Nahverkehr

Ratinger Weststrecke: Was die Planung für Pendler bedeutet

100.000 Menschen pendeln täglich aus oder nach Duisburg zur Arbeit. Die Ratinger Weststrecke soll ihnen bald das Pendeln erleichtern.

100.000 Menschen pendeln täglich aus oder nach Duisburg zur Arbeit. Die Ratinger Weststrecke soll ihnen bald das Pendeln erleichtern.

Foto: Christoph Schmidt / dpa

Duisburg.  Pendler dürfen sich auf die Ratinger Weststrecke freuen: Haltestellen der neuen S-Bahn-Linie sollen mit selbstfahrenden Bussen angebunden werden.

Schneller soll die Ratinger Weststrecke kommen, deshalb übernimmt Duisburg zusammen mit den anderen Anrainerstädten die Planung nun selber, statt sie der Deutschen Bahn zu überlassen. Das hat der Rat am Montagabend beschlossen. Das bedeutet der derzeitige Stand der Planung für die Pendler in und um Duisburg.

Gut 1,2 Millionen Menschen leben in den Duisburg, Düsseldorf und Ratingen. Das sind mehr als 2200 Einwohner pro Quadratkilometer, hat IT.NRW errechnet – mehr als das Vierfache der Bevölkerungsdichte im Bundesland NRW. Alleine Duisburg zählt mehr als 100.000 Ein- und Auspendler auf ihrem täglichen Weg zur Arbeit. Deren Zahl dürfte weiter zunehmen, davon sind die Autoren der Machbarkeitsstudie überzeugt. Aber: Nur 23 Prozent der täglichen Wege legen die Menschen mit dem Öffentlichen Nahverkehr (ÖPNV) zurück.

Ratinger Weststrecke soll 60.000 Auto-Kilometer pro Tag auf den ÖPNV verlagern

Das soll die Wiederbelebung der Ratinger Weststrecke ändern. Über 60.000 Kilometer, die sonst jeder für sich mit dem Auto fährt, könnte sie auf den ÖPNV verlagern – pro Werktag. Das entspricht 13,9 Millionen Kilometern eingesparter Autokilometer pro Jahr und ist gut für die Umwelt: Bis zu 2048 Tonnen klimaschädliches Kohlendioxid können die neuen ÖPNV-Wege pro Jahr einsparen.

Diese Ersparnis hat ihren Preis: 131,1 Millionen Euro soll die Variante 1b kosten, deren Planung die beteiligten Städte selber übernehmen wollen. Es ist die teuerste der vier Varianten, die in der Machbarkeitsstudie durchgerechnet werden. Und: Es ist die Variante, deren Wirtschaftlichkeit am knappsten über der Grenze von 1,0 liegt – über diesem Wert gilt ein Projekt als volkswirtschaftlich rentabel. Mit 1,18 liegt die teuerste Variante relativ knapp über dieser Marke.

Das soll sich durch die Ratinger Weststrecke für Duisburger ändern

Das soll sich durch die neue Ratinger Weststrecke ändern:

  • Linienführung. Es wird eine neue Linie S 61 geben, die von Duisburg über Wedau zum Düsseldorfer Hauptbahnhof im 20-Minuten-Takt verkehrt. Kombiniert wird sie mit der neuen Linie S 81 von Wuppertal-Vohwinkel nach Solingen. Beide Linien zusammen ersetzen die bisherige S 68.
  • Haltestellen. Duisburg bekommt zwei neue Haltepunkte: Sportpark Nord und Wedau. Für den Sportpark Nord sind zwei Lagen denkbar: an der Kruppstraße südlich der Überführung oder am Sternbuschweg, jeweils angebunden an die Buslinie 939. Dieser Haltepunkt soll zwei Seitenbahnsteige bekommen. Die Wedauer Haltestelle soll am Worringer Weg entstehen und durch die Buslinien 928 und 942 angeschlossen werden. Hier ist ein Mittelbahnsteig vorgesehen.
  • Gleise. Zwischen Duisburg Hauptbahnhof und -Wedau wird die Ratinger Weststrecke Gleise nutzen, die im Rahmen des Rhein-Ruhr-Express errichtet werden: In diesem Zuge wird die Strecke Düsseldorf-Duisburg sechsgleisig ausgebaut. Im Streckenabschnitt Wedau muss die südliche Einfahrt des Güterbahnhofs so umgebaut werden, dass ein zusätzliches Gleis hinpasst.

Ratinger Weststrecke soll Duisburg ÖPNV in die Zukunft führen

Weitere Vorschläge aus der Machbarkeitsstudie stellen klar: Die Ratinger Weststrecke soll mehr sein als nur eine weitere Zugverbindung. Durch sie soll der ÖPNV in und um Duisburg herum zukunftstauglich gestaltet werden:

  • Selbstfahrende Kleinbusse sollen die bestehenden Taxibusse und Anruf-Sammeltaxiangebote als Zubringer zu den Haltestellen der Ratinger Weststrecke ersetzen, „sobald das automatisierte Fahren den Stand der Technik darstellt“, heißt es in der Machbarkeitsstudie. Die Autoren rechnen mit dem Jahr 2030. In Duisburg nennen sie explizit die Haltestelle Wedau: Hier sollten ein bis drei der selbstfahrende Busse in einem Einzugsgebiet von etwa zwei Kilometern um den Haltepunkt herum alle Menschen dorthin bringen, die in die neue S-Bahn-Linie einsteigen wollen.
  • Car-Sharing-Angebote sollen ebenfalls Standard sein, insbesondere in den noch zu entwickelnden Wohngebieten entlang der Strecke wie 6-Seen-Wedau. Sie sollten in die Wohngebiete dezentral und stationsbasiert integriert werden.
  • Fahrradstationen an den Haltestellen sollen zusätzlich Bike-Sharing ermöglichen.

260.000 Euro lässt sich Duisburg seine Beteiligung an der Planung für die Ratinger Weststrecke kosten. Auf diese Weise soll die Zukunft des Nahverkehrs schneller beginnen.

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Die Ratinger Weststrecke ist 27 Kilometer lang. 15,6 Kilometer davon müssen für den Personenverkehr neu errichtet werden.

Außer zwischen Düsseldorf Hauptbahnhof und Düsseldorf-Rath fährt auf der Strecke nur Güterverkehr. Im Durchschnitt verkehren auf der Strecke bis zu drei Güterzüge pro Stunde und Richtung – 55.000 Güterzüge pro Jahr.

Laut Machbarkeitsstudie braucht die Ratinger Weststrecke zwischen Duisburg und Düsseldorf-Rath eine eigene Strecke, die komplett von der Strecke für den Güterverkehr getrennt sein muss.

Die Beteiligung an der interkommunalen Planung der Ratinger Weststrecke kostet Duisburg gut 260.000 Euro.

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