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Ohne „Patti“ läuft im Duisburger Karneval nur wenig

Patricia Kerst ist seit sechs Jahren mit eben so viel Begeisterung wie Fleiß dabei. Längst ist sie eine zentrale Figur im Duisburger Karneval. 

Patricia Kerst ist seit sechs Jahren mit eben so viel Begeisterung wie Fleiß dabei. Längst ist sie eine zentrale Figur im Duisburger Karneval. 

Foto: DANIEL ELKE

Duisburg.   Patricia Kerst ist seit sechs Jahren im Vorstand des Hauptausschuss Duisburger Karneval. Sie ist so etwas wie die Stabschefin des Stadtverbandes.

Patricia Kerst ist eine Spätberufene. Erst vor sechs Jahren kam die 51-Jährige zum Karneval. Doch es scheint beinahe so, als würde sie sich Mühe geben, die Zeit ihres Lebens, in der sie noch nichts mit der Narretei zu tun hatte, nachzuholen. Zumindest arbeitstechnisch. In den vergangenen sechs Jahren hat sie jedenfalls mehr geleistet als mancher gestandene Funktionär, der schon 40 Jahre dabei ist. „Ich bin dem Karneval verfallen“, gibt die Geschäftsführerin des Hauptausschuss Duisburger Karneval zu. Und bei ihr klingt das irgendwie weniger theatralisch als bei manch anderen, die Ähnliches von sich behaupten.

Dass sie einmal eine zentrale Rolle im Duisburger Karneval spielen würde, ist ihr 1967, als sie in der damaligen Frauenklinik an der Lotharstraße in Neudorf das Licht der Welt erblickte, nicht an der Wiege gesungen worden. Patricia Kerst wuchs in Großenbaum auf. „Den einen oder anderen Besuch bei einem Karnevalsumzug gab es schon“, erinnert sie sich. Aber ansonsten habe sie damit nichts am Hut gehabt.

Erste Karriere als Jungschützin

Denn ihre bevorzugte Kopfbedeckung, und das von Jugend an, war grün. „Als Jungschützin bin ich damals bei der St. Hubertus Schützenbruderschaft eingetreten.“ Und machte schnell Karriere. „Schon bei den Jungschützen war ich im Vorstand.“ Dass Patricia, von ihren Freunden „Patti“ genannt, nicht fies vor dem Arbeiten ist, war schnell allen klar. Und so durfte sie auch bald im Vorstand der Bruderschaft fleißig sein, war bis 2016 viele Jahre Schriftführerin.

2012 kam der Karneval hinzu. Schuld daran war Michael Jansen, damals frisch gebackener Präsident des HDK und außerdem 1. Brudermeister der St. Hubertus Schützenbruderschaft Großenbaum. Für seine neue Funktion an der Spitze der Duisburger Karnevalisten suchte Jansen Mitstreiter, von denen er wusste, dass er sich auf sie verlassen kann und dass sie arbeiten können. Und griff dabei auch auf Schützenfreunde zurück.

Im Schnelldurchlauf Karneval gelernt

„Ich werde nie vergessen, wie mich Michel damals gefragt hat, ob ich nicht 2. Geschäftsführerin werden will“, grinst Patricia Kerst. „Ich habe gefragt: Was muss ich denn da machen? Und er hat geantwortet: Nicht viel.“

Patricia Kerst nimmt es ihm nicht übel, dass sich das als ziemliche Untertreibung entpuppte. „Ich glaube, der hat damals selbst nicht geahnt, was da auf uns zukommt.“ Zum Beispiel das ewig leidige Thema Finanzierung der Narretei und das relativ neue leidige Thema Sicherheit, um nur zwei arbeitsintensive Punkte zu nennen.

Sozusagen im Schnelldurchlauf lernte Patricia Kerst Karneval. Nach einem Jahr als 2. Geschäftsführerin wurde sie Schatzmeisterin, seit 2018 ist sie Geschäftsführerin. Unabhängig von der genauen Bezeichnung, sind viele Karnevalisten davon überzeugt, dass sie seit Jahren so etwas wie die Stabschefin des HDK ist. Und sie selbst sieht das ähnlich: „Der HDK hat eine Geschäftsordnung. Da steht genau drin, welches Vorstandsmitglied für was verantwortlich ist. Aber in Wahrheit läuft das heute doch nicht mehr so. Es muss einen geben, der den Überblick behält, der Aufgaben delegiert und die Fäden zusammenhält – und dem Präsidenten, der den Verband öffentlich auf vielfache Weise vertritt, den Rücken frei hält.“

Feierabend haben andere

Und so gibt es kaum eine Entscheidung auf HDK-Ebene, in die Patricia Kerst nicht einbezogen ist, kaum ein Schriftstück, das den Briefkopf des Stadtverbandes trägt, das nicht aus dem Drucker ihres heimischen Computers stammt. „Meine beruflichen Kenntnisse kommen mir dabei zu Gute“, meint die gelernte Bürokauffrau, die seit 1992 als Industriekauffrau im Vertrieb bei Grillo tätig ist.

„Nach einem langen Arbeitstag komme ich dann nach Hause und sitze da oft noch vier oder fünf Stunden für den Karneval am PC“, erzählt sie. Den stehenden Witz des inneren karnevalistischen Zirkels, das andere eine Wohnung mit einem Arbeitszimmer hätten, Patricia jedoch ein Büro mit einer Schlafgelegenheit, findet sie gar nicht so falsch. Die Arbeit, die sie neben dem Job ins Ehrenamt investiere, sei sicher nicht jedermanns Sache, gibt sie zu. Aber Geringschätzung gegenüber manchen, die nur ein Amt um des Amtes willen haben wollen, ist ihr anzumerken: „Die sehen nur vermeintliche Vorteile, merken dann, wie viel Arbeit das ist. Und oft sind sie dann ganz schnell wieder weg.“

„Im Karneval hat man Freunde“

Woher stammt der Enthusiasmus? Patricia Kerst denkt lange nach, bevor sie eine Antwort gibt: „Ich finde das einfach toll, wie die Menschen im Karneval feiern und was sie alles auf die Beine stellen.“ Ein Schützenverein, meint sie vielsagend lächelnd, sei so etwas wie eine Familie. „Im Karneval hat man es eher mit Freunden zu tun.“ Und ihr schönster Lohn sei es, während der Session bei den Veranstaltungen dabei zu sein. „Wenn dann alles funktioniert, freue ich mich.“ Und Schlafmangel interessiert sie, wenn es um Karneval geht, überhaupt nicht. „Schlafen kann ich im Sommer. Da ist es etwas ruhiger.“

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