Konzert

Orgel der Salvatorkirche tanzt Samba zu Silvester

Lässt zum Jahreswechsel konzentriert die Orgelpfeifen tanzen: Salvator-Kantor Marcus Strümpe beim Konzert vor und nach null Uhr.

Foto: Michael Korte

Lässt zum Jahreswechsel konzentriert die Orgelpfeifen tanzen: Salvator-Kantor Marcus Strümpe beim Konzert vor und nach null Uhr. Foto: Michael Korte

Duisburg.   Kantor Marcus Strümpe zaubert wieder ein Feuerwerk zum Jahresübergang in der gut besuchten Stadtkirche unter dem Motto „Dancing Pipes“.

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Zum Jahreswechsel lässt Marcus Strümpe in der Salvatorkirche die Orgel tanzen. „Dancing Pipes“ hieß es diesmal in der Silvesternacht mit Tanzmusik für die Orgel aus verschiedenen Epochen.

Zur Eröffnung spielt Strümpe auf der in stimmungsvoll in Rot und Grün beleuchteten Orgel von Dietrich Buxtehude „Praeludium, Fuga et Ciacona C-Dur“. Die Akkorde tönen mächtig durch das Kirchenschiff, doch trotz der Virtuosität der Musik will sich der tänzerische Charakter noch nicht einstellen. Der ergibt sich dann aber im Ragtime „Sweet Sixteenth“ des US-Amerikaners William Albright. Lässig lässt Strümpe die Orgelrhythmen umhertänzeln.

Ein greller Kirmesspaß ist die „Fantasia brasiliana“ von Adalberto Guzzini. Die Samba-Komposition, die eigentlich für eine Hammond-Orgel geschrieben wurde, kommt auch auf der Kirchenorgel bestens zur Geltung, denn Strümpe weiß, wie er mit den Registern seines Instrumentes umzugehen hat. War der Beifall des Publikums vorher etwas unentschlossen, so ist bei diesem Gute-Laune-Stück klar: Das hat Applaus verdient.

Überraschungsprogramm startet nach Mitternacht

Hübsche Schaustücke sind die sich sanft dahin wiegende „Pavane“ von Gabriel Fauré und der nostalgische „Valse mignonne“ von Sigfrid Karg-Elert, den man sich auch gut auf der Drehorgel vorstellen kann. Mit ihren furios verschachtelten Rhythmen, die sich bis ins Chaos steigern, gefallen die Studentenlieder von Petr Eben.

Das monumentale Finale der „Dancing Pipes“ ist Johann Sebastian Bachs „Passacaglia c-Moll“. Auch dieses Stück ist keine leicht verdauliche Tanzmusik, sondern düstere Melodien strahlen eine permanente Bedrohung aus. Schließt der Hörer die Augen und versenkt sich in Bachs komplizierte Polyphonie, so schälen sich die einzelnen Schichten dieses Werkes heraus.

Nachdem um Mitternacht die Stundenglocke der Salvatorkirche das neue Jahr eingeläutet hat, startet Marcus Strümpe sein Überraschungsprogramm: Einige Stücke gehören mittlerweile zum Standardrepertoire, weil sie sich als echte Lieblinge des Publikums erwiesen haben: So gibt es auch diesmal Offenbachs Can-Can aus „Orpheus in der Unterwelt“, „Azurro“, „Pack die Badehose ein“ und „Kalinka“. Solch ein ausgelassenes Repertoire kann man auf der Orgel eben nur im Silvesterkonzert in der Salvatorkirche hören.

Ein Prost und Kusshand ins Publikum

Das Publikum steht in den Kirchenbänken und schaut Marcus Strümpe zu, wie er auf der Orgelempore gute Laune verbreitet. Besonders gespannt ist man immer, welche neuen Stücke er dabei hat. Diesmal sind es der „Chanson d´amour“ bei dem die Zuhörer das „Rattatatata“ schmettern und die Titelmelodie der Westernserie „Bonanza“, die auf der Kirchenorgel erstaunlich gut funktioniert. Außerdem gehört „Mr. Sandman“ zum neuen Silvester-Repertoire.

Gut meinende Gäste des Konzertes versorgen den fleißig musizierenden Organisten immer wieder mit Sekt, so dass auf der Brüstung der Orgelempore nachher vier gut gefüllte Gläser stehen. Strümpe widmet sich aber weiter seinem Instrument und spielt noch als besinnlichen Abschluss „Der Mond ist aufgegangen“. Dann schaltet er die Beleuchtung des Notenpultes aus, verbeugt sich vor dem jubelnden Publikum, wirft den Besuchern eine Kusshand zu und prostet hinab in die Menge.

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