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Prozess um totes Baby in Duisburg: Richter äußert Zweifel

Der Prozess um ein getötetes Baby in Duisburg-Rumeln hat begonnen.

Der Prozess um ein getötetes Baby in Duisburg-Rumeln hat begonnen.

Foto: Volker Hartmann / dpa

Duisburg.  Der Prozess gegen eine 36-jährige Mutter aus Duisburg, die ihr eigenes Baby erstickt haben soll, hat begonnen. Neues Gutachten wirft Zweifel auf.

„Totschlag“ – so lautet der Vorwurf, der gegen eine 36-jährige Duisburgerin erhoben wird. Sie soll im Dezember 2018 ihre gerade erst geborene Tochter in ihrer Wohnung in Rumeln erstickt haben, waren sich die Ermittler sicher, als sie die Frau anklagten. Schon zu Beginn des ersten Verhandlungstages am Mittwoch könnte der Prozess nun aber doch eine überraschende Wende nehmen. Grund dafür ist ein Gutachten, aus dem der Vorsitzende Richter zitierte.

Demnach gibt es Zweifel daran, ob das kleine Mädchen überhaupt gelebt hat, als es zur Welt kam, oder ob es eine Totgeburt war. Ein toxikologischer Befund, der erst sehr spät eingegangen sei, belege, dass der Säugling eine erhebliche, wohl sogar tödliche Menge Amphetamin-Reste im Organismus hatte.

Die Angeklagte, Mutter von drei weiteren Kindern, gab vor Gericht zu, dass sie regelmäßig Drogen konsumiert und die Schwangerschaft geheim gehalten habe. Sogar wenige Stunden vor der Geburt habe sie zusammen mit dem Kindsvater noch Drogen eingenommen. Ihr Lebensgefährte habe sie seinerzeit regelmäßig mit Drogen versorgt, so die 36-Jährige, die einen ruhigen und gefassten Eindruck machte.

Um die Frage zu klären, ob das kleine Mädchen bei seiner Geburt lebte, und ob die damals 35-Jährige es erstickt hat, werden noch weitere Gutachten im Laufe des Prozesses eine entscheidende Rolle spielen.

Anonymer Hinweise auf mutmaßliche Schwangerschaft

Entdeckt hatte die Polizei die Leiche des Mädchens im Zuge der Ermittlungen im Fall Mia. Zunächst gingen die Ermittler davon aus, dass es sich bei den toten Babys mutmaßlich um Zwillingsschwestern handelt. Zu nah lagen Ort und Zeitpunkt beieinander, als dass es sich auf den ersten Blick um zwei voneinander völlig unabhängige Fälle handeln könnte. Erst durch die wiederholte Bitte der Polizei an die Bevölkerung, Hinweise im Fall Mia dringend an die Ermittler zu melden, fand man die Babyleiche in der Rumelner Wohnung. Eine Person, die den dringenden Verdacht hatte, dass die nun Angeklagte schwanger gewesen sein musste, wandte sich letztendlich an die Polizei. Der Verdacht erwies sich bekanntermaßen als richtig.

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