Radschnellwegt RS1

Radschnellweg RS1 in Duisburg: Baustart rückt in Sichtweite

So soll der Radschnellweg RS1, hier das bereits fertige Teilstück zwischen Mülheim und Essen, ab Frühjahr 2022 auf 6,1 Kilometern auch durch Duisburg ausgebaut werden.

So soll der Radschnellweg RS1, hier das bereits fertige Teilstück zwischen Mülheim und Essen, ab Frühjahr 2022 auf 6,1 Kilometern auch durch Duisburg ausgebaut werden.

Foto: Foto: RVR

Duisburg.  Nach langem Stillstand kommt Bewegung in die Planung des Radschnellwegs RS1 in Duisburg. Der erste Abschnitt soll Ende 2022 befahrbar sein.

Wann der Radschnellweg RS1 auf seinem 6,1 Kilometer langen Duisburger Teilstück die Mülheimer Stadtgrenze mit der Hochfelder Eisenbahn-Rheinbrücke verbindet, ist noch ungewiss. Doch wenigstens für den Abschluss des ersten Bauabschnitt bis zur Koloniestraße nennen die Planer nach langem Stillstand nun ein realistisches Ziel. „Bis Ende 2022 sollten wir damit fertig sein“, sagt Axel Brenner, Sachgebietsleiter im Planungsamt der Stadt.

Weil weder das städtischen Planungsamt noch der Landesbetrieb Straßen.NRW aus Personalmangel das Projekt vorantreiben konnten (s. Info), gab’s zwei Jahre Stillstand. „Damit muss sich jemand den ganzen Tag beschäftigen, aber den haben wir nicht“, sagt Brenner. Mit externer Hilfe geht’s nun voran. NRW.Urban, das Unternehmen des Landes für Stadtentwicklung, wickelte Ausschreibung und Vergabe der Planungsleistungen ab, den Zuschlag bekam das Essener Büro Afry. Das soll nun „möglichst nah an der Machbarkeitsstudie eine gradlinige und kreuzungsfreie Trasse planen“, sagt Brenner.

Straßen, Tunnel und Brücken kommen in Duisburg dem Radschnellweg in die Quere

Leichter gesagt, als getan, angesichts eines Dickichts von Straßen, Tunneln und Brücken, die dabei zu über- und unterqueren sind. Am leichtesten fällt das noch ab der Stadtgrenze zu Mülheim: Hier geht’s durch den Stadtwald entlang der Bahnstrecke im Nachtigallental und über die A3, nur an einer Stelle muss die Trasse durch einen Tunnel unter den Gleisen durch. „Dabei prüfen wir auch die Reststandzeiten der Brücken“, erklärt Brenner. Das mache Sinn, damit der RS1 nicht kurz nach Freigabe wieder wegen einer Sanierung geschlossen werden müsse.

Energieleitung der Bahn an der Brücke Koloniestraße wird zum Hindernis

Erstes echtes Hindernis stellt sich gleich zu Beginn des zweiten Bauabschnitts: Hier muss die Trasse die Eisenbahnbrücke über die Koloniestraße (Höhe Kruppstraße) das Gleisdreieck zu passieren. Zwar ist die Brücke breit genug, um Züge und Fahrräder darüber zu führen, problematisch ist eine Energieleitung der Bahn, die ebenfalls über das Bauwerk führt. Brenner: „Wir wissen noch nicht, ob sich das lösen lässt.“

Jenseits der Brücke könnte es über eine Rampe in eine neu zu bauende Unterführung des Güterbahngleises gehen. Sollte es damit Probleme geben, bleibt ein Schlenker durch die Strauß-Siedlung als Alternative auf Zeit. Danach verläuft die Trasse dann zwischen Friedhof Sternbuschweg und und Bahntrasse und schwenkt anschließend Richtung Einmündung Kalkweg/Sternbuschweg.

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Hier stellen sich mit fünf Gleisbücken, der A 59 und Düsseldorfer Straße die meisten Hinternisse in den Weg. „Ein richtiges Problem, eine sehr enge Situation“, nennt Axel Brenner diesen Bereich. „Das wird ein Verkehrsträger auf Fläche verzichten müssen, übrig bleibt da eigentlich nur das Auto.“ Immerhin: Die Unterquerung der Autobahn an der Südspitze des alten Güterbahnhofsareals ist unkritisch: Die A 59 ist an dieser Stelle aufgeständert.

Ab Ende 2022 von Neudorf bis nach Essen auf dem RS1

Danach haben die Planer wieder leichtes Spiel: Südlich von Hochfeld geht’s entlang der Bahntrasse bis zur Wanheimer Straße (Höhe „Pulp“/Rheinpark). Dort kann es am Haltepunkt Hochfeld-Süd über die vierspurige Straße und durch den Rheinpark gehen auf die letzten Meter bis zur alten Eisenbahnbrücke, die den Endpunkt des insgesamt gut 100 Kilometer langen RS1 markiert, der Duisburg mit Hamm verbindet.

RS1 in Duisburg: Der Zeitplan: So geht es nun weiter

Grundlagen-Ermittlung, Vorentwurfs- und Entwurfsplanung, die das Essener Planungsbüro Afry erstellt, werden ein knappes Jahr in Anspruch nehmen. Dann nimmt der Landesbetrieb Straßen.NRW, er wird künftig auch für den Betrieb des RS1 zuständig sein, eine „Linienbestimmung“ vor. Das ist ein Planungsbeschluss, der den Trassenverlauf endgültig festlegt.

Ausbauplanung, Ausschreibung und Vergabe der Aufträge für den ersten Duisburger Bauabschnitt könnten dann ab Herbst 2021 erfolgen, der Baustart im Frühjahr 2022, die Fertigstellung Ende 2022. Etwa zeitgleich soll in Mülheim ab Hochschule Ruhr-West bis zur Stadtgrenze Duisburg weitergebaut werden – damit könnte der RS1 ab Ende 2022 von Neudorf bis Essen durchgängig nutzbar sein, wenn es keine weiteren Verzögerungen gibt.

Abschnitte zwei und drei: Bau wohl nicht vor Ende 2023

Bis zu zwei weitere Jahre wird es wohl dauern, bis es mit den Abschnitten zwei und drei weitergeht. „Wenn ab Ende 2023 gebaut werden kann, wäre wir schon gut“, sagt Axel Brenner. Möglich, das schon mit dem Ende des 3. Abschnitts ab Rheinbrücke in Richtung Westen begonnen wird, ehe es an die kniffligen Bereiche zwischen Koloniestraße und Düsseldorfer Straße geht. „Es wird eine Bürgerbeteiligung geben, in der wir über die Planung informieren“, kündigt Axel Brenner an.

>> RADSCHNELLWEG RS1 IST EINE LANDESSTRASSE

  • Um die Anrainer-Städte zwischen Duisburg und Hamm von Betrieb, Unterhaltung und Instandhaltung des 100 Kilometer langen Radschnellweges zu entlasten, wurde er 2016 per Änderung des Straßen- und Wegegesetzes in den Rang einer Landesstraße gehoben.
  • Da sich Straßen.NRW mangels Personal nicht in der Lage sah, das Projekt voranzutreiben, wurde 2017 eine Planungsvereinbarung mit den Städten geschlossen. Dort mangelte es ebenfalls an Personal, deshalb holte sich nicht nur Duisburg externe Hilfe zunächst bei der landeseigenen NRW.Urban und dann bei Ingenieurbüros. Die Baukosten der Duisburger Trasse sollen sich laut Machbarkeitsstudie auf 32,4 Millionen Euro belaufen.
  • Ohne den zwischenzeitlichen Stillstand hätte es vorangehen können, wenn der Regionalverband Ruhr (RVR) mit der Planung dieses regionalen Radprojekts betraut worden wäre, glauben Fachleute. Das hätte auch die zahlreichen Abstimmungen erspart, die nun zwischen allen Städten und Straßen.NRW erforderlich sind.
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