Organspende

Organspende: So stellen Ärzte den Hirntod bei Menschen fest

Dr. Hilal Yahya, links, und Dr. Deniz sind Transplantationsbeauftragte im Evangelischen Klinikum in Duisburg. Sie stellen die Diagnose Hirntod.

Dr. Hilal Yahya, links, und Dr. Deniz sind Transplantationsbeauftragte im Evangelischen Klinikum in Duisburg. Sie stellen die Diagnose Hirntod.

Foto: Lars Fröhlich / FUNKE Foto Services

Duisburg.  Dr. Hilal Yahya und Dr. Deniz Özcan sind Transplantationsbeauftragte am Evangelischen Klinikum in Duisburg. Sie stellen die Diagnose Hirntod.

Sie sind die, die um das Leben eines Patienten kämpfen – aber auch im entscheidenden Moment die Geräte abschalten: Dr. Hilal Yahya und Dr. Deniz Özcan sind Transplantationsbeauftragte für das Evangelische Klinikum Niederrhein. In ihrer täglichen Arbeit sind sie mit Angehörigen konfrontiert, die über den mutmaßlichen Willen des Verstoben entscheiden müssen.

Für Dr. Hilal Yahya ist die Widerspruchslösung bei der Organspenderegelung „alternativlos“: Nur so können Angehörige entlastet werden. Liegt kein Spenderausweis vor, entscheiden sich Angehörige oft „im Zweifel“ wider einer Spende, berichten die Ärzte. Mit der Widerspruchslösung können Menschen „bei vollem Bewusstsein Stellung beziehen“, sagt Yahya und ergänzt: „Insbesondere, wenn ich möchte, dass ich kein Spender bin.“ Im vergangenen Jahr waren im Evangelischen Klinikum 15 Menschen Organspender. Pro Patient wurden zwei bis vier Organe entnommen.

Wer kommt als Organspender in Frage?

Um überhaupt als Organspender in Frage zu kommen, ist das Todeskriterium der „irreversible Hirnfunktionsausfall“. Ein sperriger Begriff, der für Mediziner den Hirntod meint. „Zwei Fachärzte müssen unabhängig voneinander den Gesamtausfall aller Hirnfunktionen feststellen“, erklärt Özcan. Sie müssen im Protokoll bestätigen, dass der Ausfall unumkehrbar ist, also für immer.

Reflex für Reflex, etwa Atem-, Augen-, Schluckreflex, wird überprüft, ob der Patient noch Reaktionen zeigt. Zeigt er keine Reaktion, gilt der Abschluss des Protokolls als Todeszeitpunkt. „Es gibt keine Diagnose, die schwerer festzustellen ist – aber keine, die sicherer ist“, sagt Yahya.

Für Angehörige eine schwierige Situation

Um den Kreislauf stabil zu halten, werden mögliche Organspender auf der Intensivstation nach einem Hirntod künstlich beatmet. Für Angehörige ist es schwer zu verstehen, dass ein geliebter Mensch tot ist, dessen Körper sich noch warm anfühlt. „Im Gespräch versuche ich, deutlich zu machen, dass das, was den Menschen ausgemacht hat, erloschen ist“, sagt Özcan.

Entscheiden sich Angehörige nach der Diagnose gegen eine Organspende, werden die Beatmungsmaschinen abgestellt. Denn die Alternative, gesund zu werden, gibt es nicht.

Neue Regeln: Soll Organspende zur Pflicht werden?
Neue Regeln- Soll Organspende zur Pflicht werden?
Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >
Leserkommentare (0) Kommentar schreiben