Vorurteile bekämpfen

Politiker führt Besucher durch die Problemviertel in Marxloh

Claus Krönke (2. von links) kämpft gegen das negative Image von Marxloh und zeigt Interessierten unbekannte Seiten des Stadtteils.

Claus Krönke (2. von links) kämpft gegen das negative Image von Marxloh und zeigt Interessierten unbekannte Seiten des Stadtteils.

Foto: Jörg Schimmel / FUNKE Foto Services

Duisburg-Marxloh.  Claus Krönke organisiert Rundgänge durch einen Stadtteil, der in Verruf geraten ist. Und zeigt, dass es durchaus mehr als nur Probleme gibt.

Es funkelt in den Schaufenstern. Die zahlreichen Brautmodegeschäfte präsentieren ihre glitzernden und pompösen Kleider entlang der Weseler und Kaiser-Wilhelm-Straße. Dazwischen reihen sich Restaurants, die Döner, Baklava und weitere türkische Spezialitäten anbieten. Ein bekanntes Bild, das wohl viele vor Augen haben, wenn sie an diesen Stadtteil denken. „Marxloh wird immer noch ausschließlich auf diesen Bereich rund um das Pollmanneck beschränkt“, sagt Claus Krönke, 2. stellvertretender Bezirksbürgermeister von Hamborn. Das möchte er ändern und läuft regelmäßig mit Interessierten durch die Straßen, die viele von ihnen sonst meiden würden.

An diesem Tag allerdings hat sich dem Rundgang kaum jemand angeschlossen – das Unwetter hält die Besucher fern. Dabei hat Krönke einiges zu zeigen.

Reichtum und Armut liegen in dem Stadtteil nah beieinander. Viele Häuser sind mit schön erhaltenen Fassaden geschmückt. „Das waren früher herrschaftliche Wohnungen“, meint Martina Will, 1. Stellvertretende Bezirksbürgermeisterin Hamborns, die solche Rundgänge auch begleitet.

„Wenn man hier reinkommt, glaubt man kaum, dass man noch in Marxloh ist“

Einige Meter, bevor sich die Bahnen der 901 und 903 kreuzen, hat vor kurzem wieder ein neues Restaurant eröffnet. „Wenn man hier reinkommt, glaubt man kaum, dass man noch in Marxloh ist“, kündigt der stellvertretende Bezirksbürgermeister an. Atmosphäre wie in einem Türkeiurlaub in dem schicken Restaurant. „Das war früher mal ein modernes Theater.“ Die Spuren von damals sind zu erkennen, obwohl die Inhaber noch umbauen. Von einer zweiten Etage aus können die Gäste in eine Art Innenhof schauen, wo sich weitere Sitzplätze und Tische befinden. Der Konkurrenzkampf in dem Gebiet sei hart. „In die Geschäfte werden Millionen reingesteckt“, sagt Krönke.

Hier gehen Vitali und Wladimir Klitschko zum Arzt

Das Bild ändert sich entlang der Kaiser-Wilhelm-Straße, auf der übrigens der Vertrauensarzt der beiden ehemaligen Box-Weltmeister Wladimir und Vitali Klitschko seine Praxis hat. Richtung Rolfstraße sind die Straßen leerer, der Geräuschpegel etwas leiser. Einige Kinder spielen Fußball. Der Rundgang führt hier in eine bulgarische Freikirche. „Hier entwickelt sich gesellschaftliches Leben. Dieser Aspekt wird oft nicht gezeigt“, merkt Krönke an. Die Gemeinschaft soll mit Orten wie der Kirche verfestigt werden. Mehr als 400 Gemeindemitglieder sind es bereits.

Zugewanderte ärgern sich über die eigenen Landsleute

„Die meisten Leute haben die Einstellung, dass man hier nicht allein herumlaufen darf“, berichtet Claus Krönke. Dass das nicht stimme, möchte er Bürgern zeigen, wenn er eine Stadtteil-Tour anbietet. Dann geht er mit ihnen auch in die Hagedornstraße, die als Problemviertel bekannt ist. Viele geräumte Häuser reihen sich hier aneinander. Krönke kennt die zugewanderten Menschen aus Bulgarien und Rumänien, die ihn freundlich begrüßen und fragen, wie es ihm geht. Schalen von Sonnenblumenkernen liegen auf einer Straßenseite. Auf der anderen Seite hätten bis vor kurzem auch welche gelegen. Krönke sagt, er habe den Verursachern erklärt, dass dies bestraft werden könnte. „Dann haben sie mit einem Besen alles gefegt. So einfach.“ Man müsse mit den Zugewanderten reden, dann klappe das auch mit der Integration. „Viele von ihnen ärgern sich oft über die eigenen Landsleute, die sich daneben benehmen, und fragen mich, warum die Polizei nichts macht“, erzählt Krönke. „Die Menschen brauchen hier vor Ort einen Anlaufpunkt und Streetworker, die ihnen Lebenshilfe geben.“

Solche Hilfe wird auch am August-Bebel-Platz gebraucht. Zwischen Discountern und einer Bank hat die Trinkerszene einen Platz gefunden. „Sozialarbeiter, die das Milieu aus eigenen Erfahrungen von früher kennen, könnten den Menschen hier helfen“, meint Krönke.

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