Personalplanung

NRW verspricht mehr Polizisten – aber nicht in Duisburg

In Duisburg gab es im Jahr 2019 viele personalintensive Polizeieinsatz – wie hier bei einer Großrazzia in Hochfeld. Eine Planstellenberechnung ergibt trotzdem einen geringeren Bedarf für 2020.

In Duisburg gab es im Jahr 2019 viele personalintensive Polizeieinsatz – wie hier bei einer Großrazzia in Hochfeld. Eine Planstellenberechnung ergibt trotzdem einen geringeren Bedarf für 2020.

Foto: Jörg Schimmel / FUNKE Foto Services

Duisburg.  Trotz Clankriminalität und einem Rekord bei Mordkommissionen ergibt eine Stellenberechnung für die Polizei Duisburg einen rückläufigen Anspruch.

Nahezu alle Polizeibehörden in Nordrhein-Westfalen können zum 1. September 2020 voraussichtlich mit mehr Personal rechnen. Diese Nachricht hat das NRW-Innenministerium am Donnerstagvormittag offensiv verkündet. Lediglich vier Behörden müssten einen leichten Stellenrücklauf in Kauf nehmen, teilte das Ministerium mit. Die Überraschung: Ausgerechnet Duisburg gehört dazu. Denn: Aufgrund der komplexen Berechnungsgrundlage ergibt sich für 2020 ein geringerer Personalanspruch als für 2019.

„Belastungsbezogene Kräfteverteilung“ (BKV) nennt sich Planrechnung, die den Anspruch auf das Personalgerüst der Polizeibehörden berechnen soll. Für den 1. September 2020 ergibt sich für die Duisburger Polizei demnach ein Anspruch auf 1525 Beamte und 275 Regierungsbeschäftigte. Das sind 5,28 Planstellen weniger als im Jahr 2019, gerade bei den Beamten ergibt die Berechnung einen deutlich geringeren Anspruch. Die Zahlen für 2019 versprachen der Behörde einen Anspruch auf 1545 Beamte und 260 Regierungsbeschäftigte.

Personalverteilung in NRW: Kritik aus dem Duisburger Polizeipräsidium

Im Polizeipräsidium ist man darüber nicht glücklich: „Die BKV ist ein Berechnungsinstrument um alle Behörden gleich zu behandeln. Aber Besonderheiten, wie zum Beispiel Sprachschwierigkeiten sowie Intensität und Länge der Einsätze, die wir hier in Duisburg haben, werden nicht mit berücksichtigt“, sagt Polizeipräsidentin Elke Bartels deutlich.

Die Kritik, die hinter dieser Aussage steckt: Die Planrechnung berücksichtigt unter anderem die statistische Entwicklung bei der Kriminalität und dem Verkehrsunfallgeschehen. Beides war in Duisburg bei den Gesamtzahlen rückläufig. Zudem führt eine Veränderung beim Objektschutz zum Rückgang bei dem Personalanspruch.

Clanbekämpfung bindet in Duisburg viel Polizei-Personal

Auf der anderen Seite steht jedoch: Die Kripo meldete 2019 eine Rekordzahl an Mordkommissionen – mit monatelanger, intensiver Ermittlungsarbeit wie im Fall Mine O.. Immer wieder berichten die Einsatzkräfte gerade in der Stadt von zeitintensiven Maßnahmen: Durch Sprachbarrieren müssten häufig Dolmetscher hinzugezogen werden, in der Folge ziehen sich die Befragungen in die Länge. „Die Bekämpfung der Clankriminalität hat in den vergangenen Monaten auch personalaufwendige Einsätze mit sich gebracht“, ergänzt Polizeisprecherin Jacqueline Grahl. Große Einsätze in Marxloh machten im Mai Schlagzeilen.

Ob es in Folge der Planrechnung tatsächlich zu einem Personalrückgang bei der Duisburger Polizei kommt, ist aber ungewiss. Verschiedene Einflüsse spielen dort nämlich ebenfalls eine Rolle: Wie viele Fachhochschüler schaffen die Polizeiausbildung? Gibt es Beamte und Regierungsbeschäftigte, die überraschend in Rente gehen? Entsteht an Stellen ein ungeplanter Sonderbedarf? 2500 Polizeibeamte und 500 Regierungsbeschäftigte sollen im September in NRW ihren Dienst antreten. Polizeisprecherin Grahl sagt: „Dann haben wir letztendlich Gewissheit. Klar ist aber, dass sich niemand um die Sicherheit auf den Straßen Sorgen machen muss, weil wir motivierte Kräfte haben.“

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