Theater

Zwölf Ansichten zum Thema Tod

Das Theaterprojekt „Deadline – Spiel mir ein Stück vom Tod" der Theatergruppe „Hausmarke“ war im Bestattungshaus Liesen zu Gast.

Das Theaterprojekt „Deadline – Spiel mir ein Stück vom Tod" der Theatergruppe „Hausmarke“ war im Bestattungshaus Liesen zu Gast.

Foto: Zoltan Leskovar

Alt-Hamborn.   Die Dramaturgin und Regisseurin Sandra Anklam war mit dem Ensemble „Hausmarke“ zu Gast im Bestattungshaus Liesen. Ergreifende Inszenierung.

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An ungewöhnlichen Orten spielen die Mitglieder des freien Theaterensembles „Hausmarke“ normalerweise ihre Stücke. Nicht so in diesem Fall, könnte man sagen.

Für ihre spielerische Annäherung an ein Tabuthema „Deadline: Spiel mir ein Stück vom Tod“ wählten die zwölf Schauspieler um die Regisseurin Sandra Anklam – das Beerdigungsinstitut Liesen in Hamborn.

Schwarz gekleidete Frauen und Männer

Im sogenannten „Raum der Begegnung“ werden in ruhiger, zurückhaltender Atmosphäre alltäglich Trauerfeiern abgehalten. Ein Ort, der gemacht ist, um sich mit dem Tod und dem Sterben zu beschäftigen.

Deadline aber beginnt höchst lebendig: Zwölf schwarz gekleidete Frauen und Männer laufen eilig durcheinander. Jeder von ihnen hat einen Koffer bei sich und sucht sich in den Stuhlreihen der Zuschauer einen Ansprechpartner.

Für die letzte Reise ein Paar Turnschuhe

„Aus meiner tiefsten Seele zieht mit Nasenflügelbeben ein ungeheurer Appetit nach Frühstück und nach Leben“, zitiert eine Schauspielerin das lebensfrohe Morgengedicht von Joachim Ringelnatz und zeigt, dass sie außerdem für ihre letzte Reise ein Paar abgelatschte Tanzschuhe in ihrem Koffer hat.

Sie würde nämlich auch im nächsten Leben gerne Tango tanzen, sagt sie. Dann nimmt sie eine rote Gumminase aus dem Koffer und fügt hinzu: „Aber ich möchte als Clownin Tango tanzen“.

Liesken Puderbach und der Tod

Auch alle anderen zeigen, erzählen, rezitieren durcheinander. Zwölf zeitgleiche Begegnungen mit persönlichen Ansichten über den Tod. Danach stehen sie alle zusammen, und eine von ihnen singt das rabenschwarze Lied „Wenn ick mal tot bin“ von Friederich Hollaender.

Da glaubt die arme kleine Liesken Puderbach, dass ihr Todestag der schönste Tag in ihrem Leben sein wird, weil sie mit Sarg, Seidenkleid und Kerzen endlich mal im Mittelpunkt des Interesses stehen kann. Aber Beerdigungen sind für die Lebenden, die Toten sind woanders.

Tiefe des Stückes berührt die Zuschauer

Beim Umgang mit dem Tod sind alle lebenden Menschen Amateure. Die Zwölf auf der Bühne haben sich im Vorfeld mit ihrer Regisseurin viel Zeit genommen, um sich über ihre unsagbaren Dinge, die Wiedersprüche, den Kontrollverlust und die Ungewissheiten auszutauschen.

Diese Tiefe ist ihrem Stück und ihrem Spiel durchgehend anzumerken und berührt die Zuschauer. Im Raum der Begegnung nehmen sie Abschied, besonders von alten Gewohnheiten und festen Gewissheiten. Gottesbeweise sind da auch nicht hilfreich. „Und der schwarze Mann? Wenn er kommt? Dann kommt er eben!“

Es gibt großen Applaus und die Zuschauerin und ehrenamtliche Sterbebegleiterin Monika Bott aus Oberhausen findet, der Umgang der Gruppe mit dem Thema Tod sei aus dem Leben gegriffen: „Wenn wir Sterbebegleitung machen, dann gibt es auch immer lustige Dinge und traurige Dinge ganz nah beieinander, genau wie heute Abend.“

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