Gerichtsprozess

Nachbarsjungen geohrfeigt: Duisburgerin muss hinter Gitter

Das Landgericht hat am Freitag eine ungewöhnliche Freiheitsstrafe verhängt.

Das Landgericht hat am Freitag eine ungewöhnliche Freiheitsstrafe verhängt.

Foto: Stephan Eickershoff

Duisburg.   Weil er einen Stock auf ihr Baby geworfen haben soll, schlug eine Duisburgerin einen Neunjährigen. Jetzt muss die 28-Jährige dafür ins Gefängnis.

Vergeblich kämpfte eine Hochfelderin (28) am Freitag in zweiter Instanz vor dem Landgericht gegen eine Gefängnisstrafe wegen Körperverletzung. Weil sie ihn verdächtigte, einen Stock auf den Kinderwagen geworfen zu haben, in dem ihr vier Monate alter Sohn lag, hatte sie am 22. Juli 2017 einen Neunjährigen geschlagen. Bei einer unbescholtenen Frau wäre es vielleicht nicht einmal zu einem Prozess gekommen. Doch das Vorstrafenregister der Angeklagten wies 12 Eintragungen auf. Zur Tatzeit stand sie mehrfach unter Bewährung.

Das Amtsgericht Duisburg hatte im September 2018 keine andere Möglichkeit gesehen, als die 28-Jährige zu sechs Monaten Gefängnis zu verurteilen. Die wiederholte vor der Berufungskammer ihr Geständnis.

Angeklagte: „Da habe ich die Nerven verloren.“

Der neunjährige Nachbarjunge sei Wortführer einer Gruppe von Kindern gewesen, die sie und andere Hausbewohner immer wieder geärgert habe. Als sie am Tattag versuchte, mit ihrem Kinderwagen durch die Gruppe zur Haustür zu kommen, sei ein Stock in den Kinderwagen geflogen. „Das war ein richtiger Ast. Ich dachte nur an mein Kind.“ Da der Neunjährige sofort mit seinem Fahrrädchen die Flucht ergriff, habe sie ihn für den Täter gehalten. „Ich bin hinterher gerannt und habe ihn am Nacken gepackt. Als er mich zu bespucken versuchte, habe ich die Nerven verloren und ihn geohrfeigt.“

Zwar konnte die Angeklagte, die nach eigenen Worten früher eine erfolgreiche Erotik-Darstellerin im Internet war, durchaus positive Ansätze vorweisen: Sie nimmt seit langer Zeit an einer Drogentherapie teil, hat den Streit mit dem Vater ihres Kindes beigelegt und sucht erfolgversprechend nach einer Arbeit.

Langes Vorstrafenregister

Das alles konnte nichts daran ändern, dass ihr Vorstrafenregister auch eine Strafe wegen gefährlicher Körperverletzung aufweist. Den Übergriff gegen den Neunjährigen beging sie nur zwei Tage, nachdem ihr zum dritten Mal eine Bewährungschance gegeben worden war.

Die Berufungskammer sah sich deshalb nicht in der Lage, eine Geldstrafe oder eine weitere Bewährung zu verhängen. Allerdings wurde die Gefängnisstrafe auf drei Monate verkürzt. Die Richter hatten dabei im Blick, dass die Tat inzwischen einige Zeit zurück liegt und die Angeklagte mit dem Widerruf der Bewährungsstrafen rechnen muss. Ihr Gefängnisaufenthalt wird sich dadurch wohl um rund ein Jahr verlängern.

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