ÖPNV

Die Straßenbahn 903 in Duisburg: Odyssee im Nahverkehr

Vor allem in den Hauptverkehrszeiten sind die Bahnen der Linie 903 oft hoffnungslos überfüllt. Die Folgen: Fahrgäste bleiben stehen, Verspätungen summieren sich.

Vor allem in den Hauptverkehrszeiten sind die Bahnen der Linie 903 oft hoffnungslos überfüllt. Die Folgen: Fahrgäste bleiben stehen, Verspätungen summieren sich.

Foto: Stephan Eickershoff

Duisburg.   Bahn-Ausfälle, kaputte Türen, überfüllte Wagen: Die Linie 903 auf der Duisburger Nord-Süd-Achse ist ständig überlastet. Ein Erfahrungsbericht.

Es ist 12.50 Uhr an einem Dienstagmittag. Die Haltestelle „Hamborn Feuerwache“ sieht unschuldig leer aus. Nur etwa fünf Leute drücken sich auf dem langen Haltesteig herum und warten auf die Linie 903 Richtung Innenstadt. Die kommt aber nicht, sie „entfällt“. Weitere zehn Minuten später fährt die Nachfolgebahn ein: rappelvoll. Alle Sitzplätze und auch nahezu alle Stehplätze sind belegt. Vier Kinderwagen, davon zwei Doppelwagen stehen im Einstiegsbereich. „Mamaaa!“, ruft die zweijährige Tochter einer jungen Mutter aus Hamborn ängstlich. Sie fühlt sich bedrängt von Rucksäcken, Taschen und Ellenbogen die ihr in Augenhöhe immer näher kommen.

Kinderwagen verkeilen sich vor der Tür

Zwei Haltestellen weiter wird das Gedränge noch größer: Eine alte Frau mit Rollator möchte aussteigen, doch zwei der Kinderwagen stehen ihr im Weg. Sie verkeilen sich ineinander als die Mutter nahe der Tür – bereits zum zweiten Mal in Folge – ihren Kinderwagen wieder hinaushievt, um Platz zu machen. Währenddessen kommen andere Fahrgäste nicht einmal auf die Idee, den Platz direkt vor der Tür freizugeben, stattdessen quetschen sie sich noch weiter in den Gang. Scheinbar aus Angst, die Bahn könne ohne sie weiterfahren. Einige Mitfahrer werden ungeduldig: „Nun machen Sie doch mal Platz! Die Dame möchte durch!“ Es dauert seine Zeit, bis sie endlich aussteigen kann. Kein Wunder, dass die Linie 903 regelmäßig Verspätungen ansammelt.

Kinderwagen müssen warten

In „Meiderich Bahnhof“ erlebt die Bahnfahrt einen weiteren Höhepunkt: Kaum jemand möchte aus-, immer mehr Leute jedoch einsteigen. „Ich kann nicht weiter“, ruft die Mutter mit dem Doppelwagen. „Hier sitzt einer, der ist am Fuß verletzt.“ Trotzdem drängeln sich Leute hinzu, die automatische Tür braucht drei Anläufe, ehe sie schließen kann. Zwei weitere Mütter mit Kinderwagen sind auf dem Bahnsteig geblieben, resignieren und müssen die nächste Bahn abwarten.

Dieses Gefühl kennen auch Natalie Papesch und ihre Tochter Paulina nur zu gut. Für den Schulweg von der Haltestelle „Emilstraße“ in Meiderich bis „Duissern U-Bf“, der laut Fahrplan sieben Minuten dauern soll, brauchen die beiden morgens um halb acht gute 45 Minuten. „Wir müssen mindestens drei, oft bis zu sieben Bahnen abwarten, bis wir reinpassen“, erzählt Papesch. „Und dann kommt man sich vor wie im Viehtransport.“

Probleme sind nicht neu

In einem Bericht von 2013 heißt es: „Bereits heute stoßen Linien an ihre Kapazitätsgrenzen, rund die Hälfte aller Fahrgäste befördert die DVG mit den Bahnen U79, 901 und 903. Gerade letztere ist zeitweise so überfüllt, dass Fahrgäste nicht mehr zusteigen können.“ Geändert hat sich daran wenig. 2013 platzte der Neukauf von Straßenbahnen, weil die Stadt diesen aus dem Förderantrag strich.

In dem 186 Seiten langen „3. Nahverkehrsplan“ der Stadt Duisburg aus dem Jahr 2017 heißt es deshalb immer noch: „Bei einem Drittel der Nutzkilometer-Fahrleistung werden etwa die Hälfte der Fahrgäste auf den vier Linien 901, 902, 903 und U79 befördert. In Spitzenzeiten der Hauptverkehrszeit stoßen diese Linien bereits an ihre Kapazitätsgrenzen.“

„Beschränkte Fahrzeugkapazitäten“

Derzeit laufe ein „Straßenbahn-Sanierungsprogramm“, so heißt es seitens der DVG-Sprecherin Katrin Naß. „Deshalb stehen nur eingeschränkte Fahrzeugkapazitäten zur Verfügung. Alle einsatzfähigen Bahnen sind natürlich im Einsatz. Im Duisburger Norden kompensieren wir die Ausfälle auf einem Streckenabschnitt durch Busse. Auf der Linie 903 verstärken wir aktuell mit Zusatzbussen das Fahrplanangebot. Wir bitten die Fahrgäste dieses Angebot entsprechend auch zu nutzen.“

Natalie Papesch und ihre Tochter Paulina würden es morgens gerne nutzen, doch, so sagen sie: „Die zusätzlichen Busse, die laut Plan kommen sollen, kamen seit August ganze vier Mal.“ Zudem sind sie nur für ein Teilstück, nämlich von der Haltestelle „Vierlinden“ in Walsum bis „Meiderich Bahnhof“ vorgesehen.

Auf die Frage, warum die Busse nicht einfach bis zum Hauptbahnhof weiterfahren würden, antwortet DVG-Sprecherin Naß: „Dann würde sich der Takt verschlechtern und die Busse würden im Bereich des Hauptbahnhofs sicher im Berufsverkehr feststecken. Dann käme es zu Verspätungen.“

Neue Bahnen für Duisburg

In diesem Jahr endlich hat es geklappt mit dem Neukauf von 47 modernen Straßenbahnen bei dem Schienenfahrzeughersteller Bombardier Transportation. Diese „werden 34 Meter lang und 2,30 Meter breit sein und bieten Platz für 200 Fahrgäste“, heißt es in einer Stellungnahme der DVG. Außerdem soll es Stehhilfen zum Anlehnen und Klappsitze geben, wodurch mehr Platz für Kinderwagen, Rollatoren, Rollstühle und Fahrräder entstehen soll. Bleibt zu hoffe, dass sich die Lage mit dem Einsatz der neuen Bahnen ab 2021 entspannt.

>>>Start der Prototypen-Bahnen verzögert sich

47 neuen Straßenbahnen hat die DVG bei dem Hersteller von Schienenfahrzeugen Bombardier Transportation bestellt.

Sie sollen vorab ein Jahr lang mit zwei Prototypen im Stadtgebiet getestet werden.

Der Test verschiebt sich nun aber von Ende des Jahres 2019 aufs Frühjahr 2020.

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