mitgliedschaft in einer kriminellen Organisation beschuldigt, außerdem soll er beteiligt gewesen sein an "Kokainhandel in sehr, sehr umfangreichen Maße".

Auch international habe es zahlreiche Festnahmen und Beschlagnahmungen gegeben. Die Rede ist von 90 Festnahmen in Europa und Südamerika. Das sei das Ergebnis "der intensiven gemeinsamen Ermittlungsarbeit, die im Jahr 2016 begann und europaweit koordiniert wurde", heißt es in einer Pressemitteilung von Eurojust (Einheit für justizielle Zusammenarbeit der Europäischen Union).

Laut "Spiegel Online" waren allein in Deutschland 240 Beamte des BKA und 200 Polizisten der Bundespolizei im Einsatz, darunter Spezialkräfte der Antiterroreinheit GSG 9. Hinzu kommen Hunderte Beamte der Landespolizeibehörden.

Mafia-Morde von Duisburg gehen auf das Konto der 'Ndrangheta

Die kalabrische 'Ndrangheta gilt inzwischen als die mächtigste italienische Mafia-Organisation. Sie dominiert den Drogenschmuggel nach Europa und ist auch in Deutschland aktiv. So gingen die Mafia-Morde von Duisburg auf ihr Konto. Im August 2007 waren dort vor einer Pizzeria sechs Menschen erschossen worden. Ein Streit zwischen dem Pelle-Vottari-Clan und dem Strangio-Nirta-Clan war der Auslöser für die Bluttat.

In Nordrhein-Westfalen spielt die Organisation dennoch keine herausragende Rolle unter den organisierten Kriminellen. In 214 Verfahren aus diesem Spektrum, die zwischen 2012 und 2016 in den Polizeibehörden des Landes bearbeitet wurden, gab es nur in zehn Fällen überwiegend italienische Tatverdächtige. Das geht aus einer Antwort von NRW-Innenminister Herbert Reul (CDU) auf eine Anfrage aus der SPD-Landtagsfraktion hervor.

Insgesamt zählt die Polizei in NRW etwa 120 Personen zum Spektrum "Italienische Organisierte Kriminalität" (IOK). Sie werden vor allem den mafiösen Organisationen der 'Ndrangheta, Cosa Nostra sowie in geringerem Umfang der Camorra und der apulischen organisierten Kriminalität zugerechnet. Aufgefallen sind sie vor allem wegen Umsatzsteuerhinterziehung, Drogenhandel und -schmuggel sowie das "Verschieben" von Autos ins Ausland. (mit dpa)

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