Kriminalität

Waren aus chinesischen Zügen im Hafen Duisburg gestohlen

Tatort Logport in Rheinhausen: Hier haben 11 Beschäftigte von Logport über Jahre hinweg wertvolle Waren aus den Transport-Containern der Güterzüge der so genannten Seidenstraße gestohlen.

Tatort Logport in Rheinhausen: Hier haben 11 Beschäftigte von Logport über Jahre hinweg wertvolle Waren aus den Transport-Containern der Güterzüge der so genannten Seidenstraße gestohlen.

Duisburg/Chongqing.   Laptops, Drucker, Schuhe, Ventilatoren und Laubbläser: Elf Beschäftigte von Logport haben sich im großen Stil an Waren der Containerzüge bedient.

Fast wäre es zu diplomatischen Verstimmungen zwischen Duisburg und der chinesischen 32-Millionen-Einwohner-Region Chongqing gekommen. Der Polizeipräsident und Vize-Bürgermeister der Millionen-Metropole hatte der Duisburger Polizeipräsidentin und dem OB der Stadt zum Jahreswechsel bereits mahnend sein Kommen und den Wunsch nach Aufklärung angekündigt. Der Grund: Immer wieder wurden aus den Container-Zügen der so genannten „Seidenstraße“, die sich seit 2013 von China durch sechs Länder den Weg nach Duisburg bahnen, wertvolle Güter gestohlen.

Als dann die 14-köpfige Delegation aus China in der Karnevalswoche im Polizeipräsidium stand und um Aufklärung bat, wie es um die zahllosen Container-Aufbrüche an den Zügen der Seidenstraße stehe, konnte Polizeipräsidentin Elke Bartels den Gästen einen beachtlichen Ermittlungserfolg präsentieren.

Diebesgut über polizeibekannte Dealer verkauft

Elf Beschäftigte einer Logistikfirma auf dem Rheinhauser Logport-Gelände, davon acht Männer aus Duisburg, (die anderen aus Essen, Gelsenkirchen und Kamp-Lintfort) haben nach Erkenntnissen des Rheinhauser Kriminalkommissariates 35 und der Zollfahndung Essen mindestens seit Sommer 2017 rund um das Logport-Gelände Elektrogeräte aus Transportcontainern aus China gestohlen und über polizeibekannte Drogen-Dealer in Homberg wie auch über Ebay-Kleinanzeigen verkauft.

Im Sommer 2017 wurde die Polizei von der Logistikfirma aufmerksam gemacht, dass in den Zügen aus China immer wieder Container aufgebrochen sind und ganz offensichtlich Waren fehlen: Laptops, Drucker, Schuhe, Textilien, Ventilatoren und Laubbläser.

Bei ihren aufwendigen Ermittlungen wurde der Duisburger Polizei dann Schritt für Schritt klar, dass es sich um viele Diebesgruppen handeln musste - sehr viele Diebstähle wurden offenbar bereits in China nach dem Start des Zuges, aber dann auch in Russland, Kasachstan und Polen begangen. Aber glasklar war auch: Es muss auch Diebe in Rheinhausen am Endpunkt der Seidenstraße geben.

Angestellte wussten von Schwächen der Sicherung

Die Überprüfung der Sicherheitstechnik in Zusammenarbeit mit Duisport, Tatortanalysen, Spurensuche und die Sicherung von Spuren, die Auswertungen von GPS-Daten sowie von Funkzellendaten, Zeugenbefragungen und der Einsatz von Observationsteams führten im November 2018 dann zum Erfolg.

Eine Gruppe von elf Personen, allesamt Mitarbeiter von Logport, war mit den Ladeprozessen und der Sicherung - und somit auch mit den Schwachstellen der Sicherung der Container gut vertraut. „Das machte die Arbeit für die Ermittlungskommissionen schwierig und zeitaufwendig, so dass auch nach dem ersten Aufklärungserfolg lange unklar war, ob und in welchem Ausmaß Hintermänner und Auftraggeber existieren“, so Polizeipräsidentin Elke Bartels.

Oft auch schon vor Ankunft in Duisburg aufgebrochen

Mal griffen die Duisburger Tatverdächtigen in bereits durch andere Diebe in anderen Ländern geöffnete Container ihrerseits noch einmal zu; mal öffneten sie selber gewaltsam Transsportcontainer und stahlen dann mal viel, mal wenig viele Waren. Weil im Logistik-Gewerbe offenbar üblich nicht immer Diebstähle und Fehlmengen polizeilich angezeigt werden, fühlten sich die Täter zunehmend sicherer. Ihr größter Coup: HP-Laptops im Wert von 160.000 Euro.

Bei Hausdurchsuchungen stießen Polizei und Zoll in Duisburg dann auf etliches Diebesgut. Die mutmaßlichen Täter, die die Ermittler als eher schlichte Gemüter beschreiben, hatten offenbar selber ein Logistikproblem mit dem Vertrieb ihres Diebesgutes. Ihre Abnehmer, zwei Drogendealer aus Homberg, waren der Polizei gut bekannt. Diese Erkenntnis und dann ein Tipp auf den Hauptverdächtigen, ein Kranführer, brachte die Fahnder dann vollends auf die Spur.

Die chinesische Delegation zeigte sich beeindruckt von der akribischen Arbeit der Duisburger Polizei.

Unterdessen hat nach Mitteilung der Polizei die Hafengesellschaft Duisport nach Hinweisen durch die Fahnder ihre Sicherheitsvorkehrungen deutlich aufgerüstet: Mehr Zäune, Nato-Draht und jede Menge High-Tech-Überwachung sollen künftige Diebstähle verhindern.

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