Nahverkehr

Ratinger Weststrecke: Jetzt wollen die Städte selber planen

Das Neubauprojekt 6-Seen-Wedau in Duisburg wird von der Reaktivierung der Ratinger Weststrecke profitieren – allerdings erst nach seiner Fertigstellung.

Das Neubauprojekt 6-Seen-Wedau in Duisburg wird von der Reaktivierung der Ratinger Weststrecke profitieren – allerdings erst nach seiner Fertigstellung.

Foto: Hans Blossey

Duisburg.  Die Deutsche Bahn plant den Städten nicht schnell genug, daher planen sie die Ratinger Weststrecke jetzt selbst. Dafür wollen sie Geld ausgeben.

Damit die Ratinger Weststrecke auch wirklich kommt, und das möglichst schnell, wollen die beteiligten Städte die Umsetzung jetzt selber vorantreiben. Die Deutsche Bahn ist ihnen dabei nicht schnell genug, deshalb nehmen sie das Projekt selber in die Hand – und dafür auch Geld.

Ratinger Weststrecke auch über Duisburg wird mehr als 100 Millionen Euro kosten

Mehr als 100 Millionen Euro Investitionskosten, aber dafür mehr als 1,5 Millionen Autofahrten zwischen Duisburg, Ratingen und Düsseldorf, die durch Zugverkehr ersetzt werden dürften: Die Machbarkeitsstudie zur Ratinger Weststrecke lieferte beeindruckende Zahlen. Allerdings: Bis zur Umsetzung dauert es noch, und genau die soll jetzt ein Lenkungskreis der beteiligten Städte beschleunigen.

Das Problem: Wegen der Bauarbeiten für den RRX ist ein durchgehender Ausbau der Ratinger Westbahn zur Strecke für den Personenverkehr „faktisch nicht vor 2030 möglich“, so die Stadt Ratingen. „Mindestens bis dahin wird die Bahn die Weststrecke als Umleitung benötigen, wenn für den Vollbetrieb des RRX die Hauptstrecke zwischen Düsseldorf und Duisburg über den Flughafen um bis zu zwei Gleise erweitert wird.“ Die reaktivierte Ratinger Weststrecke soll unter anderem Wedau und Bissingheim mit dem Neubauprojekt 6-Seen-Wedau an den Schienenverkehr anschließen.

Die Städte, die jetzt zur beschleunigten Planung zusammenarbeiten wollen, befürchten: Überlassen sie die Planung der Bahn, wird nicht nur der Ausbau der Weststrecke erst nach Fertigstellung des RRX beginnen, sondern auch deren Planung. Deshalb „wollen wir alle Planungsschritte, die irgend möglich sind, vorab in Eigenregie mit unseren Partner und natürlich in enger Abstimmung mit der Bahn vornehmen“, sagt der Ratinger Planungsdezernent Jochen Kral. Das Ziel: Sobald die Deutsche Bahn die Strecke nicht mehr als Umleitung für den RRX-Gleisbau braucht, soll der Ausbau der Ratinger Weststrecke beginnen.

Deutsche Bahn hat wegen des RRX keine Zeit für die Planung der Ratinger Weststrecke

Duisburg, Düsseldorf, Ratingen, der Kreis Mettmann und der VRR sollen dem Lenkungskreis angehören. Sie sollen die Weichen stellen, um die sich laut Stadt Ratingen die Deutsche Bahn derzeit nicht kümmern kann: „Eigentlich wäre das Aufgabe der Deutschen Bahn AG, deren regionale Planungskapazitäten sind jedoch vollständig durch den Rhein-Ruhr-Express und den Ausbau der Strecke Oberhausen-Arnheim gebunden.“

3,5 Millionen Euro kosten die nächsten Schritte der Weichenstellung auf dem Weg zur Umsetzung der neuen, alten Schienenverbindung. Geld, das laut Ratingen eigentlich die Deutsche Bahn übernehmen würde. „Doch von dort ist zurzeit nichts zu erwarten.“ Stattdessen hat der VRR in Aussicht gestellt, 50 Prozent der Kosten zu übernehmen.

Duisburg muss für die Planung der Ratinger Weststrecke 260.500 Euro zahlen

Sollte das so kommen, reduzieren sich die Kosten der beteiligten Städte entsprechend. Duisburg müsste sonst 585.000 Euro zahlen: genau wie Düsseldorf 15 Prozent von den 3,5 Millionen Euro; Ratingen und der Kreis Mettmann je zehn Prozent. Außerdem fallen Beratungsleistungen in Höhe von 200.000 Euro an. Der Duisburger Anteil hieran soll 30 Prozent betragen, also 60.000 Euro.

Einen entsprechenden Ratsbeschluss hat Ratingen bereits gefasst. Er soll gleichlautend auch in den übrigen Städten verabschiedet werden. In Duisburg entscheidet der Rat am 15. Juni.

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